Bildungsmäuschen

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Vernetzung

So, jetzt hat es mich erwischt. Und wie ein Mensch wegrennt, wenn sich eine Schleuse öffnet und Wassermassen unkontrollierbar über ihn hereinbrechen, habe ich auch erst einmal Panik bekommen. Auch im Land der Atome bin ich nicht diejenige, die alle kennt und mit allen redet und viele Kontakte pflegt, und deshalb auch eigentlich keine Person, die auf Vernetzung sehr stark anspricht. Aber ich guck mal hier und da, und dieses interessiert mich und jenes, und Strukturen sowieso. Daher wird sozusagen durch die Hintertür Vernetzung plötzlich auch für mich interessant.

Aber zuerst einmal zum Land der Atome. So recht zufrieden bin ich schon eine ganze Weile nicht mehr mit der Gegenüberstellung der Bezeichnungen reale und digitale Welt. Damit erhält die digitale Welt einen Beigeschmack von irreal. So erscheint sie mir aber ganz und gar nicht. Sie ist eigentlich nur eine andere Art von Welt. Wie die soziale Welt, in der wir leben, von Menschen auf der Basis der vorhandenen und mitgebrachten Ausstattung geschaffen wird, so ist die Welt der Bits und Bytes eine von Menschen geschaffene, in der die hier vorhandenen Möglichkeiten genauso gestalterisch eingesetzt werden wie in der Welt der Atome. Wie viel die Welt der Bits und Bytes letztlich mit Atomen zu tun hat, weiß ich nicht wirklich, an dieser Stelle ist es auch erst einmal ohne Belang. Diese Art der Bezeichnung habe ich übrigens im Buch "Makers" von Chris Anderson gefunden und da mir diese Unterscheidung gefällt, probiere ich zur Zeit aus wie ich damit zurecht komme.

Noch zwei andere Elemente sind im Vorfeld wichtig: Das Beispiel des Lebens in Bielefeld im Buch "Netzgemüse" von Tanja und Johnny Haeusler als Verbildlichung des Zugangs zur Welt der Bits und Bytes (digital ist kürzer, aber dann wieder aus einer anderen Kategorie als Atome, herrjeh) für die Menschen mit unterschiedlichem Zuzugszeitpunkt in die digitale Welt. Die einen kommen erst als Erwachsene und lernen die neue Stadt ganz anders kennen wie ihre Kinder, die darin aufwachsen. Diese Übertragung in die Welt der Atome macht den Vorgang für mich sehr anschaulich und ich kann gut damit denken.

Aber weiter mit der Vernetzung. Ein cMooc basiert auf der Vernetzung, die von jeder und jedem selber erfolgt. Die vorgefertigte Ausstattung ist minimal. Jeder und jede kann für sich alleine wurschteln und das angebotene Video betrachten, speichern, Aufzeichnungen machen, drüber nachdenken, mit anderen drüber reden. Aber da fehlt dann noch etwas, damit es einen Mehrwert bekommt. Ich kann mich an einen belegten xMooc erinnern, den ich jetzt gar nicht benennen will, da war fast nichts los. Die Forenbeiträge spärlich, keine Anregung zur Diskussion. Wer teilgenommen hat, hat eben für sich selbst vor sich hin gearbeitet. Ich habe den Kurs zwar abgeschlossen und auch etwas gelernt, doch aus dem Thema hätte man eigentlich etwas Großartiges mit bleibendem Eindruck machen können. So waren es eben nur thematisch passend zusammengestellte Materialien, die den Eindruck kühler Sachlichkeit hinterließen, ein Angebot mit dem ich die Vorstellung einer Fortbildung für Unternehmen verband, das zwar seriös ist, aber niemandem Spaß macht und das nur absolviert wird, wenn ein Zwang zur Fortbildung dahinter steht.

Um freiwillig und mit Begeisterung zu lernen, muss aber Spaß an der Sache dabei sein und der kann durch den Austausch mit anderen Menschen, die sich gerade mit der gleichen Sache beschäftigen, gefördert werden. Austausch führt zu weiteren Informationen, zu Beispielen, zu sozialer Motivation. Zur emotionalen Beteiligung. Aber jetzt zurück zum cMooc.

Ich bin eine Zugereiste in die Welt der Bits und Bytes. Ich habe sie nicht geschaffen. Doch ich streife darin herum und lerne sie kennen. Und langsam fange ich an mir in dieser Welt aus den vorhandenen Materialien Plätze zu schaffen an denen ich mich aufhalte, an denen ich zu erreichen bin und an denen ich etwas hinterlassen kann. Und ich lerne die Plätze anderer kennen und wie sie sich eingerichtet haben und was sie dort tun. Ein cMooc fördert es nun, dass die Teilnehmer gegenseitig ihre Plätze besuchen und die Motivation entwickeln ihre eigenen Plätze auszubauen. Weiterhin dass sie gemeinsame Plätze schaffen, die zu einem gemeinsamen Gut werden. Sozusagen erkunde ich mein Bites-and-Bytes-Bielefeld (BBB). Es ist etwas anderes als ein xMooc, wo alles auf der Plattform des Betreibers geschieht, da geht man hin wie zur Schule oder VHS oder Uni oder ins Bildungszentrum und dann geht man wieder nach Hause. Vielleicht finden auch noch begleitende Arbeitsgruppen statt, vielleicht entwickeln sich persönliche Freundschaften, aber das ist alles nicht nötig. Hingehen, zuhören, vielleicht teilnehmen, weggehen.

Beim cMooc ist der Druck zur Entwicklung eigener Aktivitäten und die Aufforderung selbst etwas zu tun erhöht, wenn man mehr davon profitieren will. Gewissermaßen ist ein cMooc etwas für mehr oder weniger gleichberechtigte Macher, bzw. für Menschen die darauf Wert legen selbst etwas in einem gleichberechtigten Zusammenspiel mit anderen oder neben anderen zu tun.

Das Gefühl, das ich dabei habe, ist das von großer Offenheit, die mit sehr großer Freiheit einhergeht, und dem eindeutigen Aufforderungscharakter zum Selber-Tun. Zuerst war ich von der Selbstverständlichkeit mit der mein Blog eingebunden wurde erschreckt, jetzt bin ich nachdenklich. Es ist für mich das eindeutige Signal zur Gleichwertigkeit neben anderen, bei etwas, das meinem eigensten Interesse entspricht. Du tust da, ich tue da und dann gucken wir mal. Aber ohne dass jeder und jede etwas tut geschieht gar nichts. Nur so entsteht BBB, so wird es erhalten und gepflegt, so wird es wohnlich und sicher gemacht, so entfaltet sich Fülle.

Ich bin sehr nachdenklich. Es gibt ein Thema, doch gleichzeitig gibt es Entwicklungen, die mit dem Thema nichts zu tun haben, aber wiederum davon nicht unabhängig sind.

So bleibt dieser Beitrag am Ende offen. Manche Reise führt zu sehr Unerwartetem. Und dann lässt sich eben noch nicht erkennen, was um die nächste Ecke wartet.

Aber: ich brauche langsame eine gute Datenbank, sonst werde ich irgendwann kaum noch etwas wiederfinden.

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