Bildungsmäuschen

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Studium, MOOCs, Programmieren, Kunst und Teilen

Wenn sich verschiedene starke Interessen plötzlich zu einer Einheit fügen, kann das Ergebnis reine Beglückung sein.

Das Studium der Bildungswissenschaft führte zur Entdeckung der MOOCs, die MOOCs eröffneten neue interessengelenkte Lernoptionen und ermöglichten auch einen ersten Einstieg in die Kunst der Computerprogrammierung. Die Grundlagen der Computerprogrammierung kombiniert mit dem schon vorher vorhandenen Interesse an der Produktion von Bildern führten in einen Einführungskurs der Programmiersprache Processing.

Und das Besondere dieser Sprache ist, dass sie von Beginn an darauf ausgerichtet ist Bilder zu erzeugen. Nicht über ein visuell zu benutzendes Zeichenprogramm sondern in Processing wird Code geschrieben und dieser Code gibt dem Rechner über den Compiler, der die benutzte Programmiersprache in eine vom Rechner verständliche Maschinensprache übersetzt, die Anweisungen für eine grafische Darstellung. Fast jeder Schritt kann sich in seinem Effekt sofort angeschaut werden. Das macht Programmieren zu einer visuellen Reise. Und das ist für mein Gehirn, das offensichtlich sehr gerne mit Bildern denkt, die reinste Freude. Und es signalisiert mir: mehr davon, mehr, das ist toll! (Es gibt da auch Theorien über Botenstoffe, Endorphine und ähnliches, da kenne ich mich aber leider gar nicht aus, und überlasse es auch gerne anderen.)

Eine weitere persönliche Verbindung besteht darin, dass Zeichnen und Gestalten seit Beginn des Studiums sehr wenig Zeit zugeteilt bekamen, mit Processing treten sie wieder stärker auf die Bühne. Das Erlernen einer neuen begeisternden Technik unterstützt erneut die Motivation zur Erstellung von Bilder.Fleeseed_Woven

Was jetzt noch fehlt ist der Aspekt Teilen. In vielen MOOCs wird sehr gerne geteilt und in MOOCs in denen die Teilnehmer Produkte anfertigen, die sie begeistern, sind es die Produkte, die sie teilen. In diesem MOOC sind es Bilder und Code. Es gab bisher zwei Assessments und schon sehr schnell nach der Bekanntgabe des ersten, gab es den Vorschlag die Ergebnisse in einem Forum zu teilen. Und genau das ist es wofür sich ein MOOC eignet. Die Fülle von unterschiedlichen Produkten zu erleben, die erstellt werden während man gerade selbst erstellt. Die Möglichkeit unmittelbar Anregungen aufzunehmen und Anregungen weiter zu geben, die Möglichkeit untereinander zu fragen, die Möglichkeit fremden zur Verfügung gestellten Code zu benutzen, um ihn abzuändern und in eigene Ideen einzubauen. Um diese Ideen dann wiederum zur Verfügung zu stellen, so dass der Prozess weiter gehen kann. Das Gefühl Teil einer kreativen Gruppe zu sein, die sich gegenseitig anfeuert. Die Möglichkeiten sichtbar macht, die eine einzelne allein nie so schnell hätte zusammentragen können.

In dieser Form gemeinsam zu lernen ist wie ich mir positive Zusammenarbeit in einer Gesellschaft vorstelle. Jeder Einzelne ist Teil eines Ganzen. Alles Wissen über das wir verfügen, alle Fähigkeiten die wir haben, sind immer eingebettet in die Gesamtheit menschlicher Gesellschaft. Niemand von uns ist allein das was sie ist, sondern immer ein Produkt des Zusammenseins mit anderen. Und alle gemeinsam sind wir nur das was wir sind, weil andere vor uns da waren. Und unsere Kinder, eigene und fremde, formen die Gesellschaft der Zukunft auf der Basis dessen, was wir in der Jetztzeit mehr oder weniger gemeinsam gestaltet haben.

Woven-codeMOOCs lehren mich wie unsinnig es ist in Hierarchien zu denken, sondern wie viel besser in gemeinsamen Interessen. Jede einzelne, die einen Beitrag liefert, ein Bild, Code, Informationen, Anregungen, Äußerungen von Gefallen, trägt etwas zur gemeinsamen Verfügbarkeit und Nutzung bei.

Bei mir bleibt das gemeinsame Lernen in der virtuellen Welt auch nicht ohne Folgen für den Alltag. Was im MOOC gemeinsam möglich war, wird zu einem Vorbild für das reale Leben. Wenn ich denke, dass ich etwas weiß, was ein anderer nicht weiß, warum soll ich es nicht sagen, ganz gleich wo ich ansonsten in der gesellschaftlichen Hierarchie stehe. Ich habe im MOOC erfahren, dass ich anderen Anregungen geben kann, dass andere meine Anregungen aufnehmen, habe erfahren, dass meine Beiträge kleine Steinchen im gesamten Bild sind und das Gesamtbild erst aus den Beiträgen aller entsteht. Da ist nicht nur fachliches sondern auch soziales Lernen geschehen.

„Soziales Lernen kann alles Lernen umfassen, das als Ergebnis sozialer Interaktionen auftritt oder in irgendeiner Weise mit sozialer Interaktion verbunden ist (Salomon & Perkins, 1998).“[1]

Erkenntnisse zum Schluß: Eigentlich sollte ich den Titel jetzt abändern und aus Teilen soziales Lernen machen, doch es gehört zu diesem Blog dazu, dass er Prozesscharakter hat. Das ist eine seiner Hauptfunktionen. Genau darin ist er gut und liefert mir einen großen Teil meiner ungebrochenen Schreibmotivation. Im Schreiben zur Kommunikation mit einem unsichtbaren Zweiten, der Öffentlichkeit, verbinde ich meine eigenen Konstruktionen mit von mir vorgestellten öffentlichen Konstruktionen. Konstruktion der eigenen Realität geschieht in der Kommunikation. Unsere eigene Realität gehört uns, sie wird aber nicht von uns hergestellt, sondern in der Kommunikation erzeugt (Berger & Luckmann, 1966)[2]. Realität entsteht in einem Prozess innerhalb von Gemeinsamkeit.

Genau das ermöglicht mir dieser Blog.  Während des Schreibens in der Kommunikation mit dem vorgestellten Zweiten (und Dritten und Vierten) entstehen neue Zusammenhänge und Vorstellungen. Was ich zu Beginn des Schreibens weiß, ist nicht das was meine Vorstellungen am Ende sind. Und auch wenn ich während des Prozesse allein bin, ist er Kommunikation in einem gesellschaftlichen Rahmen.

JahrestagDas Teilen der unmittelbar sichtbaren Produkte bleibt nicht auch auf den MOOC beschränkt, sondern manifestiert sich im Fall des Kurses zu Processing in der Form von Geschenken an Bekannte (siehe links), einem neuen Header auf Facebook, oder einem selbsterstellten Moodlegravatar. Aus anderen MOOCs heraus entstehen wiederum andere Formen geteilter Produkte.

Zusätzlich ist durch die Handlung des Teilens weiterhin das Wissen entstanden, dass eine Tür aufgegangen ist, die noch viel mehr Möglichkeiten bereit hält, dass es im Netz Anregungen, Unterstützung, Lernprogramme und Möglichkeiten  der Anwendung gibt,  dass Teilen Freude macht, Fülle ermöglicht und außerdem das Selbstwertgefühl heben kann.

Lernen im Netz. Lernen im MOOC. Nicht nur fachliches, auch soziales Lernen geschieht hier. Allerdings nicht nur in der von mir hier beschriebenen durchaus positiven Form. Weiter auf andere Aspekte einzugehen sprengt jedoch jetzt den Rahmen, soll aber nicht unerwähnt bleiben.

Referenzen:

[1]in Lefrançoise, G.R. (2006). Psychologie des Lernens, 4.Auflage. Heidelberg: Springer Medizin Verlag. Seite 310

[2]Berger, P. L. and T. Luckmann (1966). The Social Construction of Reality: A Treatise in the Sociology of Knowledge. Garden City, NY: Anchor Books.

And to extend the information:

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