Bildungsmäuschen

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Kleine Eindrücke aus MOOCs

Das Bild von Bildung als Myzel, das die ganze Gesellschaft durchzieht und aus dem Bildungsthemen wie Pilze an den unterschiedlichsten Stellen hervorwachsen, funktioniert hervorragend.  Mein ganzer Kopf ist voll mit diesen Bildungsthemen und es gäbe so viel zu erzählen. Ich werde mich aber auf zwei Aspekte beschränken, die meine momentanen Hauptthemen enthalten: Rassismus und MOOCs.

Ich war sehr überrascht in zwei meiner aktuellen MOOCs auf im Verhältnis zur Länge der Lectures lange Passagen zu treffen, die sich auf Rassismus beziehen. In der MOOC-Reihe Teaching for Learning wurde das Thema heimlicher Lehrplan im Teil Curriculum für mich überraschend ausführlich dargestellt, weil darüber u.a. rassistische Inhalte transportiert werden, die eine stärkere Auswirkung haben als der beabsichtigte Lernstoff, der ganz andere Inhalte vertreten kann.

Im MOOC History and Future of (Mostly) Higher Education spitzen sich meine Ohren in der vierten Lecture zur zweiten Woche sehr, als für mich klar wird, dass sich Prof. Cathy N. Davidson offensichtlich mit den hinter Rassismus stehenden Strukturen beschäftigt hat, als sie einen Bogen von Messsystemen wie Statistik, MC-Examen und Grading über Sir Francis Galton, der die Standardabweichung eingeführt hat und gleichzeitig ein Vertreter der Eugenik war, bis zum neuen Rassismus à la Prof. Philippe Rushton spannt. Sie schafft es in sehr knappen Worten die wichtigsten Zusammenhänge leicht verständlich darzustellen, was mich sehr beeindruckt. Und ich lerne eine neue Beschreibung: tautologische, zirkuläre Argumentation.

Beide Erfahrungen in den englischsprachigen MOOCs, einmal mit US amerikanischem Hintergrund, das andere Mal mit einem Commonwealth Hintergrund, verstärken in mir den Eindruck, dass im angelsächsischen Raum eine andere Art der Auseinandersetzung mit Rassismus geschieht, die sich auch auf eine wesentlich tiefer gehenden Ebene bezieht als ich das in deutschen Zusammenhängen, auch in Bezug auf Bildung wahrnehme. Das was mir in einer mir letztlich fremden Sprache vermittelt wird, ist mir auf einmal vertraut, während ich mir diese Informationen in den Materialien meiner eigenen Sprache mühsam zusammensuchen muss. Rassismus wird dort viel zu oft nur im Rahmen seiner kolonial geprägten Ausformungen beschrieben, weniger in den zugrunde liegenden Strukturen und was den heimlichen Lehrplan angeht gewinne ich sogar den Eindruck, dass spätestens seit Pisa das Augenmerk stärker auf die Hebung der Leistung als auf die Aufdeckung behindernder Strukturen für Chancengleichheit gerichtet wird.

Gerade heute morgen bekam ich von Amazon als Werbung eine Liste mit neun Buchempfehlungen zu Rassismus geschickt, doch auch hier bezieht sich der größte Teil davon nach erster Sichtung auf Hautfarbe, und bei den anderen vermute ich, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nur wieder nur Spuren zu den für mich interessanten Teilen finden würde. Ein Problem mit dem ich in der letzten Zeit häufig konfrontiert war, und mit diesem Hintergrund ist es schon überraschend in zwei MOOCs kurz hintereinander und ganz nebenbei diese Zusammenhänge beschrieben zu finden. Möglicherweise sollte ich meinen Blick einmal in die Richtung angelsächsischer Literatur richten und weniger im deutschsprachigen Raum suchen. Auch der Wikipediaartikel zum heimlichen Lehrplan spricht für diese Überlegungen.

Zum Schluss möchte ich aber noch eine andere Erfahrung beschreiben. Ich bin in einen MOOC hineingeraten, der sehr widersprüchlich ist. Auf der einen Seite ist er ziemlich schlecht, auf der anderen Seite hervorragend. Auch so etwas gibt es. Schlecht ist er, weil er voller Fehler steckt und die Anbietenden kaum wahrnehmbar sind. Ich denke, es handelt sich um recyceltes Material, denn Teile auf die sich bezogen wird fehlen, Termine stimmen nicht, ein Quiz wurde erwähnt und fehlte ganz, Fragen in einem anderen Quiz waren aus den Materialien heraus nicht eindeutig zu beantworten und auf Anfragen im Forum kam kaum eine Reaktion von den Betreuenden. Die Videos sind einerseits für komplette Computeranfänger gedacht, aber dann fehlen plötzlich Teile, so dass gerade diese Zielgruppe Probleme bekommen muss.

Dennoch ist er gut, denn das Thema ist hochinteressant und die Teilnehmer helfen sich gegenseitig, stellen zusätzliche Links zur Verfügung, schreiben fehlende Anleitungen für andere auf.  Es ist auch ein merkwürdiger MOOC, weil er mit einem Aufwand einer Spanne von 1-4 Stunden pro Woche angegeben ist, auch nur sehr wenige und zum Teil sehr kurze Videos zur Verfügung hat, aber den Anspruch hat innerhalb von 5 Wochen sowohl in eine Programmiersprache einzuführen und gleichzeitig von den Teilnehmenden erwartet, dass sie Kunst produzieren.

Die Anbieter haben allerdings einen sehr interessanten Topic gewählt und wer sich darauf einlässt und Interessen und Vorkenntnisse hat, die dazu passen, kann hier etwas interessantes Neues kennen lernen. Und erfahrene MOOCer bekommen die Situation auch mit Mängeln geregelt. Der MOOC liefert einen ersten Anstoß, das Weitere übernehmen die interessierten Teilnehmer. Allein und gemeinsam. Irgendwo zwischen xMOOC, cMOOC und Selbsterarbeitung. Es sein denn, die Anbietenden werden doch noch sichtbarer. Oder macht da mal wieder jemand Experimente mit uns Teilnehmenden?

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