Bildungsmäuschen

Partizipation

Dies ist ein Blog. Das Schreiben darauf ist prozesshaft und nur für wenige Angaben können Nachweise herangezogen werden. Dieser Aufwand würde diese Art des Schreibens und der Auseinandersetzung unmöglich machen. Nur die Möglichkeit drauflos zu schreiben, hält ihn funktional. Er ist ein nützliches Werkzeug und ein Brainstorming für Themen im Zusammenhang mit Bildung.

Ich bin beim Thema Partizipation angelangt und habe dazu auch ein Pdf gefunden über das meine eigenen Überlegungen mit der Welt außerhalb  meiner eigenen Gedanken verbunden werden. Die Bedeutung davon ist: ich bin nicht allein. Vielleicht ist es gerade das, was das Internet so wertvoll für mich macht. Menschen die ihr Wissen, ihre Überlegungen und Gedankengänge zur Verfügung stellen, können für andere sehr schnell Anknüpfungspunkte und Verbindungsmöglichkeiten schaffen. Das zu Grund liegende Prinzip ist einfach. Wenn jemand anderes ähnlich denkt und wahrnimmt, dann muss etwas daran sein, dann ist es nicht die Spinnerei einer Einzelnen und damit von unbedeutender gesellschaftlicher Relevanz. Sozialpsychologen haben dieses Prinzip bereits untersucht, das nur als Hinweis (ich gucke jetzt nicht nach wer es gemacht hat und wie).

Partizipation. Bildung soll Partizipation ermöglichen (Nein, auch hier gucke ich nicht nach und ich denke ich werde das jetzt wie beim Programmieren machen. Wenn ich etwas nachgucken sollte es aber nicht tue, setze ich eine leere Klammer für ein leeres Argument. Das könnte spannend werden und die Argumente ließen sich auch später noch mit Links oder Referenzen füllen!) Die Erfahrungen meines Lebens haben mir ein gesundes Misstrauen gegenüber der Bereitschaft zur Ermöglichung der Partizipation verschafft und die Beschäftigung mit dem heimlichen Lehrplan (hidden curriculum) hat mir gezeigt, dass die unterschwellig vermittelten Botschaften viel wirkungsvoller sind als der offizielle Lehrplan. Auch darin liegen Gründe warum wir ein Schulsystem haben, das hartnäckig zu unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten abhängig von der sozialen Herkunft führt.

Lernprozesse erfolgen in meinen Augen über Erfahrungen und deren Verarbeitung in Verbindung mit der Anwendung von Theorien. Ich beziehe mich dabei auf David Kolb und den erfahrungsbasierten Lernzyklus. [1] Genau aus diesem Konglomerat entstehen meine Gedanken und Überlegungen, die als Basis für weitere Handlungen und Einschätzungen dienen.

Auf Partizipation bin ich durch die Auseinandersetzung mit einem kulturellen Angebot gestoßen, konkret eine Ausstellungseröffnung, bei der ich mir überlegte, warum ich sie nicht als ein Bildungsangebot betrachten kann (anderes Thema). Dieses Ereignis ist für alle offen, der Eintritt frei und es gibt sogar freie Getränke. Dieses Ereignis schließt aber gleichzeitig aus. Redner sind der Bürgermeister, der Kulturbeauftragte und ein eingeladener Kabarettist, der sehr häufig ähnliche Aufgaben vor Ort übernimmt. Gäste sind Besucher der Stadt, vier der teilhabenden Künstler und vor allem eine Gruppe von Menschen, die schon seit vielen Jahren regelmäßig diese Veranstaltungen besucht. Der Altersdurchschnitt ist inzwischen sehr hoch.

Partizipation. Während ich mir Gedanken über den für mich mangelnden Bildungsgehalt mache, fällt mir auf, dass diese Veranstaltung nie auf Partizipation ausgerichtet war (auch nicht darauf etwas zu lernen, es ist ein gehobenes Konsumangebot ( ) ). Reden tun diejenigen die immer reden. Die anwesenden Künstler sind nur Ausschmückung, verbannt an ihre Signiertische, an denen sie die Besucher ansprechen könnten, wenn sie einen Anknüpfungspunkt hätten. Alle anderen Gäste dürfen zusehen, zusehen und an den richtigen Stellen klatschen. Um Missverständnisse zu vermeiden, ich habe nichts gegen solche Rituale, doch eine wirkliche Partizipation sind sie nicht.

Nach Ende der Eröffnungsreden geht der Bürgermeister nach Hause, die Besucher betrachten die Bilder, aber vor allem nutzen sie die Gelegenheit zum geselligen Zusammensein mit denjenigen, die sie schon seit Jahren kennen. Es ist Sonntagmittag. Danach kommt das Mittagessen. Noch einmal. Ich habe nichts gegen eine solche Veranstaltung. Über die Jahre bin ich so kostenfrei dazu gekommen viele interessante, hochwertige Bilder und Objekte zu sehen, wofür ich woanders Eintritt bezahlen müsste. Aber ansonsten hat nichts stattgefunden, außer dass ich mich immer ausgeschlossen gefühlt habe. Ich darf zwar teilnehmen, gehöre aber nicht dazu. Ich erfahre nichts von den anderen und sie erfahren nichts von mir. Es ist eine Geselligkeit, die letztlich leer bleibt wie die Klammern des leeren Arguments.

Ich will diese Veranstaltung  als Beispiel für leere Partizipation nehmen (Ausdruck von mir ausgedacht). Es ist eine Partizipationsform, die wie eine richtige Teilhabe wirkt (offen für alle, auf der Oberfläche gleiche Behandlung), aber unter der Oberfläche ist es einerseits die kulturelle Veranstaltungsform einer bestimmten Bevölkerungsschicht, in der man sich nicht unbedingt wohlfühlt wenn man einen anderen kulturellen Hintergrund hat ( ), andererseits gibt es auch für die eigentliche Zielgruppe durch die Struktur der Veranstaltung keine Einladung zu einer tatsächlichen Teilhabe. Sogar die Künstler sind auf ihre Beteiligung durch ihre Produkte beschränkt, es gibt keinen Rahmen eines weiteren Kennenlernens oder öffentlichen Austausches. Die Beobachtung über den Zeitverlauf verweist weiterhin darauf, dass hier weiterhin immer nur die gleichen Menschen, die eine offizielle Funktion einnehmen, zu Wort kommen.

Noch einmal: ich will das alles nicht kritisieren, nur als Beispiel verwenden. Ich gehe nach Hause und fand es abgesehen vom Betrachten der Bilder langweilig. Lernen und Lehren für Lernen erfordern aber Partizipation wenn sie erfolgreich sein wollen. Ich kann mir eine Dokumentation im Fernsehen betrachten und alles verstehen und auch spannend finden, versuche ich aber später jemandem davon zu erzählen, so kann ich mich nur noch an weniges erinnern. Es ist an mir vorbeigezogen ohne tiefere Spuren zu hinterlassen. Ich bin nicht einbezogen worden, habe nicht darüber geredet, nichts dazu aufgeschrieben, nicht darüber diskutiert, nicht mehr weiter nachgedacht, weil alles so klar und selbstverständlich schien.

Bildungsprozesse erfordern tatsächliche Partizipation ( ). Demokratie ist eine Gesellschaftsform der Partizipation ( ) . Bildungsprozesse ermöglichen in einer Demokratie gesellschaftliche Teilhabe ( ) . Im Bildungssystem lässt sich Partizipation fördern und erlernen ( ) . Oder eben nicht. Wie sollen Menschen, die keine Partizipation fördern und leben, die eine Partizipation aller möglicherweise gar nicht kennen, diese an andere vermitteln, vor allem wenn sie zur dominierenden Gruppe gehören? Wie sollen Menschen, die von Partizipation gewohnheitsmäßig ausgeschlossen sind, diese erlernen? Diese als Selbstverständlichkeit begreifen, wenn sie eine Umgebung erleben in der der Anspruch auf Partizipation erst durch den Nachweis von Qualifikation erfolgen kann?

Es ist inzwischen nicht mehr nur die Frage nach der Verwirklichung demokratischer Ideale, es ist inzwischen auch eine Frage der Nutzung von Potentialen. Ist es für die Gestaltung der Zukunft sinnvoll wenn sich Menschen ihre Partizipation nur im Freundes oder Familienkreis suchen oder vielleicht noch nicht einmal dort, weil sie woanders nicht gelebt werden kann? Um Potentiale nutzbar zu machen muss eine Gesellschaft Partizipation ermöglichen und fördern. Überall. Aber nicht in einer leeren Alibifunktion, sondern in einer tatsächlichen Teilhabe. Dazu braucht es aber Menschen, die Partizipation kennen, die sie erlebt haben, die sie leben und einfordern können.

Das geschieht nicht in Konsumangeboten, das geschieht aber beispielsweise an Orten tatsächlichen Lernens ( ) , wo der einzelne Mensch sich selbst und seine Bedeutung erfährt ( ) . Ich denke, wir brauchen diese Art von Lernen und Bildung. Eine Bildung, die in Menschen den Wunsch erzeugt sich einzumischen, teilzuhaben, mitzumachen, weil sie erlebt haben wie positiv es ist beteiligt zu sein, einbezogen zu sein, auf Menschen zu treffen, die sie schätzen in ihren Beiträgen. Wir haben schon einen langen Weg zurückgelegt, aber er ist noch lange nicht zu Ende.

Referenz

[1]Kolb, D. A. (1984) Experiential Learning, Englewood Cliffs, NJ.: Prentice Hall.

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