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Magic Silver – Film für Kinder – in der Grundschulbetreuung

Schon seit vielen Jahren gehört es in unserer Grundschulbetreuung zu den beliebten Aktivitäten zu Beginn der Ferien, wenn die Unterrichtszeit verkürzt und sehr viel mehr Zeit als sonst üblich zu füllen ist, einen Film zu zeigen. Es ist eher ein Unterhaltungs- als ein Bildungsangebot, aber auch ein Unterhaltungsfilm kann durchaus ein Bildungsangebot sein!

Diese Mal fiel meine über das Internet recherchierte Wahl aus dem Angebot der städtischen Bücherei auf den Film „Magic Silver“, eine norwegische Produktion aus dem Jahr 2009, beworben mit „der erfolgreichste Kinofilm in Norwegen“. Sehr angetan von dem Trailer schaute ich mir den ausgeliehenen Film an und war davon sofort überzeugt. Er hat alles was für mich einen guten Kinderfilm ausmacht. Er erinnert ein wenig an die alten deutschen Märchenverfilmumgen aus den 50ern und ist letztlich auch technisch eine moderne Version des Märchens, mit Gefahren, Herausforderungen, Aufgaben, Helden, Freundschaft, Tod, Vertrauen, sozialschädlichen Verhaltensweisen, anfänglichem Misstrauen und späterer Zusammenarbeit, Gegnern, gegen die gemeinsam vorgegangen werden muss, und einem guten Ende, das auf eine bessere Zukunft hinweist. Und damit ist die Liste der verwendeten Zutaten noch lange nicht abgeschlossen.

Die Eignung des Filmes lässt sich für Vorschulkinder bis etwa zum dritten, eventuell noch vierten Schuljahr bestimmen, je nach Kind auch darüber hinaus. Der Film hat eine gute Mischung zwischen ruhigen, langsamen Szenen, beispielsweise durch einen hohen Anteil an Darstellung der Gefühlsregungen in den Gesichtern der Darsteller, herausragend hier die Heldin Prinzessin Blaurose, und beschleunigten Szenen wie schnellen Verfolgungsjagden auf Schlitten. Aus den Bildern lässt sich häufig unmittelbar ablesen, was in den Menschen vor sich geht, es werden aber auch viele tricktechnische Mittel eingesetzt, die sich hinter Produktionen, die in ihrer Wirkung vor allem darauf setzen, nicht verstecken müssen. Der Film ist damit die technischen Möglichkeiten betreffend auf einem modernen Stand, während er aber auch traditionelle schauspielerische Mittel geschickt einzusetzen weiß. Für die Zielgruppe ist er insgesamt weder langweilig noch eine permanente Überforderung.

Gefallen hat mir an dem Film aber vor allem die Ansiedlung der vermittelten Werte im europäischen Kulturkreis. Auch wenn der Sagenhintergrund, auf dem der Film basiert, eindeutig nordeuropäisch und nicht mitteleuropäisch ist und das zu Erklärungsbedarf bei den Kindern führen kann (hier treten Wichtel auf bei denen es sich durchaus um eine andere Gattung handelt als die bei uns bekannteren Zwerge darstellen), sind die grundlegenden Werte wesentlich dichter an denen angesiedelt, die zu vermitteln der Auftrag deutscher Schulen ist, als die meist in amerikanischen Filmen vertretene Weltsicht. Es kommt wesentlich weniger das Gefühl von Kulturfremdheit auf, der Film setzt weniger auf „Krach und Radau“ und extrovertierte Verhaltensweisen als auf die Beobachtung von Emotionen der handelnden Figuren. Aus diesem Grund scheint sich der Film auch weniger für Kinder zu eignen, die zu dieser Ebene nur geringen Zugang finden können oder sehr stark von anderen Form der Darstellung geprägt sind, da dieser Film Erwartungen an Komik und permanente Aufregung nicht befriedet.

Die Wirkung auf die Kinder war bei unserer Vorführung für mich erstaunlich. Da wir eine Betreuung sind, durften die Kinder den Raum leise verlassen, wenn sie etwas trinken mussten, der Film ihnen nicht gefiel, sie nicht mehr leise sein konnten und rumhampeln mussten oder abgeholt wurden. Die ältesten Kinder (Ende 4tes Schuljahr) hatten von Anfang an kein Interesse an dem zuvor angekündigten Film gezeigt, sie bevorzugten sowohl Fußball als auch Spielkonsolen, die sie am letzten Tag mitgebracht hatten. Von denjenigen, die dann teilnahmen, blieb allerdings der größte Teil bis zum Ende, wenn sie nicht vorher abgeholt wurden. Da die Betreuung während der Vorführung personell doppelt besetzt war, stand immer eine Alternativmöglichkeit des Aufenthalts zur Verfügung und zwar sowohl indoor als auch outdoor. Es wurden zwei Pausen gemacht. Einmal von fünf Minuten, als Unruhe eintrat und etliche Kinder Durst hatten, dann noch einmal eine Weile später etwa zwanzig Minuten lang als das Essen eintraf. (Die Länge des Films beträgt etwa 83 Minuten)

Zwar hatten wir mit periodisch aufflammenden Störungen von zwei unserer Dauerkasper, einmal in männlicher und einmal in weiblicher Version, zu tun, doch im Vergleich zu anderen Situationen hatte dieser Film auch auf sie eine fesselnde Wirkung (Kasper können nicht einfach den Schalter umlegen), wobei diese Wirkung durchaus so war, dass die Kinder in einen innerlich ruhigeren Zustand zu kommen schienen.

Bei den vermittelten Werten geht es um den Umgang mit Fremden, die zuerst abgelehnt und dann Freunde werden, den Einsatz von Mut, während die Angst weiter besteht, das Über-sich-hinauswachsen-Können und Hineinwachsen in Rollen, die zuerst unerfüllbar erscheinen, die Möglichkeiten positiven Miteinanders und gegenseitiger Hilfe von Verschiedenen, Erfolg durch Engagement, die Möglichkeit für diejenigen, die sich gegen die Interessen der Allgemeinheit stellen, wieder zurückkehren zu können, wenn sie ihr Verhalten ändern – kurzum, es geht um die Darstellungen positiv ausgerichteter Gruppenprozesse.

Der Film ist reine Fantasie, er ist vollkommen unrealistisch, aber er hat damit die gleiche Funktion wie die alten Märchen: den Menschen zu erklären, wie sie sich am besten verhalten sollten, so dass in der menschlichen Gemeinschaft alles gut wird. Und wie schon erwähnt: die hier vermittelten Werte erscheinen mir denjenigen, die unsere Gesellschaft hat, ähnlicher als ich es in vielen amerikanische Produktionen, die den Markt zu beherrschen scheinen, wahrnehme.

In den Wertungen, die im Internet zu finden sind, erhält der Film teilweise keine Topvotings, das sollte aber nicht davon abhalten sich auf ihn einzulassen. Der Einsatz ist auf eine geringe Altersgruppe beschränkt, aber auch für Erwachsene zusammen mit anvertrauten Kindern keinesfalls langweilig, also auch als Familienfilm geeignet. Von meiner Seite zu bemängeln ist dabei nur das sehr ausgedehnte Ende, ich persönlich hätte gerne dafür eine zeitlich geraffte Fassung, der Ausklang nach dem dramatischen Höhepunkt entspricht nicht dem was in der Regel üblich ist und auch sinnvoll erscheint. Weiterhin gibt es eine Internetseite, auf der Fans ein paar Gimmicks entdecken können, und einen zweiten Teil, zu dem ich allerdings nichts sagen kann. Insgesamt für den dargestellten Fall ein sehr positiver Einsatz.

Weitere Links:
Plakat der Betreuung
Amazonseite mit näheren Angaben und Kundenrezessionen
Schulkinowoche in Hamburg
Arbeitsblätter zu Teil 2

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