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Lernen lernen

"Pauken ist wie geschlossene Pakete hinunterschlucken.
Lernen ist diese Pakete aufmachen um rauszufinden was drin ist."

Vera F. Birkenbihl (zitiert in "Deine Einstellung zum Fernstudium ist das was zählt" http://www.learnatfirstsight.net/deine-einstellung-zum-fernstudium-ist-das-was-zahlt/

Diese Aussage zielt sehr genau auf ein Thema mit dem ich mich schon eine Weile beschäftige. Wie kann ich so lernen, das wirklich etwas hängen bleibt, während ich aber gleichzeitig auch die gestellten Anforderungen erfülle, effektiv arbeite, außerdem Spaß habe und meine Motivation zum Lernen erhalten bleibt. Eine Antwort auf die Frage habe ich bisher nicht gefunden, bei zwei Befragungen in der letzten Zeit nach zukünftigen Themen von MOOCs aber immer Lernen angegeben. Dabei denke ich allerdings weniger an Lerntheorien als an praktische Wege.

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich bisher vor jedem neuen Semester beschlossen, dass ich es dieses Mal besser machen werde als im Semester zuvor. Ich habe es jedes Mal etwas anders gemacht, aber nie wirklich besser. Auch jetzt starte ich mit dem Vorsatz mein Lernen zu verbessern, vor allem nach den Erfahrungen mit den Klausuren vom letzten Semester als ich am Schluss nur noch das Gefühl hatte meine Zeit zu verschwenden, während ich mir den Stoff so in den Kopf schaufele, dass ich schon nach kurzer Zeit nichts mehr davon wissen werde. Das hat sich angefühlt wie harte Arbeit ohne Spaß, war keine erneute Auseinandersetzung mit den Inhalten und es gab noch nicht einmal eine Belohnung durch wirklich gute Noten. Eine sehr frustrierende Erfahrung.

Nun also Neustart. Zwei Jahre Fernstudiumlernerfahrung in einen Topf, schütteln und den Gesamteindruck extrahieren. Wie mit den Studienbriefen verfahren? Wie Moodle nutzen? Was für Erkundigungen einholen? Präsenzveranstaltungen belegen? Arbeitsgruppe suchen?

Dieses Mal soll wieder alles anders werden. Ruhiger, überlegter, aber auch konzentrierter. Und weniger mit der Hoffnung, dass die Zusammenarbeit mit anderen eine Lösung sein könnte. Im vorletzten Semester habe ich die Zusammenarbeit mit anderen vermisst; die hatte ich zwar im letzten Semester, bei meinen Problemen hat das unterm Strich aber nicht geholfen. Unterstützung auf der einen Seite hat sich die Waage gehalten mit neuen Problemen, die durch die Konfrontation mit dem Arbeitsverhaltens der anderen wieder entstanden sind.

Neustart. Ich fühle mich als sei ich als Fernstudierende erwachsen geworden. Ich bin selbstverantwortlich. Ich allein habe zu entscheiden, wie ich mein Studium gestalte und was ich daraus mache. Ich bin es, die ihre eigenen Ansprüche kennt, die weiß was für ein Lernen sie erwartet und die es in der Hand hat Lernen genau so zu gestalten wie sie es möchte (oder es zumindest versuchen kann *grins*). Interessant daran ist, dass mir dazu wieder die idealtypologischen Entwicklungsstufen von William G. Perry zur ethischen und intellektuellen Entwicklung an der Universität einfallen, Stoff aus dem ersten Semester. Das womit sich Perry beschäftigt hat, ist ein wenig anders, aber auch bei ihm kommen Studierende an den Punkt, dass sie Verantwortung übernehmen und in gewisser Weise abgeklärter handeln. Wie ich mein Studium gestalte, liegt innerhalb des von mir nicht kontrollierbaren Handlungsrahmens bei mir. Ich kann das Lernen darin genau so gestalten wie es mir sinnvoll erscheint. Ich muss mich dabei nicht an anderen orientieren und mich nicht vom Stil anderer irritieren lassen. Ich darf meiner eigenen Wahrnehmung und meinen eigenen Einschätzungen vertrauen. Und ich darf meinen ganz eigenen persönlichen Lernstil entwickeln, bei dem ich mich wohlfühle und der mich in der Weise anspornt und voranbringt, die für mich passend ist.

Und damit starte ich ins neue Semester. Es gibt viel zu lernen. Stoff, aber auch immer wieder das Lernen an sich. Und dazu gehört es regelmäßig zurückzutreten und den Prozess an sich zu betrachten. Wofür sich die Zeit zwischen den Semestern hervorragend eignet!

Nachtrag:
Interessanterweise findet sich genau einen Tag später auf Twitter der Link zu einem Artikel mit folgendem Zitat:

"There’s a dirty little secret at the heart of education: We don’t really know what learning is."
http://www.slate.com/articles/technology/future_tense/2013/09/moocs_need_to_go_back_to_their_roots.html

Das spricht doch sehr für meine Schlussfolgerung, dass ich selbst herausfinden muss wie ich am interessantesten und nachhaltigsten für mich lernen kann. Auch dafür wie und welche Netzangebote für mich nützlich sind. Bei allen Kritiken an MOOCs, inzwischen verstärkt sich bei mir der Eindruck, dass es eine ganze Reihe von Menschen gibt, die über gute Strategien zum Lernen mit der Hilfe von MOOCs und anderen Netzangeboten verfügen. Möglicherweise ist es eher diese Gruppe, deren Vorgehensweise, Motivation und Strategie interessant ist, statt Abbruchzahlen, Zertifikate oder Lehrstrategien. Gerade bei freiwilligen Angeboten liegt es in meinen Augen primär an den Teilnehmenden was sie daraus machen. Und genau auf diesen Aspekt möchte ich in der nächsten Zeit meine Aufmerksamkeit richten. Mit welchen Strategien kann ich am meisten profitieren, d.h. letztlich etwas von dauerhafter Wirkung lernen und davon ausgehend dann vielleicht auch eine Antwort auf die Frage finden, was anderen beim Umgang mit Netzangeboten tatsächlich empfohlen werden kann. Denn Zugang allein ist noch lange nicht ausreichend. Die wirkliche Aneignung geschieht über das zeitintensive selbst organisierte Lernen der einzelnen Teilnehmer. Bei allen möglichen Vorgaben der Anbieter: Es sind die Teilnehmenden, die sie anwenden und etwas für sich daraus machen. Da helfen keine Überprüfungen oder Kontrollen.

Literatur: Perry, W.G.: Forms of intellectual and ethical development in the college years. New York: Holt, Rinehart and Winston, 1970.

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3 Kommentare

  1. anonymous sagt:

    Michael Nienhaus writes:Hallo,sehr interessanter Artikel und eine gute Selbstreflexion zum Thema Lernen lernen. Ich habe die letzten Jahre auch viel herumexperimentiert mit unterschiedlichen Lernmethoden, Gedächtnistraining etc. Irgendwie ist man als Fernstudent ja auch gefordert sein Lernen zu optimieren, damit das Fernstudium irgendwie entspannter wird und auch noch Zeit für anderes hat. Gerade die Herausforderung finde ich so interessant und ich habe bei meinen 'Lernexperimenten' wirklich viel über mich und mein lernen gelernt. Auch wenn dann nicht jede Klausur so ausgefallen ist, wie ich es gern hätte. Mir hat das Lernen so mehr Spaß gemacht.Mittlerweile weiß ich,dass ich den trockenen Stoff aus den Skripten erstmal in eine Form bringen muss, die mein Gehirn besser verarbeiten kann, das geht z.B. gut mit Mind-Mapping. Selbsterstellte Mind-Maps nehme ich einfach wieder gern in die Hand und bearbeite sie immer weiter. Mit Hilfe der Mind-Maps kann ich auch meinen Lernstoff gut z.B. in Form eines Selbstvortrags wiederholen.Bei einem MOOC's habe ich gelernt, dass ich durch eigene Blogbeiträge, also wenn ich das gelernte nochmal wiedergebe und zusammenfasse, gut Lernstoff behalten kann.Es kommt natürlich auch immer auf den Lernstoff an. Wenn man wirklich nur auswendiglernen muss, können gute Gedächtnismethoden helfen und Mind-Maps helfen da weniger.Letztendlich muss man sich glaube ich im Laufe der Zeit selber ein Repertoire an Lern- und Gedächtnistechniken aneignen, auf die man dann individuell zugreifen kann.Vielleicht hast du ja auch schon den Beitrag zur Feynman-Technik auf meiner Seite gesehen. Das ist auch eine Methode die ich häufig anwende (also erstmal herausfinden was man schon über den Lernstoff weiss, dann Fragen aufschreiben die man noch hat und dann die Fragen beantworten und so das Wissen vervollständigen).Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg,Viele Grüße Michael

  2. anonymous sagt:

    martin lindner writes:sympathisch. was mich irritiert, ist wie hier an der idee des "lernens" festgehalten wird, als einer künstlichen anstrengung, für die man sich mit allerlei tricks konditionieren muss. es geht ja eigentlich darum, sich systematisch mit einem interssanten feld zu beschäftigen, bis man das gefühl hat, das durchdrungen und im griff zu haben.

  3. amirabai sagt:

    @Martin Lindner: Sich systematisch mit einem interessanten Feld zu beschäftigen bis man das Gefühl hat es durchdrungen und im Griff zu haben. Jaaaa, das kenne ich auch. Ich beschäftige mich momentan aber mit Lernen im Zusammenhang mit Zertifizierungssystemen, die zu festgelegten Zeiten ein festgelegtes Wissen erfordern. Ich habe meine Gründe dafür, dass mir Zertifikate momentan wichtig sind, sowohl offiziell anerkannte als auch offiziell nicht anerkannte (FU Hagen: anerkannte, Coursera: nicht anerkannte). Momentan versuche ich letztlich einen Spagat. Ich bemühe mich zum geforderten Zeitpunkt das zu erbringen was gewünscht ist und nur zum Teil von mir bestimmt werden kann, auf der anderen Seite versuche ich dabei aber nicht nur für eine Prüfung oder Klausur zu lernen wie ich das durchaus auch erlebe, sondern möchte beides verbinden. Also auf der einen Seite das Lernen bei dem ich die Inhalte auch gut verstehe und beherrsche als auch auf der anderen Seite das Wissen das ich benötige, um z.B. eine Klausur erfolgreich zu bestehen (und dabei geht es manchmal wirklich nur um Detailkenntnisse, die ich normalerweise bei Bedarf nachschauen würde, nicht um Zusammenhänge). Außerdem möchte ich auch noch einen bestimmten Zeitrahmen einhalten und Zeit für die Inhalte haben, denen ich unterwegs begegne, die aber keine Bedeutung innerhalb der Zertifizierungssysteme haben (und das sind je mehr ich mache dummerweise auch immer mehr, so dass ich auch dort eine Auswahl treffen muss).Das ist die Basis auf der meine Fragestellungen entstehen. Eigentlich ist es eine Überforderung, die ich aber versuche zu bewältigen indem ich verschiedene Grenzen so weit wie möglich erweitere. Auf Dauer möchte ich so allerdings nicht weiter machen, habe aber den Eindruck, dass ich mein momentanes Tempo durchaus noch eine Weile fortführen kann. Ob ein solches Lernen künstlich ist und ob das vielleicht problematisch ist, da habe ich jetzt drüber nachgedacht, diese Frage stellt sich für mich eigentlich nicht. Ich befinde mich in einer Situation, die ich versuche so gut wie für mich möglich zu reflektieren und dafür sinnvolle Lösungen zu finden. Und solange das mehr oder weniger gelingt, ist es eigentlich in Ordnung. Vielleicht ein wenig zu pragmatisch, aber ich denke, damit kann ich schon ganz gut leben.

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