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CourseraKurse, Zeitaufwand und die Schwierigkeiten ein Abschlusszertifikat zu erhalten

Eigentlich wollte ich mit diesem Beitrag noch warten bis ich weiß, ob ich bei meinem dritten Coursera-Kurs genug Punkte für die Bestätigung erfolgreicher Teilnahme erreicht habe, doch da ich durch Markus Deimann und seinen Twitterlink heute wieder über das Thema Abbruchzahlen gestolpert bin, gleich an dieser Stelle ein Blick auf meine Erfahrungen der letzten Zeit.

Ich schätze Coursera-Kurse sehr und bin darum bemüht sie auch abzuschließen, doch inzwischen habe ich die Grenzen des Möglichen erreicht. Es begann damit, dass ich einen Anfängerkurs für Programmieren in Python belegt hatte, ohne über nennenswerte Vorkenntnisse zu verfügen, währenddessen ein Kurs zu Comic Books und Graphic Novels startete, der schon lange auf meiner Watchlist gestanden hatte und auch noch der Statistikkurs in erweiterter Form angeboten wurde, von dem ich schon vor einem Jahr gehört hatte und der mich schon damals interessierte. Da alle Kurse nicht laufend zur Verfügung stehen, hatte ich auch nicht den Eindruck warten zu können.

Comic und Programmieren dachte ich auf Grund meiner Vorerfahrungen mit anderen Coursera-Kursen gut nebeneinander her bewältigen zu können, und bei der Statistik wollte ich sowieso nur wiederholen und mich auf das Erlernen von R konzentrieren. Geht schon irgendwie, dachte ich.

Programmieren lernen nur auf der Basis eines solchen Kurses ist zwar spannend, aber auch extrem zeitaufwändig. Die Übungen wurden zunehmend schwerer und bestanden aus Übertragungsaufgaben, wir hatten beim letzten Assignment bereits ein Wörterspiel zu programmieren und der Zeitaufwand war für die Anfänger ohne entsprechenden Hintergrund unglaublich hoch. Parallel dazu stellte sich beim Comic-Kurs heraus, dass er von einem Professor für englische Sprache unterrichtet wird dem es wichtig ist, dass die Studierenden in der ersten Übung ein sprachlich gutes Essay über eine Comicseite schreiben, und der Sprache als Kunstform behandelt. Das ist zwar sehr interessant anzuhören, aber auf diesem Niveau kann ich nicht mit der englischen Sprache spielen. Zusätzlich zeigte sich parallel im Statistikkurs, dass alle Aufgaben auf der Verwendung von R basieren, das nur im Schnellverfahren erläutert wurde und eigentlich auch eine Programmiersprache ist, aber eine andere als Python. Ohne Pythonkenntnisse wäre ich allerdings noch verlorener gewesen als mit, aber auch so wurde der benötigte Zeitaufwand riesig.

Ich stand also unerwartet mit drei Kursen da, deren Inhalte und/oder Aufgaben mich alle wider Erwarten überforderten. Ich habe mein Möglichstes getan und den Pythonkurs wahrscheinlich auch bestanden, aber bei den Aufgaben mit der Verwendung von R und dem englischen Essay aus zeitlichen Gründen aufgegeben, zumal ich bei der Statistik entdeckte, dass ich bei verspäteter Abgabe nur noch die Hälfte der Punkte angerechnet bekomme.

Da mich aber die Inhalte interessieren, gehe ich jetzt den Weg, dass ich die Kursmaterialien nutze, die Aufgaben versuche, mich mit R in meinem eigenen Tempo beschäftige, aber nicht mehr versuche eine ausreichende Punktzahl zu erreichen. Ich werde also trotz Teilnahme und Zeitinvestition und Lernen voraussichtlich zu den Abbrechern gerechnet werden.

Es ist nicht nur das Leben, das den Interessierten und Bemühten in die Quere kommt, es ist auch der sehr unterschiedliche Zeitaufwand, der bei der Teilnahme für unterschiedliche Personen mit unterschiedlichem Wissenshintergrund und Fähigkeiten entsteht. Wenn ein Kurs mit 5 Wochenstunden angegeben wird, ich aber 20 benötige, was soll ich tun? MOOCs warten nicht auf mich, bis ich alles gelernt habe, was mir fehlt. Im Programmierkurs wurde von Mitstudierenden empfohlen parallel Codeacademy zu benutzen, beim Statistikkurs ist ein Link zu TryR von Codeschool enthalten. Hilft alles, dauert aber. Weiterhin wurde den Anfängern empfohlen den Kurs zu wiederholen oder einen weiteren anzuschließen, um dieses Mal dann besser vorbereitet die Aufgaben angehen zu können.

Alle von mir belegten Kurse haben inzwischen weniger starre Zeiten. Kurse starten früher oder setzen eine Einführungswoche an den Anfang. Wochenaufgaben werden frühzeitig eingestellt und haben eine Hard Deadline (mit oder ohne Punkteabzug), können also im Verlauf von mindestens zwei Wochen erledigt werden. Die Veranstalter versuchen mehr Flexibilität anzubieten, aber im Endeffekt sitzt jeder Studierende allein da und muss in irgendeiner Weise versuchen sich auf der Basis der vorhandenen Materialien und der Foren einen Reim auf das zu machen, was von ihm/ihr zur Erfüllung der Aufgaben erwartet wird. Bei aller Hilfe, allem Austausch und aller Unterstützung bleibt es weitgehend ein Selbstlernen. Es ist in der Regel niemand da, der ganz gezielte, persönliche Ratschläge geben kann, der/die sieht was der/die Studierende gerade benötigt und schnell und effektiv den richtigen Hinweis geben kann. Auch das führt zu einem größeren Bedarf an Zeit. Ich muss selber ausprobieren, mich irren, nachlesen, suchen. Effektiv ist das nicht gerade. Und es bedeutet für diejenigen mit den größten Schwierigkeiten wieder den größten Aufwand. Bei Kursen mit ausreichendem Hintergrundwissen hatte ich solche Schwierigkeiten nicht, aber bei Kursen ohne Vorwissen sieht das wieder ganz anders aus.

Gerade bei den Kursen mit den Programmiersprachen habe ich den tatsächlichen Lehrer an meiner Seite am schmerzlichsten vermisst. Allerdings konnte ich inzwischen einen Kurs entdecken, bei dem programmierter Code direkt eingesendet und auch untereinander ausgetauscht werden kann. Während ich auf meiner Seite genauso wie andere Studierende versuche einen sinnvollen Umgang mit den Kursangeboten zu finden, versuchen die Veranstalter auf ihrer Seite die entstehenden Probleme der Studierenden zu minimieren, indem Struktur und Software fortwährend angepasst werden. Bei allen Problemen und aller möglichen Kritik: Es ist durchaus ein sehr interessanter Entwicklungsprozess!

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