Bildungsmäuschen

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Wieder einmal MOOCs

Nachdem die Auseinandersetzung mit Rassismus in der letzten Zeit für mich Priorität hatte, führt mich ein Beitrag von Monika E. König auf der Lernspielwiese zurück zu den MOOCs. Sie fragt nach dem kleinen (aber feinen) Unterschied zwischen xMOOCs und cMOOCs und ich merken, dass diese Frage für mich unbedeutend geworden ist, genauso wie ich das inzwischen weite Feld der Erscheinung MOOC als so verästelt wahrnehme, dass ich ihm nicht mehr ins Detail folgen möchte. Doch einen groben Überblick behalte ich noch.

Inzwischen verwischen sich für mich die Unterschiede. Monika führt als erstes Merkmal den Input an. Nun, inzwischen habe ich mindestens einen xMOOC mit minimalem wöchentlichem Input und einigen zur Verfügung gestellten Links erlebt, der in seiner Beschreibung darauf setzt, dass die Teilnehmer darüber hinaus Diskussionen führen, Links einstellen und sich über soziale Plattformen vernetzen. Wie weit Teilnehmende das tun wollen, wie weit sie in Austausch miteinander treten, wird angeregt und dann ihnen überlassen. Etwas, das ich auch bei cMOOCs wahrgenommen habe.

Das zweite Merkmal ist die Motivation der Veranstalter. Auch hier verwischen sich die Grenzen. Auf der Coursera-Plattform sind klar Werbeveranstaltungen für (nicht nur amerikanische) Unis vertreten, aber auch engagierte Lehrer, die eine Botschaft verbreiten wollen, neben all denen, die einfach mal testen wollen was sich hinter MOOCs verbirgt, mit anderen am Thema Interessierten in Kontakt treten wollen oder hoffen, dass sie Angebote entwickeln können, die auch Rendite einbringen können. (Dabei fällt mir übrigens auf, dass ich den Aspekt Bildung für viele zugänglich zu machen, nicht wirklich in der Praxis wahrnehme. Dies wirkt höchstens wie ein Nebenprodukt.)

Das dritte Merkmal, Lehr- und Lernziel, ist auch nicht so einfach zuzuteilen. Viel zu vielfältig sind die Gestaltungen von unterschiedlichen MOOCs auch auf der gleichen Plattform. Während manche Veranstalter im Prinzip nur Lehrveranstaltungen nach Online verlagern, setzen andere von Beginn an auf die gemeinsame Arbeit der Teilnehmenden und eine Erweiterung des bereit gestellten Materials. Wie Plattformstrukturen letztlich genutzt werden, hängt erstaunlich stark von den jeweils Anbietenden ab. Auch auf Coursera findet sich mindestens ein Kurs, der die Struktur wöchentlicher Aufgaben nur zu Übungszwecken nutzt, aber nicht zur Bewertung. Ist eine Teilnahmebescheinigung gewünscht, muss man am Endexamen teilnehmen. Die dabei errichte Punktzahl ist allerdings unerheblich. Ansonsten bleibt sehr viel Gestaltungsspielraum für Austausch der Teilnehmende, der auch geschieht. Menschen nutzen das, was man ihnen anbietet, manchmal in sehr erstaunlicher, unerwarteter Weise.

Es wird also sehr viel experimentiert.

Dann das vierte Merkmal, die Kurssubstanz. Nun, auch hier kann ein MOOC am Ende einen hohen Anteil von Materialien enthalten, die von den Teilnehmern erstellt wurden. Ich denke an den Comickurs und den Kurs zur Spieleprogrammierung. Über diese Beiträge und den Austausch dazu ist eine Vernetzung möglich und geschieht auch. Das von den Teilnehmern erstellte Material wird zum Lehrmaterial für die anderen Teilnehmer.

Das fünfte Merkmal, die Rolle der Teilnehmer. Es ist bei beiden Formen möglich allein zu bleiben, vor sich hin zu arbeiten oder nur zuzuschauen. Das ergibt sich aus der Art des Mediums Internet. Wer sich nicht aktiv bemerkbar macht, kann von den anderen nicht wahrgenommen werden, weder in einem xMOOC noch in einem cMOOC. Daraus ergibt sich in beiden Fällen keine Interaktion. Am stärksten ist die Behinderung von Austausch in meinen Augen übrigens bei den MOOCs, die auch gleich als reines Selbstlernprogramm angeboten werden könnten, da sie keinen Austausch notwendig machen. Möglicherweise ist auch hier eine Stelle, an der eine Trennlinie gezogen werden könnte. Und zwar mit der Frage: Ist für das Lernen die Anwesenheit anderer notwendig und sinnvoll oder kann eigentlich darauf verzichtet werden?

Für mich persönlich werden inzwischen die Themen und ihre Verwendungsmöglichkeit wichtiger, nicht die Art des Zugangs. Bei der Fülle an momentan vorhandenen Angeboten ist es notwendig zu entscheiden, was für die eigenen Interessen und/oder Studien sinnvoll und hilfreich ist, was warten kann, was zu viel ist, was ab gebrochen werden kann, weil es nichts nutzt, einen zu hohen Aufwand bedeutet und und und. Die Anforderungen an mich als Nutzerin sind hoch, will ich mich nicht verzetteln und will ich einen wirklichen Gewinn aus meinem eigenen Aufwand ziehen. Gerade wenn ich ein Thema intensiver bearbeiten möchte oder mit unterschiedlichen Zugängen beleuchten.

Wie die angebotene Form aussieht, ob es ein dauerhaft zugänglicher Kurs ist, ein einzelner zeitgebundener MOOC, eine Reihe von aufeinander aufbauenden Veranstaltungen, ob mit Zertifikat, mit was für einem Zertifikat, oder ob nur eine zentrale Stelle benötigt wird, um von dort ausgehend ein Thema mit anderen gemeinsam zu bearbeiten, ob eine Vernetzung über befristete Zeit oder für länger, es eröffnet sich für die Zukunft eine Fülle von nebenher existierenden Möglichkeiten.

Ich betrachte MOOCs in der Regel nicht aus der Veranstalterperspektive, doch ich denke, auch für Veranstalter, nicht nur Lernende, stellt sich die Frage und wird sich auch zukünftig stellen, wenn noch mehr Erfahrungen mit unterschiedlichen Formaten vorliegen, welche Form von MOOC und wo angeboten, eignet sich für ihr spezielles Anliegen am ehesten. Beispiel hier im Artikel .

Ich gehe von einer zukünftig vielfältigen Landschaft unterschiedlicher Formen des Onlinelernens und -lehrens in Kombination mit traditionellen Lern- und Lehrformen aus. Das erfordert auch, dass es unterschiedliche Strukturen geben wird. Ob dabei eine simple Unterscheidung zwischen xMOOCs und cMOOCs sinnvoll sein wird, bezweifele ich allerdings.

Es werden andere Fragen stärker hervortreten, möglicherweise auch die der Bildungsgerechtigkeit, der Frage nach der Verwendungsmöglichkeit von Bildung oder auch der nach der Nachhaltigkeit des Lernens.

Und- die Zukunft bleibt für Überraschungen offen.

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