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MOOCs können langweilig sein

Momentan nehme ich an einem MOOC teil bei dem ich jetzt in der zweiten Woche denke: Meine Güte, ist das langweilig! Das einzige woraus er momentan besteht sind Lehrvideos von unter 10 Minuten Länge, jeweils gefolgt von 1 – 4 Fragen mit zwei Antwortmöglichkeiten (richtig, falsch) ohne weitere Erklärung zu den Antworten, aber unterhalb jedes Videos mit der Option Fragen zu stellen. Aneinandergereiht ergeben sie jeweils ein Kapitel, zwei Kapitel pro Woche. Die Länge soll laut Kursprogramm pro Woche insgesamt 90 Minuten umfassen. Ansonsten gibt es noch einen Diskussionsteil mit drei Kategorien: Fragen zum Inhalt, Treffpunkt und Feedback. Sehr mager! Angekündigt sind für den Kurs Anwendungsbeispiele und größere Übungsaufgaben am Ende der Kapitel, doch ich bin nicht die einzige, die danach fragt, wo die denn nun zu finden sein sollen. Die Mehrzahl der Diskussionsbeiträge steht außerdem allein. Es sind vor allem Verständnisfragen, Anmerkungen, Fehlerhinweise, leichte Kritiken und Verbesserungswünsche. Nur auf wenige Beiträge erfolgen Antworten oder Ergänzungen von Teilnehmenden. Ich hatte im letzten Jahr schon einmal einen MOOC belegt, der sich ähnlich angefühlt hat und nach Beendigung noch eine ganze Weile zum Selbstlernen zur Verfügung stand. (Inzwischen ist er verschwunden und auch für diejenigen, die teilgenommen hatten, ist das Material jetzt leider nicht mehr zugänglich.) Einer der Diskussionsbeiträge merkt an, dass es bei dieser Struktur ja genauso gut möglich ist einfach nur YouTube Videos anzuschauen und ähnlich denke ich auch. Es gibt zwar Literaturhinweise auf vier Bücher, aber darüber hinaus keine Links, kein weiteres Material, keine Übungen, keine kooperativen Aufgaben. Als Teilnehmerin fühle ich mich außerdem primär als Konsumentin. Ich bekomme einen (zugegeben gut gemachten) Vortrag, dazu noch Verständnisfragen zwischendurch, das war’s aber schon. Ich kann mir die Präsentationsfolien herunterladen und kann dann damit wiederholen und lernen. Tja. Wenn das so bleibt, gibt es eigentlich keinen wirklichen Grund, warum dieses Lernangebot als MOOC angeboten wird, der über einen festgelegten Zeitraum verläuft. Ich könnte genauso gut allein mit einem guten Lehrbuch arbeiten. Oder am besten noch mit einem guten Lehrbuch für das es abgestimmte Videos gibt. Denn die Inhalte des Kurses sind für mich Wiederholung, während ich aber mit anderen Begriffen und einer anderen Methode gelernt habe und daher immer wieder umdenken muss. Ich denke an ein Gespräch mit einem Studierenden, er meinte, dass MOOCs wegen der zeitlichen Festlegung für ihn nicht attraktiv sind. Er möchte sich lieber mit Themen beschäftigen, wenn er sie gerade benötigt. Dazu ist ihm auch Lehrmaterial lieber, das jederzeit frei im Netz verfügbar ist. Ich kann ihn jetzt gut verstehen. Die einzige Option, die vielleicht bei diesem Kurs noch von Vorteil ist, besteht darin Fragen stellen zu können und vielleicht eine Antwort zu bekommen, solange die Frage noch interessant ist. Doch bei Angeboten wie Codeacademy oder Codeschool stehen Kurse beispielsweise jederzeit zur Verfügung während es auch auf diesen Plattformen möglich ist Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten, da die Angebote einerseits regelmäßig benutzt, die Plattformen andererseits als Gesamtheit betreut werden. Nicht für alles muss es MOOCs geben. MOOCs sind interessant wenn ein hoher Austausch von Interesse ist oder unmittelbare Aktualität. Aber nur eine Sammlung von Videos und noch nicht mal die Unterstützung durch passende Aufgaben in einem interessanten Bewertungssystem – dazu ist die Form des MOOC wirklich nicht notwendig!

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1 Kommentar

  1. amirabai sagt:

    Ich wüsste im Nachhinein doch zu gerne, welcher MOOC das damals war…Ich glaube, ich habe ihn damals nicht benannt, weil ich ihn nicht diskreditieren wollte. Das dabei bestehende Problem ist nun aber nach 10 Monaten, dass ich selber nicht mehr nachvollziehen kann auf welche Erfahrung er sich konkret bezog. 😦

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