Bildungsmäuschen

Semesterende

Frühling lässt sein blaues Band…“ Die sonnig schönen Tage machen unruhig. Alles fühlt sich nach Aufbruch und Neuanfang an. Auch wenn ich dieses Semester keine Prüfungstermine habe, fühle ich mich mit den Fernstudierenden verbunden, die jetzt mit den letzten Vorbereitungen für die letzten Klausuren und mündlichen Prüfungen lernen. Euch allen gutes Gelingen!

Auch wenn ich momentan nicht direkt etwas für mein Fernstudium tue, verfolge ich die Aktivitäten anderer weiter. Dies ist ein wichtiges Element im Studium: Anbindung an die Gesamtheit durch Wahrnehmung sozialer Präsenz. Relatedness. Erfreulich war dabei vor allem die Facebookgruppe zum Modul 2D, ein Modul bei dem ich mit der Zusammenarbeit im letzten Semester sehr unzufrieden war. Zu sehen wie auf Facebook dieses Semester ein gemeinsamer Austausch stattfand und ab und an etwas beitragen zu können, hat die Negativerfahrungen des letzten Semesters relativiert. Außerdem hat es den Blick dafür geschärft, dass Lernerfahrungen auch stark von der Zusammenstellung der Mitlernenden und deren Herangehensweisen abhängen.

Semesterende und Frühlingsgefühle regen viele Gedanken an und ich möchte davon eine Zusammenstellung der Elemente herauspicken, die für mein Lernen im letzten Jahr am bedeutungsvollsten waren.

  1. Nachdenken
  2. Die MOOCs
  3. Meine Blogs
  4. Verfügbare Informationen im Netz
  5. Die Studienbriefe der Fernuni
  6. Der gelegentliche persönliche Austausch mit anderen
  7. Verschiedene Bücher

Die Nummerierung verweist dabei auf eine hierarchische Anordnung. Gefühlt am meisten gelernt habe ich im letzten Jahr durch die Teilnahme an verschiedenen MOOCs. Der Grund dafür, dass ich mehr und mehr meiner Aktivitäten dahin verlagert habe.

Weiterhin interessant ist die Position meiner Blogs (dieser und sein Vorläufer auf MyOpera) und die Reduktion des Fernunibeitrags auf die Studienbriefe.

Das Schreiben der Blogs hat mir geholfen viele Gedanken zusammenzufassen und darüber immer wieder meine Position zu bestimmen. Davon ausgehend hat sich in der Regel mein weiteres Vorgehen gestaltet. Weiterhin haben die Blog geholfen zu Erkenntnissen zu gelangen, indem ich lose Gedanken in nachvollziehbare Strukturen kleiden musste. Grundsätzlich halte ich Blogs zwar für einen Austausch mit anderen geeignet, in der Regel funktionieren sie aber nicht so. Auch auf MyOpera bei einer kommentarfreundlicheren Seitengestaltung war die direkte Reaktion minimal. Bei WordPress niedergelassen ist es gefühlt mehr ein Schreiben für mich selbst. Es sind fast nur die Statistiken, die Auskunft darüber geben, dass auch andere zumindest Seiten aufrufen (ob die dann auch gelesen werden lässt sich nicht nachvollziehen).

Netzinformationen. Ein wilder Gemüsegarten in dem man permanent Ordnung halten muss und der für eine spätere Verwendung ein gutes Gedächtnis erfordert (auch bei aller Unterstützung durch Ordnungs- und Sammelsysteme)

Studienbriefe. Leider das Beste was mir die Fernuni (abgesehen von einem Präsenzseminar mit Referatmöglichkeit) letztes Jahr zu bieten hatte (die interessanten Fernuni-MOOCs sind unter MOOCs verbucht). Ich mag die Form von Studienbriefen einfach. Auch wenn sie schon etwas veraltet sind oder schwierig zu lesen. Sie sind badewannen- und betttauglich, stehen als Pdf zum Nachschlagen zur Verfügung, können hervorragend bekritzelt und markiert werden und sind einfach Lehrveranstaltungen in einer schriftlichen Form, die man sehr flexibel den eigenen Gewohnheiten, Tagesablauf und Lernverhalten anpassen kann. Sie bieten kompakt zusammengeballtes Wissen auf das man aufbauen und zurückgreifen kann (am meisten benutze ich momentan Sozialpsychologie) und das sich als Ausgangspunkt für weitere Erkundigungen eignet.

Leider hat sich das Fernstudium daneben als sehr einsame Angelegenheit herausgestellt und auch die Verwendung des erworbenen Wissens geschieht in meinem Fall sehr stark in Einsamkeit. Bildungswissenschaft reflektiert über Bildung. Das Interesse daran halte ich aber für nicht sehr verbreitet. Es wird zwar sehr viel über Bildung geredet, ein tieferes Nachdenken und Hinterfragen ist aber weniger üblich. Aussagen über Bildung führen häufig in den Bereich unmittelbarer Erfahrung und praktischer Anwendung und bleiben dann darin stecken. Das Bildungsmyzel ist so allgegenwärtig und selbstverständlich wie der morgendliche Tee oder Kaffee, so dass diese Selbstverständlichkeit weniger zu einer Betrachtung aus übergeordneter Position führt.

Austausch mit anderen. Sehr wichtig, aber unzuverlässig. Wechselhaft und etwas worauf man nicht bauen kann. Ein Kommen und Gehen. In meiner Wahrnehmung bei vielen sehr stark auf Nützlichkeit und Verwertbarkeit ausgerichtet. Daher kann er keine hohe Position einnehmen. Griechische Schulen der Antike haben auf diesem Austausch basiert. Doch bei einem wissenschaftlichen Studium kommt in heutiger (inzwischen auch angezweifelter) Gepflogenheit der Zeitpunkt an dem jeder und jede einzeln ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen muss. Und dann muss auch noch aufgepasst werden, dass einem das Thema nicht geklaut wird und ähnliche Merkwürdigkeiten werden sichtbar.

Bücher. Inzwischen ein altes Medium. Ich habe mich im letzten Jahr selten auf ganze Bücher eingelassen, lese mehr ausschnittsweise, weil Bücher lesen viel Zeit erfordert und ich diese Zeit möglichst an einem Stück benötige. Dafür sind etliche Bücher aber sehr gute Sammelstellen für einen speziellen Bereich oder erläutern ausführlich einen speziellen Fokus. Einige Bücher haben mich im letzten Jahr sehr beeindruckt und mir neue Inhalte erschlossen wie das Buch „Das Verschwinden der Frauen“. Inzwischen hätte gerne eine Sammelstelle für von mir zusammengefasste Inhalte, da ich schon relativ kurze Zeit nach dem Lesen nur noch Bruchstücke des Gelesenen erinnern kann. Einfaches Lesen taugt für mich zwar zum Kennenlernen, aber nicht zum dauerhaften Lernen.  Daher stehen die Bücher ganz unten in der Liste. Sie liefern Anregungen, aber nur eine weitere Bearbeitung können sie auch zu Lernmöglichkeiten machen.

Da ich die Liste jetzt durch habe, fehlen eigentlich nur noch die Schlussworte. Ich weiß nicht wie es weiter gehen wird. Langsam wird es immer klarer, dass Bildung nicht alles ändert, für diesen Zweck muss es auch die „richtige“ Bildung sein, für die ein Markt vorhanden ist. Nicht nur für mich wird das deutlicher, es hat sich auch in der Bevölkerung schon lange herumgesprochen. Doch noch immer werden bezogen auf Bildungsgewinne Illusionen verkauft und Illusionen nachgejagt wie beim Goldrausch am Clondyke . Dabei scheint es längst an der Zeit Bildung erneut aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten als den des Einstiegs in ein materiell besseres Leben und darüber die Hoffnung auf die Beseitigung aller gesellschaftlichen Probleme oder weiterhin den Mangel an verfügbaren Ressourcen mit einem Mangel an Bildung gleichzusetzen.

Tatsächliche Verlierer und Gewinner werden durchaus auf einem ganz anderen Parkett bestimmt. In Zeiten eines Uli Hoeneß, eines wieder verblassenden Eindrucks steigender relativer Armut festgestellt im letzten Armutsbericht, Auslandsmobilität und globaler Landflucht, die in Deutschland zwar vergleichsweise gering ist, aber dennoch die Kontraste zwischen Stadt und Land zunehmend verstärkt,  stellt sich auch die Frage nach der Art des Lebens das wir führen. Hat Bildung nicht auch dabei eine Aufgabe? Und für wen? Und mit welcher Ausrichtung? Und wird dieser Bereich tatsächlich zunehmend von der Ausrichtung auf wirtschaftliche Verwertbarkeit verdrängt wie es mir mehr und mehr erscheint? Und warum erscheint mir das so?

Es bleibt weiterhin spannend!

Ganz zum Schluss ist mir noch das bedeutungsvollste Element meiner Lernelemente im vergangenen Jahr aufgefallen, das so selbstverständlich ist, dass ich es glatt übersehen hatte. Es ist das gute alte Nachdenken. Bevorzugt tue ich das morgens im Bett vorm Aufstehen und genau das führt häufig zu einer Bearbeitung der Gedanken in meinem Blog, so wie auch an diesem Morgen. Nachdenken und Teile davon aufschreiben machen mir die Richtung bewusst, in die ich mich bewege und stellen einen Zusammenhang aller Elemente her, und damit wird das Nachdenken gewissermaßen zum Grundgerüst, das alles Lernen zusammenhält.

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