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Einführung in Kommunikationswissenschaft

Dieser Blogbeitrag ist einem MOOC gewidmet, der momentan mit der Woche des finalen Examen kurz vor seinem Abschluss steht. Es handelt sich um eine Einführung in Kommunikationswissenschaft, Gesicht des Ganzen ist Dr. Rutger de Graaf von der Universität Amsterdam, die gewählte Plattform Coursera.

Diese Einführung in Kommunikationswissenschaft sticht aus anderen Angeboten, die ich bisher genutzt habe, deutlich durch Perfektion, Benutzerfreundlichkeit und ihre anderen Prüfungsstrukturen zum Erwerb eines Teilnahmezertifikats heraus.

Der MOOC ist deutlich als Werbung für den speziellen Studiengang deklariert und liefert für Interessierte einen ersten Einblick in Inhalte und Methoden der Kommunikationswissenschaft. Dies kann einerseits sehr gut als Entscheidungshilfe bei der Wahl eines Studiengangs verwendet werden, andererseits aber auch als Überblick für diejenigen (wie ich) aus anderen sozialwissenschaftlichen Studiengängen, die zumindest Teile der Kommunikationswissenschaft in ihrem Studium verwenden. Weiterhin ist für diejenigen eine Art AhaEffekt dadurch möglich, dass die eigenen Studieninhalte relevanter erscheinen, wenn sie auch in anderen wissenschaftlichen Zusammenhängen auftauchen.

Die von mir registrierten Besonderheiten mit denen die Anbieter ihre Meisterschaft im Bereich Kommunikation unter Beweis stellen (sehr gute Werbung!) sind:

1. Die Gestaltung der Videos. Die Informationen sind kompakt, gut nachvollziehbar und klar strukturiert. Sie werden von interessant gestalteten eigenen Illustrationen unterstützt, so dass eine Kontinuität auch der Bilder entsteht.

2. Der Zeitpunkt des Einstellens neuen Materials. Mittwoch. Die beste Lösung, die ich bisher gesehen habe. So bleibt sowohl vor als auch nach dem Wochenende noch Zeit.

3. Die  Gestaltung der Texte zu den Videos. Für jede Woche gibt es ein einziges übersichtliches Pdf aller Texte der Videos zum Nachlesen und Aufbewahren.

4. Die Übungen. Es gibt für jede Woche Übungsaufgaben, in Form von MC Fragen, die hier aber nicht bewertet werden und nur zum eigenen Lernen gedacht sind.

5. Die abschließende Prüfungsleistung. Sie besteht aus vier getrennten Blöcken von je 25 MC Fragen und einem fünften Block Survey. Für eine Teilnahmebescheinigung reicht das Einreichen aller Prüfungsfragen aus. Es gibt keine erforderliche Punktzahl und keine Zeitbegrenzung. Die einzelnen Teilnehmer müssen mit sich selbst ausmachen wie sie das Angebot für ihr eigenes Lernen nutzen.

6. Die Gliederung der Wochen. Es gab fünf vorbereitete Wochen. Die sechste Woche wurde aus den in den Foren auftauchenden Fragen gestaltet. Dabei wurden diese Themen in der gleichen Weise (nur mit weniger Illustrationen) umgesetzt wie die Wochen zuvor. Die siebte Woche ist für das finale Examen reserviert. Die achte Woche ist eine reine Nachbereitungswoche, die momentan noch aussteht. Angekündigt sind Einblicke in Hintergründe des MOOC und Gelegenheit zu abschließenden Fragen und Diskussionen.

7. Die Kommunikation mit den Anbietern. Kann ich nur aus Beiträgen anderer in den Foren erschließen, da ich momentan nur sehr wenig Zeit für Forenaktivitäten verwenden kann. Aber der MOOC scheint hervorragend betreut worden zu sein und einen positiven Austausch nicht nur unter den Teilnehmern sondern auch mit den Veranstaltenden ermöglicht haben.

Eigene Erfahrungen:

Ich habe bei den Vorlesungen immer in meiner eigenen Sprache mitgeschrieben und mich später noch einmal damit beschäftigt ohne aber gezielt zu lernen. Auf dieser Basis habe ich an dem Examen teilgenommen, also nicht wie vor studiumsrelevanten Klausuren. Ich war sehr überrascht wie viele der in meinen Augen meist anspruchsvollen Fragen von mir ohne Unsicherheit zu beantworten waren, da ich mich ohne Probleme an die Inhalte erinnern konnte. Das war besonders erstaunlich vor dem Hintergrund, dass ich dieser Form von abschließendem Examen zuerst skeptisch gegenüber stand, da ich zeitnahe Überprüfungen bevorzuge und mich diese Form des Examens sehr an die ungeliebten Zeiten vor Klausuren erinnern in denen eigentlich nicht mehr weiter gelernt wird, sondern alle Energie darauf ausgerichtet ist den gesamten Stoff so in den Kopf zu bekommen, dass er in der Klausursituation (und nur dort) möglichst ohne Verluste abgerufen werden kann.

Das Examen wurde dadurch zu einem entspannten selbst ausgestalteten Lernerlebnis in dem ich die Fragen zuerst beantwortete, dann noch einmal überprüfte und bei den unsicheren Fragen unmittelbar nachgeschaut habe, wie weit meine Unterlagen die Antwort unterstützten. Für eine am Lernen ausgerichtete Motivation ist es ausreichend an dieser Stelle aufzuhören und die Bewertung abzuwarten. Und auch dieses Feedback kann dann erneut zum Lernen, Nachschauen und vielleicht weitere Verbindungen herstellen genutzt werden.

Bonus:

Neben dem gut zusammengestellten Überblick über Kommunikationswissenschaft stehen Sammlungen von weiteren Materialien in übersichtlichen Form zur Verfügung und können zur Vertiefung und weiteren Studien genutzt werden.  Sehr viele davon sind frei zugänglich. Mit dem Hintergrund eines Fernstudiums als Vergleich, sehe ich keinen nennenswerten Unterschied im Niveau des Informationszugangs, vor allem, da es sich hier um eine Einführungsveranstaltung handelt.

Weitere Überlegungen:

Ich habe in diesem MOOC die Möglichkeit des Austausches mit anderen als wertvolle Ressource so gut wie gar nicht genutzt. Allerdings wäre der MOOC ohne die Wahrnehmung der anderen einsam und weniger motivierend gewesen. Nur der flüchtige Blick auf die Existenz neuer Forenbeiträge und gelegentliches Mitlesen und Antworten, sowie die Wahrnehmung der Zeitgleichheit des Ablaufs und die erkennbare Präsenz der Anbietenden reichen schon für die Einbettung in soziale Zusammenhänge aus. Und diese soziale Einbettung lässt auch das vermittelte Wissen nicht ohne Bezug im leeren Raum stehen, sondern erschafft zusammen mit dem Denken in eigenen Erfahrungen die Verbindung, die für eine Lernmotivation wichtig ist.

Dabei beziehe ich mich auch auf eine der drei Charakteristiken intrinsischer Motivation der Self Determination Theory von  Edward L. Deci und Richard M. Ryan, Relatedness. Darunter ist die Verbindung einer Aktivität mit etwas, das jenseits von einem selbst liegt, zu verstehen, eines der Elemente wodurch eine Aktivität in sich selbst wertvoll wird.

Als neue Idee kam mir außerdem in den Kopf, dass sich eine solcher MOOC hervorragend für die Verwendung in der Studiumsberatung eignet, was sich auch aus der Absicht der Veranstalter erschließt.

Bedenken:

Ich weiß nicht wie weit ich mich über diesen Einblick hinaus weiter mit dem Thema beschäftigen werde. Optionen sind noch keine Handlungen, und Angebote und Zugänge, so interessant sie erscheinen mögen, sind im Kopf zwar schnell als Handlungen gedacht, aber damit noch lange nicht im Alltag implementiert. Informiertheit allein ist noch keine Basis für eine tiefer gehende Auseinandersetzung. Zu einem Studium gehört aber nicht nur eine relativ oberflächliche Informiertheit über viele Bereiche (die in meinen Augen durchaus nützlich ist und ihre Berechtigung hat), sondern auch Vertiefung. Und bei der Menge an Informationen, die uns inzwischen zur Verfügung stehen, bedeutet eine Vertiefung auch eine Spezialisierung. Und eine individuelle Spezialisierung bedeutet eine Reduzierung der möglichen Austauschpartner.

Fazit:

Allgemein: MOOCs als Einführungsveranstaltung für Wissenschaften, damit Studieninteressierte einen besseren Einblick bekommen, halte ich für sehr überlegenswert. Darin könnte sich viel Potential verbergen Interessen zu überprüfen, Fehlentscheidungen zu vermeiden und Bereiche als interessant zu entdecken, an die man vorher nicht gedacht hat, da sie in ihren Inhalten nicht tatsächlich bekannt waren. Ich kann mir das auch eingebettet in den Rahmen von SekII Unterricht vorstellen.

Persönlich: Die momentanen Überlegungen versöhnen mich mit der relativen Einsamkeit beim Bearbeiten individuell erstellter Themen in der letzten Phase meines Studiums. Ich sehe momentan keine andere Möglichkeit bei einer Vertiefung von Inhalten als die einsame Arbeit bei einem allgemein bleibenden Austausch über die dabei entstehende Situation. Sehr schlimm für mich als Fernstudierende mit einem ausgeprägten Kommunikationsbedürfnis und dem Wunsch nach sozialer Einbettung, doch anscheinend nicht zu vermeiden. Das löst die Probleme zwar nicht, die ich dabei habe, macht sie aber leichter zu akzeptieren. Die Zukunft wird zeigen wie weit dieser Erkenntnisgewinn nützlich ist.

Referenzen:
Richard M. Ryan and Edward L. Deci (2000). Intrinsic and Extrinsic Motivations: Classic Definitions and
New Directions. http://mmrg.pbworks.com/f/Ryan,+Deci+00.pdf  abgerufen 1.3.2014

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