Bildungsmäuschen

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MOOCs sind Zeitfresser

Ein wenig reißerisch klingt der Titel schon, und es besteht auch die Gefahr, dass das Zeitfressen primär negativ gesehen wird, aber die Aussage an sich ist in meinen Augen richtig. Auch ein Fernstudium frisst Zeit, die ja ebenfalls für andere Dinge verwendet werden könnte – und genau das geschieht gleichermaßen bei der Teilnahme an einem Mooc.

Es ist einfach ein Fernstudium zu beginnen, es ist sogar noch einfacher einen MOOC zu beginnen, das Schwierige bei beiden ist für mich sie nach den vorgegebenen oder von den Veranstaltern gedachten Kriterien erfolgreich abzuschließen. Außerdem besteht bei beiden zusätzlich die Schwierigkeit, das eigene Lernen so zu organisieren, dass es auch zu einem erfolgreichen, möglichst nachhaltigen Lernen wird. Für beide, MOOC und Fernstudium, gilt dabei, dass sich aus ihnen viel Gewinn ziehen lässt, beim Fernstudium an der Fernuni Hagen sogar ganz offizielle akademische Zertifikate. Doch vielfältiges Lernen ermöglichen beide.

Dabei bezieht sich das was gelernt wird nicht nur auf die Inhalte an sich, sondern auch auf den Umgang mit sich selbst, mit den anderen Teilnehmern, mit der Vermittlung von Inhalten durch Netznutzung, mit der eigenständigen Organisation der praktischen Anwendung und Übung des Gelernten, mit der Nutzung von digitalen Tools…

Jetzt erst einmal etwas ganz anderes, das allerdings als Hintergrundinformation wichtig ist. Rechner ermöglichen es riesige Mengen von Pdfs, e-books, Animes, Comics, Links und diverses anderes zu sammeln. Das geht schnell. Sehr schnell. Das verleitet. Und wenn sich dann auch keine Bücherregale mehr füllen oder Kisten von Videos verstauben, was zu einem wesentlich geringerem Platzbedarf in der Wohnung und einem einfacheren Ortswechsel führt, so bleibt es doch dabei, dass immer mehr Interesse da ist, als Zeit diesem Interesse nach zu gehen.

Nach diesem Input jetzt wieder zurück. Das Angebot an MOOCs wächst kontinuierlich. Die Anzahl an Teilnehmern offensichtlich auch. Aber immer bleibt da der oder die einzelne mit ihrem beschränkten Budget an Zeit. Durch die Möglichkeit der Verlinkung, können MOOCs außerdem neben dem eigenen Material auf Unmengen von weiteren Wissensressourcen verweisen. Auch das schafft die Festplatte noch oder Dropbox oder die Linksammlung oder was auch immer. Gesammelt, aber nicht ausgewertet, nicht genutzt, aufgehoben für später. Wann später? Die Fantasie kann in kürzester Zeit Vorstellungen von Handlungen und Ergebnissen entwerfen, die Durchführung wiederum kann über ein einzelnes Menschenleben hinausreichen.

MOOCs nicht nur zu sammeln sondern auch damit zu arbeiten frisst Zeit. Ich habe allerdings in dieser Zeit wichtige Dinge gelernt und möchte in noch viel mehr MOOCs diese Erfahrung machen. Aber mir geht die Zeit dafür aus. Und auch meine Form des Vorgehens nach Prioritäten, dass ich das vorziehe wo die nächsten Termine anstehen, hat seine Grenzen erreicht. Ich komme nicht mehr hinterher. Grund dafür ist es, dass ich mich an Inhalte gewagt habe, bei denen ich nur geringe Vorkenntnisse habe und diese Vorkenntnisse erst einmal Stück für Stück erarbeiten muss. MOOCs und Onlinelernen sind kein Nürnberger Trichter. Da kommt die Hauptkompetenz ins Spiel, die ich als notwendig ansehe: eigenständig das eigene Lernen sinnvoll zu organisieren, in einem ständig flexiblen Prozess, der zu Beginn nicht weiß, wo er am Ende hinführt. Der Mensch wird zum Begleiter und Gestalter seines eigenen Bildungsprozesses, denn darum handelt es sich. Es geht nicht allein darum beruflich verwertbare Kenntnisse zu erwerben und zertifiziert zu bekommen oder inhaltliche Wissensbestände zu erhöhen, es geht auch um den Menschen, der oder die sich dabei verändert. Die ihre Arbeitsmethoden immer neu anpasst, der seine Wahrnehmung der Welt erweitert, justiert, neu ordnet. Ich trete aus den MOOCs hervor und bin nicht mehr die Gleiche. Wir lassen uns auf ein Fernstudium ein, bloß um ein Zertifikat zu erwerben und danach ähnlich weiter zu machen wie zuvor, doch etwas anderes geschieht.

Bildungsprozesse haben eine eigene Dynamik. Ich kann einen Plan erstellen, darauf steht was genau in welchem Zeitraum gelernt werden soll. Doch dann kommt der Bildungsprozess, schaut sich das an und schüttelt mit dem Kopf und sagt, nein, du musst dich jetzt erst einmal um ganz andere Dinge kümmern und dich mit ganz anderen Themen befassen. Ich habe aber keine Zeit, sage ich. Nun, dann muss ich gehen, sagt der Bildungsprozess. Das macht er aber nicht wirklich, sondern er rumort im Keller weiter und manchmal sind von ihm sehr laute Geräusche zu hören und das ganze Haus beginnt zu wackeln.

Und was hat das jetzt mit den MOOCs und dem Zeitfressen zu tun? Plötzlich steht eine ganze Welt voller Themen zur Verfügung, präsentiert in einem handlichen Programm. Der Einstieg ist leicht, die Belegung erfolgt für das was am meisten interessiert. Und plötzlich dringt Wissen, das von großem Interesse ist da es zur individuellen Motivation passt und dem gezielt weiter gefolgt werden kann, in das lange leerstehende Haus. Und damit beginnen die Veränderungen. Langsam, in ihren Dimensionen noch nicht bewusst, doch einen Prozess in Gang setzend, der ein wenig aus der Mode gekommen zu sein scheint. Ob die gefressene Zeit dabei letztlich zu einem Gewinn an Zeit wird, ist noch nicht geklärt. Erst einmal habe ich den Bildungsprozess aus dem Keller wieder ins Erdgeschoss geholt. Und dort werden wir sehen müssen, ob wir wieder miteinander leben können.

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