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MOOCs – Aufgabenlösungen und Zertifikate

Ich habe schon seit geraumer Zeit kaum etwas über MOOCs gelesen, was ich jedoch an Veränderungen als Teilnehmende beobachte, erzeugt den Eindruck, dass sie zumindest auf der Coursera-Plattform immer weiter in Richtung akzeptierter zertifizierter Bildungsangebote verbessert werden. Die offene Teilnahme ohne Zertifizierungsabsicht mit der Möglichkeit eine Teilnahmebestätigung bei der Erfüllung in der Regel vorher angegebener Kriterien zu bekommen, scheint dabei aber nicht zu verschwinden. Damit wirkt auch der Bereich den ich mir wünsche, erst einmal gesichert und ich könnte das Gefühl beiseite legen, dass ich ganz viel gleichzeitig machen muss, solange die Möglichkeit dazu noch besteht. (Da muss ich allerdings noch mit meiner Begeisterung für die zur Verfügung stehende Vielfalt verhandeln.)

Inzwischen werden aber auch Fragen wichtig, die noch vor einem Jahr weniger eine Rolle spielten. Beispiel:

Verfügbarkeit von Lösungen im Netz: Ich habe in diesem Blog in der letzten Zeit zwei Mal (hier und hier) Aufgabenlösungen direkt veröffentlicht und verlinkt. Da es sich um sehr persönliche Lösungen handelt, die ich von ihrer Art her auch als mir gehörend betrachte und deren Präsentation, auch über Verlinkung, im Kurs parallel gewünscht wurde, habe ich das zuerst nicht als sehr problematisch wahrgenommen. Außerdem ging es in dem Kurs um kreative Problemlösungen und dieses Thema fordert Experimentieren geradezu heraus. Da ich mich nach meinem eigenen Ehrenkodex gerichtet und nach Abgabe nur noch einen Verweis auf das was danach kam verlinkt habe, war nach meinen eigenen Kriterien auch alles gut. Inzwischen bin ich jedoch in anderen Kursen darauf gestoßen, dass man genau das nicht machen soll. Lösungen sollen im Netz nicht öffentlich verfügbar sein.

Bei der dritten Aufgabe habe ich mich daraufhin daran orientiert und die Präsentation als Pdf eingereicht. Dadurch konnte die vorgelegte Lösung nach dem Abgabetermin nicht mehr abgeändert werden. Das Pdf steht aber jetzt öffentlich zur Verfügung und in diesem Fall sehe ich das auch als mein gutes Recht an. Es ist ein von mir komplett durchgeführtes und dokumentiertes Projekt. Initiiert zwar durch einen MOOC, aber wer hat ein Recht darauf? Und wer hat das Recht für eine Veröffentlichung?

Das Einstellen in meinem Blog fand ich übrigens besser und hätte ich das weiterhin getan, wäre wie bei den beiden vorherigen Aufgabenstellungen ein „Tag danach“ gefolgt, denn auch hier ging die Geschichte weiter.

An diesem Punkt merke ich, dass sich die Tür für einen Haufen von Problemen geöffnet hat, auf die ich überhaupt nicht vorbereitet bin. Auf welcher Basis erfolgen beispielsweise Zertifizierungen, wenn bei wiederholten Kursen auf jeden Fall auf Lösungen vorheriger Kurse im Netz zurückgegriffen werden kann? Irgendjemand wird sie irgendwo veröffentlicht haben! Wie kann dann individuelle Leistung tatsächlich sicher bewertet werden?

Weiteres Beispiel:

Peer-Bewertungen: Mangelhafte Peer-Leistungen kombiniert mit Mängeln im Bewertungssystem und Mängel in der Bewertung durch Peers.

Mit dem ersten Fall hatte ich schon persönlich zu tun. Ich habe kürzlich das erste Mal eine Beschwerde über das Bewertungssystem abgeschickt, zuerst durch posten im Forum, danach auf Hinweis hin durch flaggen direkt bei Coursera. Ein zur Bewertung eingereichtes Essay bestand aus vier Worten und das Bewertungssystem erlaubte mir nicht weniger als 12 von ich meine 30 möglichen Punkten zu geben. Nachdem ich alles durchgerechnet hatte, kam ich zu dem Schluss, dass jemand der/die zweimal leere Essays einreicht und alle Quizze mit voller Punktzahl abschließt (drei Versuche) den Kurs bestanden hat. Da die Essays aufwändig sind, stellte diese Tatsache für mich eine massive Schmälerung des Wertes eins Abschlusszertifikates dar. Und das war mich nicht gleichgültig.

Vom zweiten Fall war ich persönlich noch nicht betroffen, aber es kommen immer wieder Klagen über eine mangelhafte Bewertung durch Peers, ausbleibende oder nicht nachvollziehbare Kommentare und der Eindruck von zu schlechter und oberflächlicher Bewertung. Persönlich ist es mir nur passiert, dass in einem Fall abgegebene Beurteilungen im Bereich Kreativität sehr extrem auseinander lagen. Von Begeisterung bis vollkommen unkreativ. 🙂 Nun ja. Kreativität liegt im Auge des Betrachters. Ansonsten fand ich die Peerbewertungen in ihrer Gesamtheit immer hilfreich und nützlich.

Aber auch hier zeigt sich, dass Zertifizierungen unerwartete Probleme verursachen. Lernen von Inhalten allein muss jede/jeder mit sich ausmachen. Zertifizierung löst aber nicht nur das Lernen von Inhalten aus. Sogar wenn es nur um den Erhalt von Teilnahmebestätigungen geht, die vor allem dem eigenen Wohlgefühl dienen, muss ich bei mir eine Konzentration auf die Erfüllung der gewünschten Leistungen und das mit allen verfügbaren Tricks feststellen. Meine vorhandene Zeit verwende ich dann eher dafür und zusätzliches, auch mich interessierendes Lesen beispielsweise bleibt häufig auf der Strecke.

Fasse ich für mich Motivationsantrieb für Leistung in MOOCs zusammen, komme ich auf:

  • Inhalte und Präsentationsarten mit denen ich mich gerne beschäftige
  • Aufgaben, die ich interessant und/oder herausfordernd finde
  • Abschluss eines für mich interessanten Kurs mit der Bestätigung ausreichend erbrachter Leistung

In der Regel gibt es bei allen MOOCs einen Bereich des „Könnte ich noch tun wenn ich Zeit oder Bedarf habe“. Dieser führt zur Speicherung von Links und Pdfs und einer Könnte-Liste im Kopf, was aber alles sehr selten weiter genutzt wird. Meine Ausrichtung erfolgt vor allem an den oben stehenden Punkten.

Ich möchte und kann an dieser Stelle noch keine weiteren Schlussfolgerungen ziehen. Letztlich setze ich in den MOOCs meine langjährigen Gepflogenheiten selbstbestimmten Lernens fort. Es ist die Nutzung eines neues Medium auf der Basis alter Erfahrungen und Gewohnheiten. Es ist ein anderer und in manchen Bereichen erweiterter Zugang zu Wissen, Übungen, Erfahrungen, Kontakten, Anregungen, Herausforderungen. Gerade bei den MOOCs aus dem künstlerischen Bereich fühle ich mich sehr an die Möglichkeiten der Marburger Sommerakademie erinnert. Auf der Basis dieser Vorerfahrungen kann ich die Anregungen, die ich durch die MOOCs bekomme, genauso aber mit wesentlich geringerem finanziellem Aufwand und nicht beschränkt auf drei Wochen im Jahr benutzen.

Letztendlich wird für mich selbst das Bild einer lebenslangen Lernerin, die lernt weil Lernen Spaß macht und die Lebensqualität verbessert, immer deutlicher. Damit befinde ich mich in einer Position auf die Zertifizierungssysteme nicht unbedingt ausgerichtet sind, aber auch in einem Bereich für den mir Informationen fehlen. Verwertbarkeit bekommt hier eine andere Bedeutung als im beruflichen Bereich.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Verlinkung zu einer Erklärung was self-assessment ist auf der Courseraseite. Hier meine Übersetzung des ersten Abschnitts:

„Selbstbeurteilung (self-assessment) bezieht sich auf die Einbeziehung der Lernenden bei der Beurteilung ihres Lernens, besonders bei den Erfolgen und dem Resultat ihres Lernprozesses. Selbstbeurteilung ist nachhaltig prägend (formativ) indem sie zum Lernprozess beiträgt und Lernende darin unterstützt ihre Energie auf Bereiche zu richten, die verbessert werden können.

Selbstbeurteilung kann ebenso zusammenfassend (summativ) sein, entweder in dem Sinn, dass Lernende zu dem Schluss kommen, dass sie in dem von ihnen gewählten Bereich so viel gelernt haben wie sie wünschen oder, in einem formaleren institutionellen Setting, dass sie entsprechend der zu erwartenden Beurteilungen gelernt haben.“[1]

Gerade mit dem zweiten Abschnitt sind für mich beide Bereiche, die der Zertifizierung als auch des Lernens nur um des Lernens willen abgedeckt und damit der Nutzen für beides untermauert. Ich erinnere mich, dass sich auch Lehrer in diesem Spannungsfeld bewegen müssen. In dem Moment, wo ich mich als auf das reine Lernen ausgerichtete Teilnehmerin mit Anforderungen konfrontiert sehe, die Zertifizierungssysteme befriedigen sollen, kann ich mich aber nicht davon fern halten, sondern werde automatisch involviert.

Die daraus entstehenden Auswirkungen bleiben abzuwarten. Bei der Nutzung solcher Systeme wird die Lernende/der Lernende gleichzeitig zum Bestandteil des Systems und die eigenen Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten werden auf jeden Fall davon beeinflusst. Es stellt sich daher durchaus die Frage wie massiv diese Beeinflussung ist und in welche Richtung sie führen wird.

Referenz

[1] Boud D., Falchikov N. (1989). Quantitative studies of student self-assessment in higher education: a critical analysis of findings in Higher Education, 1989, Volume 18, Issue 5, pp 529-549.  Alphen aan den Rijn: Kluwer Academic Publishers. ( hosted under Springer.com)

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