Bildungsmäuschen

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Noch etwas zu den Erfahrungen mit MOOCs

Noch existiert MyOpera, noch existiert mein Blog in dieser Form und da ich für den Umzug auf eine andere Plattform genauso wie für die Auseinandersetzung mit dem Verschwinden des Angebots momentan keine Zeit frei räumen kann, schreibe ich erst einmal hier weiter so lange es geht.

Ich werde an dieser Stelle noch einmal versuchen zusammenzufassen, was mich für MOOCs begeistert hat, für was für eine Art von MOOCs und in welcher Situation das geschah und geschieht.

Die Situation
Als Studierende der Bildungswissenschaft an der Fernuni in Hagen hatte ich zu Beginn des Studiums ein Studienzentrum mit einer mentoriellen Begleitung erfahrener Lehrender zur Verfügung. Das war das eine Standbein. Das andere Standbein war das Onlineangebot der Fernuni. Beides zusammen ermöglichte mir einen guten Rahmen für Begleitung beim Lernen. Doch im dritten Semester wurde das Studienzentrum in meiner Nähe geschlossen und ich blieb mit dem Onlineangebot (und natürlich den Studienbriefen) allein zurück. Die Studienbriefe der Fernuni fand ich im Durchschnitt immer hervorragend und habe viel aus ihnen gelernt, aber Studienbriefe allein sind nicht ausreichend. In meinem dritten Semester gab es also kein erreichbares Studienzentrum mehr und gleichzeitig hatte ich nur Hausarbeiten zu schreiben. Es wurde ein sehr einsames Semester, denn auch im Moodleangebot der Uni wurde in diesen Modulen nicht gemeinsam gearbeitet. Zunehmend fehlte mir etwas Entscheidendes.

Die Zunahme an persönlicher Bedeutung bei MOOCs
Als Fernstudierende wurde ich mit der Netznutzung immer vertrauter und durch das Studienthema und die Informationen im Rahmen des allgemeinen Austausches hatte ich schon längst begonnen mir andere Onlinelernangebote anzuschauen. So war am Ende des Semesters, als ich meine Hausarbeiten eingereicht hatte und noch kein neues Studienmaterial vorhanden war, Raum dafür sich intensiver auf MOOCs einzulassen.

Persönliche Bedeutung der Inhalte: Ich fand einen MOOC, der für meine Interessen wichtige Elemente beinhaltete. Die Position benachteiligter Minderheiten, Zugang zur Teilhabe an der dominierenden Bildung über die Einbeziehung der gruppenspezifischen Weltsicht, Lernen, Teilhabe und Auseinandersetzung während eine fremde Sprache benutzt wird, sowie die Bedeutung eines persönlichen Einstiegs in Bildung auf der Basis konstruktivistischer Ideen. Das Ergebnis war Begeisterung.

Aufbau des Kurses: Außerdem schaffte es die Form von Lectures, die sich direkt an den Zuschauer richten (also keine Aufzeichnungen von Vorlesungen), das Gefühl von direktem, unmittelbaren Lehren zu erzeugen. Da war eine tatsächliche Lehrperson, die unterrichtet, da gab es anschließend darauf aufbauende Aufgabe. Über die Aufgaben, also das gemeinsame Arbeiten, kam es einerseits zu einem Austausch, andererseits ermöglichte es die Erfahrung wie andere die Aufgaben lösen und wie vielfältig dies möglich ist. Bei den Kursen zu denen ich auf der Basis der Passung von persönlichem Interesse mit Befriedigung dieses Interesses einen Zugang gefunden hatte, war die Motivation hoch diesen Kurs auch mit Erfolg abzuschließen.

Motivationsförderung: Punkte sammeln, um eine ausreichende Menge für ein Abschlusszertifikat zu erhalten. (Warum das Zertifikat für mich wichtig ist, will ich an dieser Stele nicht thematisieren.) Für die Punkte müssen die Aufgaben gemacht werden. Da es sich um Lehrpersonen handelt, sind es Aufgaben die eine Auseinandersetzung mit dem Thema intensivieren, was wiederum die Motivation erhöht. Der Wechsel von Unterricht durch direkte Ansprache und anschließende Anwendung, die sich im Schwierigkeitsgrad langsam erhöht, setzt einen Lernprozess in Gang, der durchaus vergleichbar mit Offlineangeboten ist. Zusätzliche spezifische und unspezifische Informationen sind über das Lesen und die Teilnahme an den Foren möglich, in denen sich bei großen MOOCs auf jeden Fall genug Teilnehmer für unterschiedlichste Bedürfnisse tummeln. Sogar die Kantinestimmung des Nebenbei-etwas-aufschnappens wird so auf virtuellem Weg ermöglicht. Weiterer wichtiger Punkt: Peer Assessments, die so gestaltet sind, dass die Bewertung der eigenen Arbeit als auch der Vergleich und Zugang zu Arbeiten der anderen nur über die Teilnahme an den Aufgaben möglich ist. Besonders im Programmierbereich war es für mich hochinteressant die Verschiedenartigkeit von Code lesen zu können, um dadurch direkt zu begreifen wie unterschiedlich die gleiche Aufgabe gelöst werden kann, da ich in diesem Bereich über gar keine Vorerfahrung verfügte. Das was offline selbstverständlich ist, dass man nebenbei etwas von dem mitbekommt was der Nachbar so tut, ist ja online wesentlich weniger gegeben.

Vergleich mit meinem Fernstudium
Inzwischen haben die MOOCs für mich eine höhere Bedeutung gewonnen als mein Studium. Im letzten Semester musste ich mich sehr stark mit gefühlt rein abschlussorientiertem Lernen von Mitstudierenden auseinandersetzen und meine eigene Position neu bestimmen. Inzwischen kann ich es akzeptieren wenn Menschen auf möglichst einfachem Weg möglichst schnell zu einem Zertifikat kommen wollen ohne sich dabei mit den Inhalten weitergehend beschäftigen zu wollen, da es das ist was sie benötigen. Auch ich war zu Beginn des Studiums vor allem an dem Bildungszertifikat interessiert, inzwischen habe ich aber über das Studium die Bedeutung der Inhalte für mein persönliches Wachstum, also meinen eigenen Bildungsprozess, entdeckt und in meiner Situation hat das eine größere Bedeutung als alles andere.

Ich suche daher inzwischen nach Formen, die mich einerseits zum Lernen motivieren und andererseits die Inhalte liefern können, die mich persönlich interessieren. Dazu benötige ich den Kontakt mit Lehrenden und Lernenden. Ich kann zwar allein in meinem Wohnzimmer lernen, ein wichtiger Bestandteil ist aber die Einbettung in Zusammenhänge, die ich mit anderen teile, für die aber ebenfalls vor allem die Inhalte und ihr Lehren, Erlernen oder Kennenlernen wichtig sind. Weiterhin benötige ich regelmäßige praktische Anwendungen, die ich aber nicht für mich allein mache sondern in einer Einbettung mit anderen und in einem Gesamtkonzept, das genau diese Leistung in den Maßstab zur Beurteilung einer Lernleistung einfließen lässt. Dabei mag ich es sehr, wenn sich nach und nach der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben erhöht und ich merke wie meine Kompetenzen wachsen.

Beim Studium an der Fernuni lese ich momentan meine Studienbriefe, suche nach einem Thema, mache ein Konzept, lese noch mehr, sammele, dann schreibe ich eine größere Arbeit. Ähnlich ist es mit den Klausuren. Stoff irgendwie in den Kopf rein und am Schluss testen lassen wie viel sitzt.
Ich fahre jede Woche 50km hin und 50km zurück, um an einem 1 1/2 stündigen VHS-Kurs teilzunehmen, da ich dort ein Lernangebot mit anderen zusammen habe, dass mich durch die Situation motiviert und im Netz nichts entsprechendes vorhanden ist. Es ist der Lehrende und es sind die anderen Lernenden, eben das gemeinsame Tun, die ständige Aufforderung zur Teilnahme, zum Tun, zum Üben, das mich fahren lässt. Die Form der MOOCs, die ich beschrieben habe, kann genau so einen Kurs ersetzen. Das Angebot der Fernuni kann es aber nicht.

Fazit
Damit bin ich zurück am Anfang. Als ich zwei Standbeine hatte, eine mentorielle Begleitung im Studienzentrum und dabei den unmittelbaren Kontakt mit anderen als auch die Onlineangebote der Fernuni, waren meine Bedürfnisse nach Lernbegleitung und Unterstützung abgedeckt. Das fehlende Studienzentrum haben für mich inzwischen weitgehend MOOCs ersetzt. Da diese aber nicht Bestandteil des Studiums sind, reduziert sich die Zeit, die ich für die Studieninhalte aufbringen kann, es sei denn beides überschneidet sich inhaltlich, was durchaus passiert.

Das ist nun ein ziemlich unerwartetes Ergebnis, das mich am Ende dieses Blogbeitrags erwartet. Es liegt die Schlussfolgerung nahe, dass ich mir ein Studium wie diese Form von MOOCs, die mich motivieren, wünsche. Mir kommen dabei auch die Studieninhalte in den Kopf, die sich mit Instruktionsdesign, 4C/ID-Modell, Scaffolding oder der Pädagogik von Dewey beschäftigen. Ich wünsche mir eine direkte Ansprache, wünsche mir immer wieder Unterbrechungen durch direkte praktische Anwendung, wünsche mir gemeinsames Üben von bereits behandelten Inhalten während des gesamten Lernprozesses. Und ich möchte das nicht allein für mich organisieren. Ich bin eben keine Nebenbei-Studierende sondern eine Nebenbei-Arbeitende daher bekommt das Studium und der unmittelbare Gewinn daraus eine größere Bedeutung. Für Abschlüsse zu pauken, um danach etwas Besseres tun zu können als vorher, ist für mich keine ausreichende Motivation mehr. Ich möchte im Hier und Jetzt, unmittelbar einen Gewinn haben. Und dazu gehört Spaß am Lernen, Herausforderung durch Aufgabenstellungen, Auseinandersetzungen mit anderen, Lehrpersonen mit Begeisterung für ihr Fach, Kreativität, Innovation, Experimente.

Also wird es erst einmal bei einem Kompromiss bleiben. Meine Zeit wird verteilt auf MOOCs und Fernuni, auch wenn das bedeutet, dass sich mein Studium zeitlich ausdehnen wird und ich möglicherweise nur noch in Teilzeit weiter studiere. Dafür werde ich weiterhin eine bestimmte Menge an MOOCs in mein Lernpensum aufnehmen und darauf hoffen, dass sie nicht über kurz oder lang von der Bildfläche verschwinden oder sich wesentlich verschlechtern. So was kann schnell passieren wie sich ja auch am Beispiel von MyOpera zeigt.

Demnächst werde ich einen Kurs bei einem Associate Professor of Educational Leadership at the University of Cape Coast, Ghana über Lernende und Lernen beginnen. Ein Thema für das ich schon eine Weile etwas suche. Dass es jemand aus Ghana ist, hat mich anfänglich sehr verunsichert. Ghana – ist das nicht da auf diesem rückständigen Kontinent? Sind die überhaupt kompetent? Nun, vielleicht ist gerade so eine Erfahrung geeignet sich mit tief sitzenden kulturellen Vorurteilen und impliziten Rassismus zu beschäftigen und damit spinnt sich sogar wieder ein Faden zu den Studieninhalten der Fernuni im Bereich Sozialpsychologie und gesellschaftliche Konstruktion von Differenz. In meiner Situation nicht nur über das Lesen von noch mehr Literatur, sondern über die Erfahrung gemeinsamer Tätigkeit.

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