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MOOCs: Fülle, Wahlmöglichkeit und Interessenskonzentration

Ich hatte mir ausgerechnet, dass die Anzahl der MOOCs, an denen ich teilnehme, im Lauf der nächsten Woche schrumpfen wird, doch ich kann offensichtlich nicht loslassen und an den frei werdenden Platz sind (statt der Inhalte meines offiziellen Studiums) schon längst wieder neue MOOCs getreten. Mit meiner Strategie mich bei der Erfüllung von Aufgaben nicht zu stressen und immer genug auszuruhen, bekomme ich es momentan hin an fast allen (ich habe eine Leiche im Keller) so teilzunehmen, dass ich alle obligatorischen Teile bearbeite und auch alle gewünschten Aufgaben erfülle. Manchmal hechele ich ein wenig hinterher und bei einigen Aufgaben hatte ich auch zuerst keine Ahnung wie ich sie lösen soll, bisher habe ich es aber zu meinem eigenen Erstaunen in wirklich allen Fällen geschafft (bis auf die Leiche).

Das Nebenbei-Lesen ist dabei ein wenig auf der Strecke geblieben und meine Beteiligung an den Foren lässt etwas zu wünschen übrig, doch momentan scheinen mich die unterschiedlichen Aufgaben und ihre Bewältigung am meisten zu reizen. In der Sprache von Gamifikation würde das wohl der Wahl von Quests entsprechen.

Der eigentliche Grund für den Blogartikel ist allerdings eine andere Auffälligkeit. Da mehr und mehr MOOCs zur Auswahl zur Verfügung stehen, wähle ich kaum noch wie zu Anfang den MOOC als interessante Form, sondern im Vordergrund steht inzwischen das Thema. Dabei wird mehr und mehr erkennbar, dass meine Auswahl aus drei Primärbereichen stammt und dass diese Bereiche schon meinem Interesse entsprochen haben, als ich mich für das Studium der Bildungswissenschaft entschieden hatte.

Die MOOCs durchlöchern momentan diese Entscheidung auf eine sehr angenehme Art. Im Vordergrund stehen immer noch bildungsrelevante Themen, doch schon seit einer Weile mischen sich sowohl mein Interessen an Kunst als auch an Informatik mit unter. Bildungswissenschaft war nicht meine erste Wahl. Am allerliebsten hätte ich Comic und Illustration studiert und auch mehr über Informatik zu erfahren hat mich sehr gereizt. Comic und Illustration war über ein Fernstudium aber nicht möglich und Informatik habe ich mir nicht zugetraut.

Jetzt habe ich die MOOCs. Und wenn ich mir anschaue woran ich teilnehme und teilgenommen habe, so sind inzwischen alle diese drei Bereiche vertreten und zwar ausschließlich. Gewissermaßen bestätige ich mir durch meine von Interesse gesteuerte Auswahl die Dauerhaftigkeit meines eigenen Interesses.

Das ist insofern interessant, da es der Zugang zu den MOOCs ist, der dies ermöglicht. Ein Zugang der für mich nur mit Zeitaufwand und Bemühen verbunden ist, zwei Dinge, die mir im Gegensatz zu anderen Ressourcen ausreichend zur Verfügung stehen.

Ich werde an anderer Stelle auf die Problematiken des Zugangs zu Bildungsmöglichkeiten für auf die eine oder andere Art Benachteiligte eingehen. Jetzt aber noch nicht. Was mich an dieser Stelle fasziniert ist, dass sich bei einer ausreichenden Fülle an Angeboten sehr individuell zugeschnittene Kombinationen zusammensetzen lassen. Wenn sie ein tiefgehendes Interesse abbilden, bedeutet das eine hohe intrinsische Motivation zur Teilnahme[1], genau das, was Lernen sehr erleichtert. (Damit stoße ich auch erneut auf die Selbstbestimmungstheorie nach Deci & Ryan [2], was meine Motivation fördert, sie auf die Liste der Dinge zu setzen, die für mich anscheinend interessant und wichtig sind).

Statt Dinge hintereinander zu lernen, können sich diese dann gegenseitig ausbalancieren und verschiedene Aspekte einer Person gleichzeitig entwickeln helfen. In meinem Studium der Sozialpsychologie wurde ich auch mit Theorien zur Selbstkomplexität konfrontiert. [3] Wenn eine Person viele Selbstaspekte besitzt, können diese als Puffer gegen Bedrohungen des Selbstwertes dienen. Kurz: wenn es irgendwo nicht so gut läuft, hat man noch andere Bereiche woher man Selbstbestätigung bekommen kann. Eine feine Sache, denn selten bricht alles gleichzeitig zusammen!

Außerdem wird das Weltbild weniger einseitig. Ich erinnere mich noch sehr an den Zeitraum als ich überall nur noch Bildungsthemen gesehen habe und sonst nichts mehr. Auch wenn das sehr hilfreich ist um in die Tiefe vorzustoßen – sind die Themen sehr problematisch, kann das zu einer starken inneren Belastung und einer ziemlich negativen Weltsicht führen. Ein wenig Kunst und ein wenig Programmieren (am besten Kunst programmieren), können einen sehr guten Ausgleich darstellen und den Geist dafür offen halten, dass es noch mehr gibt als problematische Bildungsthemen aber auch wie in anderen Bereichen gedacht und an Problematiken herangegangen wird.

Wie auch immer. Mein  Anliegen war es dieses Mal auf die interessante Möglichkeit individueller Kombinationen von Studieninhalten hinzuweisen, die sich durch MOOCs ergeben können. Im Rahmen von Bachelor und Master als Leistungsnachweise uninteressant, aber wer weiß schon wo die Entwicklung hingehen wird. Für LifeLongLearners eröffnen sich aber schon jetzt  interessante Perspektiven. Nicht die Qual der Wahl, sondern nebeneinanderher in vielleicht erstaunlichen, sich gegenseitig bereichernden Wissenskombinationen.

Mag sein dass dies anderen an anderen Orten schon lange zur Verfügung steht, für mich ist es auf diesem Niveau und mit dieser Zugänglichkeit eine neue und sehr interessante Möglichkeit und eine immense Bereicherung meiner Vorstellungsmöglichkeiten der Welt.

Referenzen:

[1] Dazu eine interessante Zusammenstellung von Lernmotiven und Lernmotivation http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MOTIVATION/Lernmotivation.shtml

[2] Dazu: http://www.selfdeterminationtheory.org/

[2] Beispielsweise: Linville, P. W. (1985). Self-complexity and affective extremity: Don’t put all of your eggs in one cognitive basket. Social Cognition, 3, 94-120.

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