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Cousera’s Social Psychology, deutschsprachiges Forum und Ü60jährige

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, brauche ich meine Zeit momentan für anderes als den Blog, doch einige Eindrücke sind so wichtig, dass ich über sie schreiben möchte. Beim Courserakurs Social Psychology gibt es grafische Statistiken zu den Teilnehmern nach deren Selbstangaben. Nach primär englischsprachigen Ländern (Indien ist die einzige Ausnahme, aber da Englisch eine der beiden Amtssprachen ist ein Sonderfall) steht Deutschland an sechster Stelle der Teilnehmerzahlen von denjenigen, die an dem freiwilligen Snapshort Quiz zu Anfang teilgenommen haben. Dennoch ist Deutsch eine Minderheitensprache mit 2,8% muttersprachlichen Teilnehmern (englische Muttersprachler angegeben mit 51,7%). Während ich im sonstigen Leben sprachlich zur Mehrheit gehöre, befinde ich mich hier in einer Minderheitenposition. Außerdem gehöre ich auf einer weiteren Dimension zur Minderheit und zwar zu den Älteren. Die Kurve ist rechtsschief und erreicht ihre höchsten Werte bei den 23 bis 25 jährigen. Ich bin also gleich zweimal mit Merkmalen, durch die ich in meinem Heimatland zur Mehrheit gehöre, der Minderheit zuzuordnen. Eine sehr interessante Erfahrung sich plötzlich in dieser Position zu befinden.

Nun wird von den Initiatoren angeregt, dass sich Gruppen nach gemeinsamen Merkmalen zusammenfinden und so hat sich auch schnell ein deutschsprachiges Forum gebildet. Ich habe dort vorbeigeschaut und hallo gesagt, fand es aber befremdlich in einem englischsprachigen Kurs nur Deutsch zu lesen und fühlte mich mit den Teilnehmenden auch nicht in besonderer Weise verbunden. Bei meinem ersten Kurs, bei dem es kein deutschsprachiges Forum gab, habe ich mich dagegen gefreut im Vorstellungsthread auf Deutsche zu treffen und habe auf Englisch an sie geschrieben und bekam auch freundliche Antworten in der gleichen Sprache.
Also habe ich dieses Forum nicht weiter beachtet. Sprache allein ist hier keine ausreichende Verbindung.

Wesentlich interessanter wurde für mich dagegen der Thread der Ü60 jährigen. Zwar habe ich noch ein wenig Zeit bis zu diesem Alter, aber die dort angerissenen Themen sind insgesamt für Ältere spannend. Soziale Vergleiche mit den Maßen höchste Häufigkeit der Teilnahme an Couserakursen oder höchstes Alter sind hier zu finden. Außerdem erstaunlich viele Personen die nicht nur selber lernen sondern auch unterrichten. Inzwischen ist dieser Thread ellenlang und ich erlaube mir nur ihn zu überfliegen, auch wenn ich gerne alle Beiträge lesen würde. Hier finden sich Beschreibungen von Älteren über ihre Haltung zu lebenlangem Lernen, zur Häufigkeit mit der sie Voll- oder Teilzeitjobs haben, ein Beitrag einer Frau, die Mitte 50 ihren Bachelor machte und dann aus Geldgründen nicht weiterstudieren konnte und jetzt froh über das Angebot ist, also genau die Personengruppe und deren Probleme, die mich interessiert. Und dazu ist auch noch ein Austausch von persönlichen Informationen über Länder und Kontinentgrenzen hinweg möglich. Hier findet sich Stolz darauf sich immer noch weiter zu bilden, Dankbarkeit für die kostenfreie Verfügbarkeit, Skepsis dazu, dass es so bleiben wird und der Wunsch solange alles noch kostenfrei ist so viele Kurse wie möglich zu absolvieren. Hier finden sich aufmunternde Worte für andere und Menschen, die voll Freude darauf blicken für ihren bestehenden oder kommenden Ruhestand eine begeisternde Tätigkeit gefunden zu haben.

Es kribbelt mir in den Fingern diesen Thread zu analysieren, so sehr liefert er mir wichtige Informationen. Endlich, endlich, hier finde ich Menschen, die scheinbar vor allem um der Sache willen lernen, weniger im Hinblick auf einen guten Job oder einen fetten Abschluss. Ja, und da meldet sich auch ein noch nicht 50jähriger mit indischem Nachnamen bewundernd zu Wort und freut sich über die Perspektive, die die anderen ihm aufzeigen, und eine 81jährige antwortet ihm mit Informationen über sich auf seinen Post. Hier bedarf es keiner Erklärungen mehr warum und wofür man im fortgeschrittenen Alter noch lernt. Hier wird gegenseitig jede Skepsis weggespült. Und hier wird auch die Frage danach gestellt was eigentlich am Lernen so sehr fasziniert und Antworten dazu formuliert. All diese Menschen sind es vielleicht nicht, die bei den Initiatoren der Kurse im Fokus standen und an die man bei Bildungsangeboten normalerweise denkt. Doch sie sind in meinen Augen wahrhaftige, wenn vielleicht auch wenig beachtete Nutznießer. Hier finden sich gefühlt Menschen, die zu ihrem Brot jetzt auch noch die Rosen bekommen, die sie sich auch wirklich verdient haben!

Mit einem Zitat aus dem Thread, das so viel von dem zusammenfasst was auch mich bewegt, möchte ich enden.

„My God this is a long thread – there seem to be a majority of us retired but working people on this course!! Yes I am 72 now and I only wish this course had been possible many years ago because I can see how it has practical applications in life – still I have some time to go I hope and I will now use what I am learning here. This age of computers is really fantastic and I feel I am now actually living in „the future“ for me anyway. My main job now is to teach people to teach, but also aspects of HR management – one reason I am having fun on this course.“
aus Forum social psychology vom 20.8.2013

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