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Weihnachten 2013 – die Zweite

Während draußen ein Sturm an den Zweigen rüttelt und Unruhe verbreitet, ist mein innerer Sturm zur Ruhe gekommen. In Bilder übertragen wurde ein Turm zu Babel ähnliches Gebäude in alle seine Ziegeln zerlegt, hat sich aber nicht zu einem neuen Gebäude geformt wie ich zuerst angenommen hatte, sondern alle Ziegeln haben sich in geordneten Reihen auf den Boden gelegt. Eine weite Landschaft war damit bedeckt, was ich sehr angenehm fand, denn alles war offen und frei und ich stand auf einem befestigten Boden. Allerdings war der natürliche Untergrund dadurch abgedeckt und ich hatte Angst um die Fruchtbarkeit der Erde. Deshalb habe ich die Ziegeln sich zerkrümeln lassen und die Krümel dazu gebracht, dass sie langsam im Boden einsickern. Anschließend habe ich begonnen Formen aus dem Boden zu ziehen, die an afrikanische Termitenhügel erinnern. Organische Formen mit vielen bewohnbaren Kammern gewachsen aus dem Untergrund auf dem sie stehen.

Vor vielen Jahren habe ich durch eine Kunsttherapeutin gelernt, dass ich hervorragend mit inneren Bildern arbeiten kann, um zu oft überraschenden Erkenntnisse über innere Vorgänge und darüber zu stimmigen Lösungen für geistige Probleme zu kommen. In einer schwierigen Lebenssituation konnte ich mich dadurch, dass ich meine eigenen inneren Bilder visualisiert und dann gezeichnet oder gemalt, betrachtet und interpretiert habe, nach und nach selber stabilisieren. Anschließend habe ich in Ausstellungen, Vorträgen und an Infoständen in dem starken Wunsch zu teilen meine Erfahrungen weitergegeben. Selbsthilfe mit Bildern zu unterrichten interessierte mich damals allerdings nicht, zumal die Selbsthilfe für mich persönlich nicht mehr interessant war, als sie ihren Zweck erfüllt hatte. Ich habe lieber weiter erzählende Bilder hergestellt und künstlerische Techniken an Kinder vermittelt. Auch am Aufschreiben und Zusammenfassen des Erfahrenen für andere war ich nicht interessiert. Selbsthilfe zu unterrichten erschien mir in sich selbst nicht schlüssig.

Doch mit dem Hintergrund des BiWi-Studiums betrachte ich jetzt alle Erfahrungen von Lernen und Lehren neu. Das dekonstruierte Gebäude meiner Visualisierung ist gewissermaßen meine bisherige Vorstellung basierend auf dem was mir durch meine Umgebung vermittelt wurde. Wissenschaft beinhaltet einen Anteil alles zu hinterfragen, anzuzweifeln und nichts als gegeben hinzunehmen. Auf dem freigeräumten Areal meiner Vorstellung ist jetzt Platz für neue Gebäude, die ich aus einem Boden herauswachsen lasse, der aus dem natürlich vorhandenen Material und den aufgelösten Strukturen besteht. An den Formen, die ich dabei entwickele, erkenne ich, dass es mir nicht möglich ist meine Herkunft zu leugnen. Doch die Welt ist groß und es gibt viele Herkünfte. Und vermittelt über das BiWi-Studium habe ich gelernt, dass Menschen ihr Potential am Besten entfalten können, wenn sie in Verbindung zu ihrer Herkunft, ihrer Sprache und ihren Vorstellungsbildern bleiben. Allerdings müssen sie diese auch selber respektieren und schätzen und sich in der Begegnung mit anderen nicht in eine Position der Minderwertigkeit bringen lassen.

Heute ist Heiligabend. Die Feier zur Geburt Jesus, den man heutzutage durchaus als einen gesellschaftlichen Looser bezeichnen kann. Meine Gedanken wandern aber auch zu Siddharta Gautama, zu Mahatma Gandhi und aktuell zu Nelson Mandela. Sie alle kann man als Lehrer betrachten, die Menschen etwas darüber gelehrt haben, wie sie in einer besseren Weise zusammenleben können. Und in meiner Vorstellung finden alle diese Menschen Platz in einem der neu gewachsenen Termitenhäuser auf meinem Gelände der Verbindung von Bildung, Gesellschaft und Einzelwesen. Und so wandern meine Gedanken am Ende des Beitrags zu Lehrern der Menschheit, die versucht haben, die Verbesserung menschlichen Miteinanders zu inspirieren. Gut dass es diese Inspiration gibt!

Frohe Weihnachten!

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