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Lernen als auch Rassismus sind für mich immer noch große Mysterien. Darüber zu lesen, nachzudenken und zu schreiben erweitert und strukturiert allerdings das Wissen. Genauso wie darüber zu reden oder Bilder und Diagramme zu erstellen.

Gestern habe ich spontan zwei neue Dinge ausprobiert um zu Wissen zu gelangen. In beiden Fällen war ich auf die Mitwirkung anderer angewiesen und in beiden Fällen wurden es sehr interessante Erfahrungen.

 

Bezogen auf den Rassismus habe ich mein Bild Schaumschlägerküsse in einer passenden Facebookgruppe gepostet, es in den Zusammenhang mit meiner Auseinandersetzung mit Rassismus gestellt und nachgefragt ob jemand Lust auf einen Kommentar hat. Die Gruppe ist klein, hat 46 Mitglieder von denen sich nur wenige bemerkbar machen, ich habe aber von dreien Antworten bekommen, und die waren für mich höchst aufschlussreich.

Schläger, Gewalt, bitter-süß, Widerspruch, schwarz-weiß, verdeckter Mut, auf wen bezieht sich Wortspiel?, Rassisten = Schaumschläger?, wer bekommt den Kuss? kann ich dabei herausfiltern und obwohl ich zuerst dachte die anderen assoziieren vor allem offenen Rassismus dabei, merke ich beim zweiten Blick, dass die Widersprüchlichkeit schon durchgedrungen ist, die ich selbst ausgelöst durch die Betrachtung der anderen herauslese.

Mir wird klar, dass ich Symbole gewählt habe die von denjenigen stammen, die man als Antirassisten bezeichnen kann. Es ist vor allem die Frage danach wie weit Menschen, die auf der einen Seite gegen Rassismus auftreten, auf der anderen Seite vor sich selbst oder nur vor anderen verborgen rassistische Vorstellungen hegen. Mir geht es nicht so sehr um die offenen Formen des Rassismus, sondern um das was sich als selbstverständlich im Alltag verkrochen hat. Es geht um Strukturen in denen der politisch korrekt verwendete Schaumkuss mit Vorstellungen vom Wert von Menschengruppen für die Gesellschaft verknüpft ist, wobei diese Werte von der dominierenden Gruppe zu ihrem Gunsten bestimmt werden.

Laut Wikipedia orientieren sich die im Bild verwendeten Schulen ohne Rassismus an Artikel 21 der am 1. Dezember 2009 in Deutschland in Kraft getretenen Charta der Grundrechte der Europäischen Union.

„Diskriminierungen, insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung, sind verboten.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Schule_ohne_Rassismus_–_Schule_mit_Courage)

Alles unter dem Dach des Rassismus – warum? Es rührt für mich erneut an der Frage warum ich so sehr auf den Rassismusbegriff konzentriert bin.

Doch zurück zum Posten. Verwendet habe ich hier eine aus Kunsttherapie und Selbsthilfe stammende Methode des Erkenntnisgewinns durch selbsterstellte Bilder in einer internettauglichen Form. Einerseits das rein digital erstellte Bild im Gegensatz zum gemalten, gezeichneten, geklebten, andererseits die virtuelle Gruppe statt dem Kreis körperlich anwesender Menschen. Die Übertragung ist geglückt.

 

Die zweite Aktion entstand aus Unzufriedenheit mit dem Peergrading in einem MOOC. Bei zwei eingereichten Essays, die ich selbst beide ähnlich gut bewertet hatte, erhielt ich im ersten Fall unerwartet die volle Punktzahl, im zweiten Fall aber nur 19/30. Dabei war für mich nicht die von meiner eigenen Einschätzung abweichende Punktzahl das Problem, sondern die mangelnde Begründung. Inzwischen geht es mir auch bewusst um weit mehr als darum ausreichend Punkte für eine Teilnahmebescheinigung zu bekommen oder eine Auseinandersetzung mit mir selbst zu führen. Ich möchte wissen was ich gut und schlecht gemacht habe, wie mein Beitrag von anderen wahrgenommen wird. Ich möchte Feedback aus dem ich lernen kann. Nachdem die Wirkung von Feedback in einem MOOC so intensiv war, dass ich weinen musste, weil ich an dem Geschriebenen erkennen konnte wie zutreffend meine Informationen von den anderen verstanden worden waren, gehe ich mit Feedback anders um und stecke selbst mehr Bemühen dort hinein.

Ich wollte also mehr Feedback. Daraufhin habe ich kurzerhand einen Thread aufgemacht und mein Essay gepostet, die Situation geschildert und gefragt, ob jemand anderer mir ein nützlicheres Feedback geben kann. Ich habe es bekommen und nicht nur das. In dem Thread haben sich andere zu Wort gemeldet, denen es ähnlich wie mir ergangen ist und das Bild der Situation wurde immer komplexer. Vor allem wichtig aber war die Wahrnehmung dass es andere gibt, die ebenfalls mehr an sinnvollerem Feedback für ihr eigenes Lernen interessiert sind als an einer reinen Benotung nach vorgegebenen Rubriken, die teilweise auch noch schwer auf die eingereichten Arbeiten anzuwenden sind. In dem Thread entstand für mich der starke Eindruck eines geteilten Interesses.

 

Fazit: Ich habe in beiden Fällen gehandelt und genau das bekommen was ich wollte und sogar noch etwas darüber hinaus. Für mich ist es beeindruckend, das so etwas über durch das Ansprechen von Gruppen im Netz möglich ist.

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