Bildungsmäuschen

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Nachdenken

Eine der Informationen, die für mich beim 6. Vortrag des #exIF13 bei Prof. Hillebrandt am meisten hervorstach, ist die ausdrückliche Betonung des Nachdenkens. In genau dieser Phase befinde ich mich jetzt. Inzwischen haben sich viele Informationen angesammelt und dabei wird zunehmend klarer, wie selektiv ich Informationen aus der Fülle des Verfügbaren auswähle und speichere. Und dadurch dämmert mir allmählich, dass ich seit sehr vielen Jahren Probleme mit mir herumtragen, zu denen ich einerseits selber Fragen habe, die ich aber anderseits anderen gegenüber überhaupt erst einmal beschreibbar machen möchte.

Zu den zufälligen Funden am gestrigen Tag gehört ein Scribble zu einem Kurzcomic, den ich nie fertig gezeichnet habe. Schon darin habe ich mich mit dem beschäftigt, was jetzt wieder aufsteigt. Die Lösung, mit der ich damals die Geschichte beendete, hat nicht funktioniert und die Probleme sind geblieben, daher können sie auch jederzeit wieder hervor kommen. Gleichzeitig sind sie aber auch stark mit den Inhalten meines Studiums verknüpft und es gab bei der vorgestern erfolgten Rückmeldung keinen Zweifel mehr an meiner Wahl für die Profilphase.

Nachdenken, im Inneren nachforschen, Informationen erst einmal im Kopf zusammensetzen. Der Kopf ist belegt. Herumlaufen ist gut, Blumen gießen, den Himmel betrachten, Stichwörter auf Zettel schreiben, vertraute Personen mit unausgegorenen Inhalten in einen Zustand versetzen, der ihrer Duldsamkeit die Grenzen aufzeigt. Stammelnd aufgeben.

Zweifel an der eigenen Fähigkeit zur Bewältigung riesig erscheinender Dimensionen. Sprachlosigkeit, Beispiellosigkeit. Und dennoch. Da sind andere. Wo sind sie, was haben sie geschrieben und gedacht? Anfangen mit den eigenen Überlegungen, diese sortieren und dann suchen? Ich habe ja Zeit. Wenn ich etwas ordnen und benennen kann, dann können mir andere auch weiterhelfen und dann kann ich gezielter suchen.

Nachdenken. Aus dem Vorhandenen eine neue Ordnung erstellen. Ungewohnte Schwerpunkte setzen. Das Kaiserreich, die Aufteilung in Schulformen, Bewertungssysteme für hierarchische Kategorisierungen. Wertende Normsysteme für Menschen und Kulturen. Akzeptanz, die durch Vermeidung, nicht Auseinandersetzung funktioniert. Unfreiwillige Armut als menschenunwürdige gesellschaftliche Praxis. Bewertungssysteme für Armut. Armenkultur. Ausbeutung des Planeten. Wertänderungen. Bildung als Baustein zur Errichtung nachhaltiger Wirtschaftssysteme. Argumente für eine andere Blickrichtung. Kooperation. Gezielte Änderung von Wertesystemen. Neuanpassungen durch Bildung. Medieneinfluss.

Mein Kopf muss nach-denken, Ordnung schaffen und er ahnt da etwas. Er vermutet neue Möglichkeiten, deshalb macht er sich die Mühe. Irgendetwas ist da. Vielleicht doch eine befriedigendere Lösung als in dem nicht gezeichneten Kurzcomic. Genug Informationen sind zusammengekommen, die die Bedeutsamkeit der eigenen Wahrnehmung belegen, die belegen, dass da noch mehr Menschen da draußen sind, die Erscheinungen in einen ähnlichen Zusammenhang stellen. Zwischen den möglichen Themen meines Studiums schimmert mein eigenes Thema. Im Lauf des Studiums bin ich immer wieder auf mögliche Themen für eine Bachelorarbeit gestoßen, sie waren interessant, haben aber auch immer wieder gewechselt. Diese Mal scheint es etwas anderes zu sein. Es ist nicht nur ein leidig interessantes Thema, es ist eine Chance. Professor Hillebrandt hat auf diese Chance hingewiesen, sich für eine Zeit seines Lebens intensiv mit einem Thema auseinandersetzen zu dürfen.

Ich betrachte das alles mit eine Mischung aus Angst und Freude. Freude in meinem Studium die Aufmerksamkeit systematisch auf etwas von persönlicher Brisanz richten zu können, aber auch mit Angst vor der psychischen Belastung und vor einem erneuten Scheitern, methodisch, inhaltlich, gesellschaftlich. Doch im Augenblick bin ich in voller Konsequenz bereit zu dem zu stehen was zu meinem ureigenstes Interesse gehört und meine Aufmerksamkeit darauf zu richten. Vor mir selbst und vor anderen. Mein Studium erlaubt mir das! Was für ein unglaubliches Geschenk!

Diese Schlussfolgerung hat mir zumindest der letzte Vortrag des #exIF13 als Konstrukteurin meiner eigenen Interpretation der Wirklichkeit nahe gelegt. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt kann ich nicht entscheiden, doch die Begeisterung für wissenschaftliche Arbeit ist auf jeden Fall angekommen. Allerbesten Dank!

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