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Lernen in MOOCs und Rassismus

MOOCs können eine Freizeitbeschäftigung sein und so etwas wie  Bildungsfernsehen, durch das ein Gefühl wohliger Erhöhung durch Wissenspräsentation geboten wird, aber wenn dieses Wissen später reproduziert werden soll (z.B. um einem Freund davon zu berichten) so stellt sich heraus, dass nur ein schwacher Nachhall verblieben ist und gerade einmal die Informationen erinnert werden, die am meisten herausragten.

Zwei von einer Kommilitonin gepostete Artikel (Passive MOOC studentsFlipped-learning skepticism) regen an nachhaltiges Lernen in MOOCs in den Fokus zu rücken.

In der letzten Zeit beschäftigt mich zunehmend die Frage, wie sich Lernaktivitäten gleich welcher Art erst einmal nur für mich so gestalten lassen, dass ich dabei etwas lerne das verfügbar bleibt, so dass es bei Bedarf schnell abgerufen werden kann. Letztlich ist auch dieser Blog dieser Absicht entsprungen. Auseinandersetzung,  Aufzeichnung und Anwendung zur Verfestigung. Der Blog war hilfreich und ist es noch immer, aber…es ist an der Zeit Änderungen vorzunehmen.

Bei den MOOCs merke ich dass es reicht. Masse ist keine gute Wahl. Verständlich zwar bei einem so großen Nachholbedarf wie bei mir und schlecht kontrollierter Gier, aber für das Lernen nicht hilfreich. Ich habe vieles kennengelernt, doch um es zu nutzen, muss ich es auch anwenden. Und ich muss dran bleiben. Am besten ist es dabei wenn ich Zusammenhänge zwischen Wissensbereichen erzeugen kann wie z.B. eine Verwendung meines erworbenen Zugangs zu GIMP (Gnu Image Manipulation Program) in Verbindung mit der Auseinandersetzung mit  Rassismus.

SchaumschlägerFür mich auf der einen Seite eine Übung erworbene Fähigkeiten der Bildmanipulation nicht zu vergessen, zu erweitern, zu verbessern und möglicherweise als ständiges Werkzeug in den Alltag einzubauen, auf der anderen Seite die Nutzung des für mich hilfreichen Arbeitens mit Bildern zur Informationsgewinnung und Einprägung in einem spezifischen Wissensbereich.

Ein solches Bild schafft eine Karte der Reflexion. Da sind die guten Absichten wie ein Schild an der Wand oder die Umbenennung einer Süßigkeit. Doch der Schaumkuss erweitert sich zum Schaumschlägerkuss und das Schild an der Wand ist erst einmal nur ein losgelöstes Schild.

Ob Barrierefreiheit oder Stolpersteine,  das Denken in benachteiligenden Hierarchien ist politisch nicht mehr gewünscht.

Doch ist das nicht bloß Schaumschlägerei, wird das eigentliche Denken nicht nur übertüncht und verborgen? Und ist es nicht nur eine Dominanzkultur, die sich einen anderen Anstrich gibt, damit sie weitere Kritik  Betroffener abweisen kann? Findet hier bei allem Bemühen nicht auch ein Reinwaschen vor sich selbst von denjenigen statt, die letztlich möchten dass vieles beim Alten bleibt? Wobei dieses Alte bedeutet, dass die Bevölkerungsgruppen, die über verschiedene Formen der Macht verfügen, weiterhin ihre Vormachtstellung erhalten können, während sie sich von Schuld reinwaschen (auch hier passt Schaum), aber letztlich die Art des Denkens nicht verändern, die Erscheinungen wie Rassismus entstehen lässt. Das muss noch nicht einmal eine böse Absicht sein, sondern allein die Umsetzung und Anpassung einer als selbstverständlich betrachteten Weltsicht. Schaumküsse und ohne-Rassismus-Schilder machen Erkennen und Benennen aber schwerer.

Rassismus hat auch sehr viel mit der Frage zu tun wie man Nachteile und Vorteile durch Ungleichheit in einer Gesellschaft erklärt, die in den Zeiten nach der Aufklärung alle Menschen als gleich geboren betrachtet, während die gesellschaftliche Realität sich fortwährend anders präsentiert. Dabei werden im Lauf der Zeit immer wieder Anpassungen vorgenommen wenn sich Erklärungsmodelle als unhaltbar erweisen, ohne jedoch das zugrundeliegende gesellschaftliche Stukturprinzip zu ändern.

Die Ältesten sagten früher: das war schon immer so und gingen weiter ihren Beschäftigungen nach. Nicht die schlechteste aller Lösungsmöglichkeiten. Aber dazu muss es eine sinnvolle Beschäftigung geben, die sich als Ersatz eignet.

An dieser Stelle breche ich ab. Es begann mit dem nachhaltigen Lernen durch MOOCs wofür die Verwendung des mit GIMP erstellten Bildes ein Beispiel sein sollte. Ich muss an mich als selbstregulierte Lernerin neue Anforderungen stellen, vor allem muss ich mein eigenes Lernen ernster nehmen während ich gleichzeitig aber weiterhin spiele. Denn nur der spielerische Umgang gewürzt mit Kreativität ist in der Lage mich aus alten in neue Gedankenbereiche zu führen. Spielerischer Umgang allein ist aber nicht ausreichend um Strategien zu entwickeln und durchzuhalten.

Ernster nehmen bedeutet außerdem Beteiligung, bedeutet die Einschätzung dass die eigene geäußerte Wahrnehmung auch für andere von Nutzen sein kann, dass nicht einfach bereits geschaffene Bedingungen hingenommen werden müssen wie sie sind. Ernster nehmen bedeutet Wege zur Verbesserung suchen, bedeutet Ziele zu bestimmen, bedeutet Vorstellung zu entwickeln, die über das Vorhandene hinausreichen.

Rassistisches Gedankengut ganz gleich ob aus der Sicht der Dominierenden oder der Dominierten ist auf diesem Weg ein Hindernis.

Im Anbetracht des Potentials an menschlicher Leistungsmöglichkeit das vom Rassismus der Nazis vernichtet wurde, in der Wahrnehmung was sich eine Gesellschaft an Potential raubt wenn sie fortwährend Menschen in ihren Entwicklungsmöglichkeiten behindert, bin ich bei auf eine einfache Erklärung gestoßen (ich glaube bei Birgit Rommelsbacher[1]). Die Durchsetzung der eigenen Rassenvorstellung ist wichtiger als das Potential auf das man dadurch verzichtet.

Metaphorisch: Man schneidet sich lieber das eigene Bein ab, wenn es eine schwarze Farbe hat, als mit einem Körper umher zu laufen, der die Farben des Regenbogens in sich vereinigt, auch wenn man mit diesem Körper viel besser laufen könnte als einbeinig zu humpeln. Es wird eher auf die Entwicklung hilfreicher Prothesen gesetzt, die als eigene Errungenschaft gepriesen werden können, statt das Fremde aufzunehmen, zu inkludieren und dadurch das ganze Spektrum menschlichen Potentials zu nutzen.

Eine der neuen Formen des Rassismus argumentiert mit Hierarchien eines fragwürdigen Intelligenzquotienten [2].

 

Referenzen: 

[1] Rommelspacher, B. (1995). Dominanzkultur, Texte zu Fremdheit und Macht. Berlin: Orlanda Frauenverlag.

[2] Rushton, J.P. (2005). Rasse, Evolution und Verhalten: Eine Theorie der Entwicklungsgeschichte . Graz: Ares Verlag.

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