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Klausuren, Blogschreiben und Nebenbeidings

Zu einem Studium gehört auch der Nachweis erbrachter Leistung, zumindest wenn es auch zu einem Abschluss kommen und es einem nicht ergehen soll wie Baron von Seckendorff, unserem Kuriosum im Beitrag zu Bourdieu der Präsenzveranstaltung zu sozialer Ungleichheit. Danke dafür an Marco Krenz. Ich wollte in diesem Semester ursprünglich nur ein Modul statt den bisherigen je zwei bearbeiten, um mehr Zeit für die Nebenbeidings (die eigentlich inzwischen einen eigenen thematischen Blogbeitrag bekommen sollten) zu haben, aber die Studieninhalte waren einfach zu verführerisch. Daher muss ich jetzt zwei Klausuren unterschiedlicher Strickweise vorbereiten. Einmal das Erkennen von Wissen in Multiple Choice Fragen, das andere Mal die freie Reproduzierbarkeit von Wissen bei der eigenständigen Beantwortung von Fragen.

Und wieder einmal habe ich zu Ende des Semesters das Gefühl, für die Themen noch viel mehr Zeit zu benötigen, um sie wirklich zu verinnerlichen und nur mit Halbwissen in die Prüfungen zu stolpern. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass das bei der Fülle an Stoff, der uns serviert wird, gar nicht anders geht. Wir bekommen ja nur Einführungen und hinter allen Themen stehen so viele weitere Wissensschätze, das ist mir bei der Vorbereitung des Referats zu Armut sehr deutlich geworden. Mehr als ein Überblick geht nie und auch der erfolgt nur über die vom Lehrgebiet präsentierte Auswahl. Also bereite ich meine Klausuren auf dieser Basis vor, habe dabei aber den Eindruck, dass die Zeit niemals reichen wird, um alles was angerissen wurde wirklich zu kennen.

Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt ist außerdem, dass ich dabei das Gefühl bekomme, keine Zeit mehr für andere Dinge zur Verfügung zu haben und alle potentielle Lernzeit für die Klausurvorbereitung verwenden muss. Dagegen komme ich nicht an, daher muss mein Blog genauso wie andere Interessen jetzt leider bis nach den Klausuren ruhen. Das ist bedauerlich. Gerade das Thema Armut möchte ich noch weiter ausloten und systematisieren, den Couserakurs Social Psychology möchte ich erfolgreich abschließen, mich mit Gamification weiter beschäftigen und eine wenig Bemühen muss ich auch in meine Betreuungstätigkeit stecken, die nächste Woche wieder anfängt.

In der Vergangenheit habe ich oft den Weg gewählt, dass ich den Interessen, die mich am stärksten beschäftigt haben, den Vorrang gegeben habe. In der Vergangenheit hätte ich die Klausuren aufgeschoben, hätte mich meinen primären Interessen zugewendet und dort weiter ausprobiert und gelernt. Es ist eine merkwürdige Erfahrung wenn ich mich jetzt bewusst dazu entschließe an dem weiter zu arbeiten, was momentan nicht mein primäres Lerninteresse ist. Lernen wird dadurch zu dem was ich als Arbeit empfinde und zu dem ich mich auch motivieren und zwingen muss. Es ist nicht etwas das sich organisch ergibt, sondern etwas das mit einer Zielabsicht geschieht, die nicht das eigene momentane Lerninteresse widerspiegelt und den Verzicht auf stärker interessierendes beinhaltet.

Sehr seltsam was sich durch Blogschreiben herausfinden lässt! Allerdings ist es mir dadurch jetzt möglich die Klausurvorbereitungssituation in einem anderen Licht zu betrachten. Möglicherweise sollte ich den Blog doch weiter führen und eher das Gefühl ablegen, dass ich keine Zeit für andere Dinge mehr habe…Und ich sollte meine tägliche Zeit für Klausurvorbereitung beschränken und Zeit für andere Dinge frei halten. Denn während ich schreibe fällt mir auf, wie sehr ich in der letzten Zeit trödele und dies und das tue, halt die Nebenbeidings, und doch nicht mit dem Lernen so schnell voran komme wie ich gerne würde. Es scheint so, dass die Strategie alle Zeit für Klausurvorbereitung zu reservieren bei den Teilen von mir, die ich wegdränge, nicht gut ankommt. Da scheint sich was zu sträuben und sein Recht auf Existenz eben hintenrum einzufordern. Sehr interessant! Scheint so als wäre es besser, wenn meine inneren Was-auch-immers besser miteinander kooperieren und ich den verdrängten Anteilen mehr Rechte einräume.

Und mit diesen Überlegungen starte ich dann mal in einen neuen Tag, um mit neuen Ideen vielleicht hilfreichere Strategien für die Situation vor den Klausuren zu entwickeln.

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4 Kommentare

  1. anonymous sagt:

    Anonym writes:Hallo Angelika,als ich grade las: "Lernen wird dadurch zu dem was ich als Arbeit empfinde und zu dem ich mich auch motivieren und zwingen muss. Es ist nicht etwas das sich organisch ergibt, sondern etwas das mit einer Zielabsicht geschieht, die nicht das eigene momentane Lerninteresse widerspiegelt und den Verzicht auf stärker interessierendes beinhaltet. " dachte ich, dass es ja vielleicht auch Sinn macht, dies mal zu erleben: Die meisten Schüler und Schülerinnen und (jungen) Studenten und Studentinnen müssen sicher oft genau dies verfolgen, was meinst du? Sicher ist dann "stärker interessierendes" oft nicht alternativ Anderes, was zu lernen ist, sondern auch die Freunde, der Sport, die Computerspiele..aber manchmal auch das Fach, das an der eigenen Schule mangels Lehrer nicht unterrichtet wird (Informatik und Programmieren z.B. muss man dann in den Ferien selbst erarbeiten, in der Schulzeit passt das nicht mit rein. Da ziehe ich hier bei mir zu Hause grade den Hut vor meinem Sohn.) Aber das Andere, was du beschreibst, gute Vorsätze und dann prokrastinieren (dieses Wort kenne ich erst seit dem Fernstudium 😉 ) kenne ich auch..dann doch lieber so ein Plan, wie du ihn hast. Dann bin ich froh, nicht mehr den Druck der Schüler und Schülerinnen zu haben.Bin gespannt, wie es bei dir weiter geht! Viele Grüße von Cornelia

  2. amirabai sagt:

    Hallo Cornelia!Den Begriff prokrastinieren habe ich auch erst kürzlich kennen gelernt und normalerweise habe ich bezogen auf mein Studium kaum etwas damit zu tun. Ich bin ja auch seit einer Weile mit den Studieninhalten durch und jetzt ist es eigentlich an der Zeit sie anzuwenden und in der Anwendung die bestehenden Lücken zu entdecken und diese dann zu ergänzen. So funktionieren die anstehenden FernUni Klausuren aber nicht. Dafür muss ich die riesige Menge an durchgenommenen Inhalten und Details parat haben, ohne bei Bedarf noch einmal etwas nachschauen zu können und das erzeugt den Eindruck von Grenzenlosigkeit. Gerade bei den Vertiefungstexten von 2C. Und diese Grenzenlosigkeit wiederum vermittelt den Eindruck jedes Fitzelchen verfügbare Zeit in das Einprägen stecken zu müssen und ja nichts anderes tun zu dürfen. So kann ich aber nicht leben. Dabei muss ich zu viele berechtigte Bedürfnisse unterdrücken und das lassen die nur begrenzt mit sich machen. Es ist ihr Auflehnen gegen eine für sie unzumutbare Disziplin. Und damit kann ich mich letztlich nur arrangieren. Ich muss den Bedürfnissen nach Entspannung und Abhängen und dem Verfolgen aktuell sich entwickelnder Interessen nachgehen, sonst handeln sie hintenrum und fangen an mich zu blockieren und keinem Teil ist geholfen, den Bedürfnissen nicht und dem Lernen für die Klausuren auch nicht. Ich vermute sogar, dass es sich hier um einen Selbstschutz vor Überforderung handelt. Vor einem Jahr habe ich mich vor den Klausuren durch meine Vorgehensweise in einen ziemlich überdrehten Zustand gebracht und ich denke, da sind andere Teile meiner Person klüger und vorausschauender als mein Verstand, der meint alles was er sich so vorstellt auch durchsetzen zu können. Lösungsversuch daher: weniger Zwang, mehr Entspannung und Gelassenheit und mehr spielerisches Vorgehen. Auch wenn es erst einmal schwer fällt. Ziemlich schwer sogar.

  3. anonymous sagt:

    Anonym writes:Hallo Angelika,nur ganz kurz zwei Dinge: Gelassenheit ist, denke ich, immer ein gutes Ziel, aber nicht immer leicht. Da hilft oft, ein Schritt zurück zu treten, das tust du mit deinem Blog.Und ich sitze zurzeit in der "Bucht der Literatur", oder rudere vielmehr 😉 , und ab und an denke ich dann an Luisa und frage mich dann kritisch: Hätte sie jetzt gesagt, es reicht? Das ist gut! Hilft auch beim "Schritt zurück treten" und sich nicht verzetteln, danke noch mal für Luisa!Viel Glück und Gelassenheit wünsche ich dir.Cornelia

  4. amirabai sagt:

    Die Gelassenheit ist in Arbeit. Und mein Fußboden füllt sich mit Stichwortkärtchen. Meine Güte ist das viel Zeug! Und im Kopf und auf Festplatte wird es ganz klein! Faszinierend! Liebe Cornelia, ich weiß nicht welche Arbeitsmethode bei dir gut wirkt, ich würde die Bücher und Pdfs oder ihre Repräsentanten rings um mich herum ausbreiten, ordnen und indem ich es mir so sichtbar mache, kann ich ganz gut einschätzen was ich bereits habe und wo vielleicht noch etwas fehlen könnte. Das passt bei mir gut, muss allerdings für dich nicht das Richtige sein. Für mich ist das Sehen wichtig und mir hilft es sehr, wenn ich Dinge direkt vor Augen habe, um sie gut zu begreifen. Und daher habe ich jetzt viel Platz auf dem Fußboden mit Kärtchen belegt und schaue mir nun ganz glücklich an, was ich bereits alles wiederholt habe.

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