Bildungsmäuschen

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Ich bin kein MOOC-Maniac sondern eine MOOC-Userin

Es ist gut Maße zu haben, um die eigenen Position zu bestimmen. Im Rahmen von MOOCs kam dabei vor allem von Monika E. König der Begriff MOOC-Maniac auf. Nehme ich diesen Begriff nun zu meiner Positionsbestimmung, so kann ich klar sagen: bin ich nicht. Hat vielleicht eine kurze Zeit auch für mich so ausgesehen und bei aktuell 4 laufenden Moocs an denen ich teilnehme, davon drei mit vollem Einsatz, könnte man das auch vermuten, aber nein: ich bin eine MOOC-Userin. Schon zu Beginn meiner Zeit als Fernstudierender war ich an dem interessiert was über das Internet an Lernen und sozialen Kontakten möglich ist. Was die sozialen Kontakte angeht…nun ja. Nicht das momentane Thema, aber das Lernen durch MOOCs funktioniert für mich.

Ich bin primär an der Cousera-Plattform hängen geblieben. Drei von fünf Kursen haben dabei direkt mit Inhalten des Studiums zu tun, zwei betreffen Themen, die mich schon lange interessieren und bei denen ich anders keinen Zugang gefunden habe. Die einheitliche Plattform ist dabei wie immer der gleiche Seminarraum, der aber jedes Mal mit anderem Inhalt gefüllt wird. Wäre der Raum in der realen Welt, wäre er einmal mit lauter Rechnern zugestellt, das nächste Mal mit Comic-Heften und Grafik Novels übersät. Das eine Mal würde ein aufgedrehter, enthusiastischer Prof auf die Feinheiten einer Comicseite hinweisen, das nächste Mal eine charmante Computer Science Researcherin mit Engelsgeduld Einführungen in eine Programmiersprache geben.

Warum ich gerade diese Form mag und warum sie für mich funktioniert? Das Material ist hoch interessant. Außerdem habe ich die Themen nach meinen Interessen gewählt. In den Videos werde ich als Zuschauerin direkt angesprochen. Ich kann ein Teilnahmezertifikat erwerben. Dazu bin ich gezwungen in einem befristeten Zeitraum Aufgaben zu lösen. Diese Aufgaben setzen voraus, dass ich die Inhalte gesehen und verstanden habe. Ich bekomme entweder sofort ein Feedback und kann bei einigen Kursen die Aufgaben auch so lange wiederholen, bis ich die volle Punktzahl erreicht habe oder ich befinde mich in einem Bewertungssystem mit Peers, wo ich selber schreibe und die Texte der anderen lese und bewerte, was sehr interessant ist, und wo ich am Schluss auch noch ein gezieltes Feedback meiner Mitstudierenden erhalte. Ich habe Foren zur Verfügung in denen ich lesen kann, wenn ich mit Aufgaben Schwierigkeiten habe, ich kann selber Beiträge erstellen und die Fragen von anderen beantworten. Ich kann auch an Diskussionen teilnehmen und solche anregen. Ich kann auch einfach nur ein wenig stöbern wie es anderen ergeht. Grundsätzlich sind alle Beiträge willkommen, die etwas mit den Inhalten und dem Drumherum zu tun haben. Ich empfinde diese Lernumgebung als angenehm. Nach anfänglicher Scheu wegen meinen Schwächen im Englischen genieße ich es inzwischen nicht mit meiner Muttersprache konfrontiert zu sein. Das schafft auf der einen Seite eine gewisse emotionale Distanz, auf der anderen Seite verweist es mich stärker auf mich als einzelnes Individuum. Wie das funktioniert? Keine Ahnung.

Ein weiterer Aspekt ist die Überwindung der Unwirklichkeit durch Redundanz. In Kursen deren Inhalte ich schon an der Fernuni kennengelernt habe, verstärkt die Wiederholung aus einer anderen Blickrichtung die Akzeptanz, dass es sich tatsächlich um abgesicherte Inhalte handelt und nicht nur etwas, das irgendwo aufgeschrieben steht. Eine Problematik des Fernstudiums wo die Gelegenheit Menschen mit ihren Meinungen und ihrem Wissen direkt zu erleben nur wenig unmittelbar gegeben ist. Wissen bleibt immer etwas entfernt.

Weiterhin habe ich den Eindruck ein wenig von deutschen Selbstverständlichkeiten entfernt zu werden. Da ich Statistik gerne auffrischen wollte und weiterhin endlich einmal R erlernen, habe ich einen Kurs belegt, der schon in etwas kürzerer Form im letzten Jahr angeboten wurde und mich damals schon interessierte. Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht was sich hinter dem Angebot verbirgt. Ich dachte, dass ich als Wiederholerin wenig Zeit für den Kurs aufbringen muss und bin auch davon ausgegangen, dass R nebenher läuft, etwa so wie SPSS an der Fernuni als Zusatz aber nicht wirklich maßgeblich, und wurde sehr schnell eines Besseren belehrt.

12 Minuten Einführung in R! In einem unglaublichen Tempo wurden Befehlszeilen über mir ausgekippt und wenn ich mich nicht in der letzten Zeit mit der Programmiersprache Python beschäftigt hätte, ich hätte nichts verstanden. Ich hatte ein übliches Programm mit grafischer Oberfläche erwartet und nun das. Und die komplette Aufgabe der ersten Woche basierte auf diesem einen Video, nicht auf den Ausführungen zur Statistik, die wirklich nur Wiederholung für mich waren. Und das bei einem Anfängerkurs ohne spezielle Voraussetzungen! Ich habe extra noch einmal nachgelesen, weil ich es nicht glauben wollte. In gewisser Weise ist auch R eine Programmiersprache. Meine erste Reaktion war mich schlau zu machen was für Voraussetzungen amerikanische Schüler im Bereich Programmieren mitbringen und wie sich die Situation aktuell in der BRD gestaltet. Über die Amerikaner habe ich nichts herausgefunden, aber zur BRD hier und hier. Nachdem ich das gelesen hatte und nach meinen eigenen Erfahrungen bin ich überzeugt, dass Kenntnisse im Programmieren an jeder Schule vermittelt werden sollten. Einerseits erweitert es den Horizont beträchtlich, andererseits habe ich den Eindruck, dass es Kompetenzen sind, die in anderen Ländern bereits zum Standard gehören.

Ich habe das Video mit vielen Stopps und Mitschreiben noch einmal angesehen und mit meinen frischen Pythonkenntnissen im Hintergrund konnte ich bei diesem langsamen Tempo wirklich verstehen, was ich tun soll und tue und konnte auch die Wochenaufgabe, die plötzlich gar nicht mehr schwer war, auch recht schnell lösen.

Die Konfrontation mit einem so ganz anderen Ansatz erweitert den Horizont. Da draußen, außerhalb der deutschen Bildungswelt sind andere, die machen es ganz anders, und dennoch unterrichten sie das gleiche Thema. Und ich kann es schaffen auch das zu bewältigen. Faszinierend! Außerdem erweitert sich mein Vorstellungsvermögen ungemein, wenn ich erlebe wie es sich anfühlt in einer fremden Sprache zu lernen. Mitten in Deutschland vergisst es sich oft, wie viele hier leben, die in einer anderen als ihrer Muttersprache lernen!

Inzwischen richte ich mich in dieser Lernwelt ein. Entwickele Strategien wie ich die Angebote für mich nutze, wie ich meine Zeit einteile, wie ich es schaffe alle Aufgabe vor der Deadline fertig zu bekommen. Ich habe viel zu tun, aber alles wird immer selbstverständlicher und entspannter. Ich habe einen flexiblen Zeitrahmen, aber nicht die Grenzenlosigkeit der selbstgewählten Aufgabe, die ich dann doch wieder verschiebe und verschiebe. Ich habe Freiheit und einen verpflichtenden Rahmen. Ich habe ein qualifiziert vorstrukturiertes Angebot, das ich mir nicht selber zusammenbasteln muss, aber auch die Wahl wie weit ich mich darauf einlassen will oder zeitlich einlassen kann.

Ja, innerhalb kurzer Zeit bin ich zu einer zufriedenen MOOC-Userin geworden. Und mit Hype und manisch hat das inzwischen tatsächlich nichts mehr zu tun.

Zusätzlich: Kurzer Artikel warum Kinder programmieren lernen sollten.

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