Bildungsmäuschen

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Informationsgewinnung und -verarbeitung

Mir fällt auf, dass ich mir im Lauf meines Lebens eine sehr oberflächliche Form der Informationsverarbeitung angewöhnt habe. Ich lese, verstehe und gebe mich damit zufrieden. Ähnlich ist es mit Audio- oder Videomaterial. Hören oder hören und sehen, verstehen und damit zufrieden geben. Gerade bei gut gestalteten Beiträgen, die leicht nachvollziehbar sind, hat sich diese Verarbeitungstiefe als Gewohnheit etabliert. Allein dadurch dass ich einen Beitrag verstanden habe, entsteht der Eindruck, dass ich den Inhalt jetzt kenne, aber wenn ich genauer hinschaue, habe ich eigentlich nicht viel gelernt. Einzelne Highlights werden später noch erinnert, auch die wahrgenommene Gesamtaussage, doch die vielleicht ebenfalls wichtigen Details, die in anderen Zusammenhängen wesentliche Informationen liefern könnten, sind verschwunden. Ich bin informiert, mehr nicht.

Das taugt für den Alltag und für oberflächliche Meinungsbildung, aber nicht für wissenschaftliches Arbeiten und auch nicht für das Lernen. Lernen und wissenschaftliches Arbeiten erfordern eine intensivere Beschäftigung mit den zur Verfügung stehenden Informationen. Und für beides ist auch eine Systematisierung sinnvoll. Haben die Studienbriefe der Fernuni Hagen bereits einen systematischen Aufbau, eine Arbeit, die von den Lehrenden übernommen wurde, so liegt es wiederum bei den Studierenden dieses System zu erkennen und Strategien zu entwickeln, die zur Verfügung stehenden Informationen so zu lernen, dass sie später (erst einmal während der Klausuren) wieder abgerufen werden können.

In gewisser Weise fördert diese Form des Aufnehmens und Lernens eine veränderte Haltung zum Umgang auch mit weiterem Material, aus dem sich Informationen gewinnen lassen. Ich merke verstärkt, dass ich, wenn ich ein Buch nur lese, eine Sendung nur anschaue, auf der Ebene oberflächlicher Informationsgewinnung bleibe. Erst wenn ich mehr Aufmerksamkeit aufwende, wenn ich beispielsweise herausschreibe was die einzelnen Themen einer Sendung sind, was für Argumente geliefert wurden, was für Zusammenhängen aufgezeigt wurden, bekomme ich einen tieferen Einblick. Bei der Inhaltsanalyse eines problemzentrierten Interviews (eine qualitative wissenschaftliche Methode) bin ich darum bemüht, aus einer halbstündigen Tonaufnahme alle gelieferten Informationen systematisch zu extrahieren, die für die von mir aufgestellte Hypothesen, die auf meiner Forschungsfrage basieren, relevant sind. Das dauert Tage.

Wissenschaftliche Methoden versuchen also zu systematisieren, um einen Gesamtüberblick zu schaffen. Sie versuchen aber gleichzeitig auch sehr weit ins Detail vorzudringen, um keinen Aspekt zu vernachlässigen oder zu übersehen. Wissenschaftliche Methoden versuchen Zusammenhänge aufzuzeigen, Ursachen und Konsequenzen. Wenn ich wissenschaftlich schreiben will, darf ich keine Behauptungen auf der Basis oberflächlicher Informationen aufstellen, ich benötige Informationen, die genau sind, die systematisiert wurden, die ich nachweisen kann, und dafür muss ich Aufwand betreiben, das kann ich nicht einfach so nebenher tun. Dafür bekommt aber das anschließende Produkt eine bessere Qualität in seiner Aussage- und Erklärkraft.

Wissenschaftliche Methoden gibt es viele. Ich habe darüber zum momentanen Zeitpunkt keinen Überblick. Sie sind aber mit großer Sicherheit alle als Hilfsmittel einzuordnen, die es ermöglichen sollen, in einem gewünschten Rahmen Informationen zu gewinnen und zu verarbeiten. Dabei orientieren sich Studierende erst einmal an den Methoden, die sie kennen lernen, die für ihr Fachgebiet typisch sind, und lernen auch in welchem Rahmen sie benutzt werden, wofür sie sich eignen und wofür nicht. Aus diesem Repertoire kann nach Bedarf ausgewählt und kombiniert werden. Das reicht für Studierende auch erst einmal aus.

Bleibt aber noch die Frage nach den Innovationen, auf die sich die Aufgabenstellung der vierten Woche des #exIf13 konzentriert. Erst erschien es mir so, dass Innovationen bezogen auf die oben erwähnten Studierenden eine Fehlzuschreibung sind, aber stimmt das wirklich? Was sind denn überhaupt Innovationen und ist es nicht auch für Studierende vorstellbar, dass sie auf der Basis einer Fragestellung passende Methoden zu ihrer Untersuchung und Erfassung entwickeln, die sich als sinnvoll, nützlich und wissenschaftlichen Ansprüchen genügend erweisen und eine Innovation darstellen? Von wem wurden denn innovative wissenschaftliche Methoden in der Vergangenheit entwickelt? Waren das alles fertig ausgebildete Wissenschaftler? Und wie ist das überhaupt mit Studierenden? Bis zu welchem Grad sind sie Wissenschaftler?

Und damit versinkt das Ende des Blogbeitrags – plopp, plopp, plopp – im endlos scheinenden Meer der immer wieder neuen Fragestellungen…

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