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Trauer über den Tod von MyOpera

Ich war nicht lange bei MyOpera. Gerade einmal vom Frühling bis zum Herbst, und bis zum nächsten Frühling werde ich die Seite auch weiter beobachten. Auf MyOpera habe ich vor allem meinen Blog geführt. Nach einer Weile mochte ich den leicht altertümlichen Charme der Software sehr, die Textveränderungen, die in Code angegeben wurden, die Sicherheitsabfrage beim Download von Dateien „You should only open this file if you trust the person who referred it to you.“, habe über die Freundschaftsanfragen von Männern aus fremden Weltgegenden gegrinst, die mich sicherlich nicht wegen meines Contents angeschrieben haben, aber mich auch gefreut immer wieder auf Blogs in fremden Schriften und Sprachen zu stoßen, habe Lösungen gefunden, wie ich meinen Blog für meine Bedürfnisse passend gestalten konnte.

Ich habe mit der Community wenig zu tun gehabt, habe meinen bildungsbezogenen Blog geführt und gut war es. Nach dem nicht öffentlichen Blog an der Fernuni in Hagen war es meine Kinderstube im öffentlich zugänglichen Netz. Erst mit Angst und Unsicherheit betreten, doch dann wurde diese Zeit zu einem wichtigen Entwicklungsprozess. Mein Haus, mein Anker in einer großen fremden Welt. Der Ort auf den ich verweisen konnte, an dem ich etwas für andere hinterlegen konnte. Mein Häuschen im Umfeld einer internationalen Community. Vorbei. MyOpera wird archiviert, habe ich gehört, so wie auch andere Netzaktivitäten archiviert wurden, eingefroren in der Zeit, ein Museumsobjekt und die Bewohner ziehen in die Welt hinaus, neue Plätze zu finden und werden in dieser Form keine Plattform mehr teilen.

Ich bin nicht glücklich über meine Wohnung bei WordPress. MyOpera hatte keine Werbeeinblendungen, keine Bezahlfunktionen. Alles stand allen entsprechend ihrer Fähigkeiten es zu nutzen zur Verfügung, nicht in Abhängigkeit von Zahlbereitschaft und -vermögen. Wer eine hübsche Webseite hatte, hatte herausgefunden wie er oder sie das tun kann, nicht wie er oder sie mit Geld Content dazu erwerben kann. Ich denke, daher fühle ich mich hier nicht richtig wohl. Als ich ein Kind war gab es im Fernsehen Werbeeinblendungen nur zwischen 18:00 und 20:00 Uhr. Dann kamen die Privatsender und Werbung wurde allgegenwärtig und tröpfelte rund um die Uhr in unsere Wohnzimmer. Und damit die fortwährende Information: Es ist nicht der Mensch der wichtig ist, es ist das Geld, das Geschäft, der Besitz, die materielle Selbstpräsentation. Wie kann ich frei auf einer Plattform schreiben, die mich immer wieder daran erinnert, dass es eine gesellschaftliche Wertung gibt in der ich nichts bin wenn ich nichts besitze?

Ich trauere um MyOpera.

„The my Opera forum and associated features were much more efficient compared to any social media platform. They ran on ancient Windows 98 computers, or allowed to multitask on more modern machines. Take your pick. This place was better.
You’ve sold out to Google the Big Brother, and FatBook. It is the begining of the demise of the free and open Internet. Now we are gonna be slaves to the policies enforced by these few big sites.
People, here you can see the average lifespan of content platforms not managed by yourselves. 10 years. Remember Geocities? They were also shut down, and you could do little about them. FileDen, and other similar file hosts.“ von J7N aus den Kommentaren zur angekündigten Schließung von MyOpera.

Ich denke nicht, dass es der Untergang des freien und offenen Internets ist, ich kann noch nicht einmal einschätzen ob es das jemals gab. Auch Opera verschwindet ja nicht, legt nur Dinge ab und wendet sich neuen Entwicklungen zu. Es entwickelt sich eine andere Welt. Auch für mich. Sie ist kälter, perfekter, einseitiger. Bis ich vielleicht hinaus gehe und etwas Neues finde.

Bye, bye MyOpera. Ich bin traurig. Aber ich merke auch, dass du mir in der kurzen Zeit unserer Begegnung Visionen geliefert hast…

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5 Kommentare

  1. Die Werbung in Blogs bei wordpress ist noch relativ neu. Insofern müssen sich wohl auch die „alten Hasen“ daran gewöhnen.

  2. amirabai sagt:

    Und Genehmigung von Kommentaren ist auch gewöhnungsbedürftig.

  3. Das läßt sich im Dashboard einstellen.

  4. amirabai sagt:

    Danke für die Unterstützung! WordPress ist wesentlich umfangreicher als MyOpera. Das war ja auch ein Argument für die Schließung: es gibt da draußen so viel besser geeignete Programme, das können und wollen wir gar nicht anbieten. Aber mehr Fülle erfordert auch mehr Zeit um sich damit auseinander zu setzen. Das Zulassen aller Kommentare habe ich noch nicht gefunden.

  5. Dashboard – Einstellungen – Diskussionen – weitere Kommentareinstellungen – Häkchen entfernen/setzen bei: „Benutzer müssen zum Kommentieren registriert und angemeldet sein“ – fertig.

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