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Fernuni und MOOCs

Das Semester an der Fernuni ist zu Ende, die neuen Studienbriefe sind zum Teil schon da und das Liegengebliebene, das so gar nicht mehr warten kann, ist fast abgearbeitet, und unaufgefordert wandern die Gedanken in der Zeit zurück. Wieder einmal steht da der Wunsch im Raum, dass ich mit dem neuen Semester in einer besseren Weise umgehe, wieder einmal bin ich unzufrieden damit wie es war.

Seit wann ist das so? Mir fällt auf, dass es begann als mein Studienzentrum geschlossen werden sollte und keine Begleitveranstaltungen mehr anbot. Ich mochte die älteren Mentoren dort mit ihrem reichen Erfahrungsschatz und den Bonusinformationen, ich mochte es andere Studierende zu sehen und in direktem Kontakt einen studienbezogenen Austausch zu pflegen. Das hat mich als Fernstudierende sozial integriert. Doch seit zwei Semestern kämpfe ich gefühlt allein. Ich habe die verschiedensten Dinge versucht, um über das Netz einen Ersatz zu finden, doch es ist mir nicht gelungen. Im Lauf der Zeit hat sich in mir die Vorstellung entwickelt, dass die typischen Fernstudierenden, die nicht aufgeben, versuchen ihr Studium so schnell wie möglich mit so wenig Aufwand wie möglich neben vielen anderen Verpflichtungen über die Bühne zu ziehen. Oder aber Studierende sind, die ihre sehr persönlichen Studienabsichten für sich verfolgen. Das entspricht jetzt keinen für mich tatsächlich überprüfbaren Tatsachen, statistische Daten liegen mir nicht vor, sondern ist eine reine Fantasie aufgrund von Eindrücken und Erfahrungen. Diese ist aber bestimmend für meine emotionale Einschätzung der Lage. In Bezug auf soziale Integration finde ich hier also nicht mehr das, was ich benötige.

Schaue ich mir daher als nächstes das Lernen an. Die Studienbriefe finde ich unterm Strich hervorragend. Ich kann sie auch als Basis für Lernen gut verwenden, aber nur als Basis. Und genau an dem Punkt fangen die Probleme an. Was mir danach fehlt ist die Auseinandersetzung und Anwendung im Kontext mit anderen und im Kontext mit der mich umgebenden Umwelt. Die Inhalte der Studienbriefe sind akademischer Natur und mir reicht es nicht diese Inhalte zu kennen, zu reproduzieren und für mich zu kombinieren. Das bleibt erst einmal leeres Wissen, das ich verwenden kann, um die Abschlussanforderungen für Module zu erfüllen. Ich möchte aber verwendbares, anwendbares Wissen und ich möchte es im Kontext mit anderen erproben. Und ich möchte das sofort und nicht wie ein Kommilitone sagte: "Anwenden dürfen wir das dann später."

Etwa in der Zeit als mein Studienzentrum nicht mehr zur Verfügung stand, habe ich neben dem Versuch einen Ersatz in den digitalen Angeboten der Uni und der Nutzung der Studierenden von Kommunikationstools zu finden, mit gewissen Formen von MOOCs begonnen. Recht unbedarft und einfach nur neugierig auf Themen und Lernformate, ohne Einführung in Socialtools wie es z.B. der Vhsmooc momentan hervorragend leistet. Bei meinem ersten cMooc habe ich daher bis zum Schluss die dezentrale Struktur nicht verstanden, beim hr2-Funkkolleg erst nach vielen Wochen das zusätzliche Onlineangebot entdeckt. Und dass sich Menschen auf ihren Plattformen daran beteiligt haben, erst nachdem es zu Ende war. Informelles Lernen in Reinform eben.

Immer weiter auf der Suche nach hilfreichen Formen des Lernens habe ich auch Coursera entdeckt. Irgendetwas war da für mich anders. Zumindest bei den Kursen die ich belegt habe. Hier fand die soziale Integration statt, die ich mir gewünscht hatte. Hier bin ich Longlife Learner unter anderen, begeistert für das Thema, erfreut über ungewöhnliche Aufgabenstellungen, die ich letztlich ganz nach meinen Vorstellungen gestalten kann und die mich persönlich in die Thematik einbeziehen oder Aufgaben, die sofort die Anwendung des vermittelten Wissens erfordern, dabei jede Woche wieder gespannt auf die erreichte Punktzahl der Wochenaufgabe, erfreut über reichhaltiges Videomaterial, schwimmend in der Woge unzähliger möglicher zu lesender Beiträge von Menschen aus aller Welt und vor allem mit dem Gefühl Teil einer Lernbewegung zu sein. Außerdem direkt adressiert durch die Art der Lectures: der Prof. wendet sich wie bei einer Videokonferenz direkt und unmittelbar an den Zuschauenden. Jeder und jede kann sich ganz persönlich angesprochen fühlen. Ein Teilnehmer schrieb in einem Beitrag: "Ich finde den Prof. so nett. Manchmal kitzele ich ihn auf dem Bildschirm ein wenig an der Nase." Und ich winke schon einmal "Tschüß!", wenn sich jemand am Schluss verabschiedet.

Freude am Lernen, Begeisterung für das Thema, Freude an der Lehre, begeistertes Helfen und miteinander Auseinandersetzen, das habe ich hier gefunden. Nicht dass es das an der Fernuni nicht gibt. Aber es ist nicht das Bestimmende. Fernuni ist Weiterbildung, ist Abschlüsse erwerben, ist Standards erfüllen. Fernuni ist Anzüge und Kostüme und offizielle Auftritte. Fernuni ist der Ernst des Lebens. Die Courseramoocs fühlen sich dagegen für mich an wie ein Haufen wispernder Zugvögel, aufgeregt, gegenwärtig, wie ein Pott voller Ideen, wie ein Motor um die Zukunft besser zu gestalten als die Vergangenheit. Während mich meine Studieninhalte zunehmend deprimieren, da sie mir die Unmöglichkeit zu einer Veränderung für mich so klar vor Augen führen, flüstert hier die Hoffnung auf etwas, das vorher noch nicht da war. Vielleicht ist es der Geist eines Landes, das sich lange als das der unbegrenzten Möglichkeiten verstand, im Gegensatz zum Geist eines Landes mit immer älter werdender Bevölkerung, die sich an Sicherheiten klammert und diese dabei als bedroht betrachtet. Ich weiß es nicht.

Und noch eine Beobachtung am Rande: In meinem Hangout bei Social Psychology (für den es Punkte gab *grins*) waren drei von sechs Deutschen, die sich zufällig zusammengefunden hatten, ehemalige oder gegenwärtige Studierende der Fernuni Hagen. Was sagen solche Überschneidungen aus?

Für mich gilt: ich möchte über das Netz lernen. Ich betrachte das Web auch als ein geeignetes Medium dafür. Das Lernen soll aber auch unmittelbar Spaß machen, es soll relativ schnell üb- und anwendbar sein, es soll zum Weiterlernen motivieren und ich wünsche mir die Möglichkeit sozialer Integration in der Position eines Lifelong Learners im Austausch und Kontakt mit anderen. Und weiterhin wünsche ich mir die Möglichkeit einer nachweisbare Anerkennung meines Bemühens und meiner Lernleistungen.

Damit wende ich mich jetzt erst einmal dem Versuch zu, noch ein wenig Semesterferienstimmung zu erzeugen, bevor ich mich diesem riesigen Haufen Studienbriefen zuwende, den die Fernuni da wieder an mich versendet hat, und lasse die Frage noch ruhen, ob ich dieses Semester wohl eine Lernstrategie finde, die mich zufrieden stellen kann.

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