Bildungsmäuschen

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Bildungswissenschaft an einem Tag

FernuniPNGEinmal im Jahr findet an der FernUni in Hagen ein eintägiges Seminar mit dem obigen Titel statt. Schon im letzten Jahr hatte ich mich für die Veranstaltung interessiert, und als ich vor einer guten Wochen im FU Moodle las dass noch Plätze frei sind, habe ich mich spontan angemeldet. Das Seminar begann an einem Samstag um 9.00 Uhr und endete um 16.00 Uhr.  Die Rahmenbedingungen waren für einen Tagesausflug hervorragend. Fahrtzeit von etwas mehr als zwei Stunden, Start vor der eigenen Haustüre, Stop auf dem Parkplatz  direkt vor dem Seminargebäude, keine Dunkelheit, kein Regen, keine Übernachtung, leckeres Mittagessen an der Uni.

Dieser Rahmen gestaltete sich auch so einfach wie erwartet und es blieb danach sogar noch Zeit für ein paar vergessene Wochenendeinkäufe.

Gestaltet und durchgeführt wurde das Seminar von Prof. Dr. Theo Bastiaens, der unter Studierenden als „speziell“ gilt. Für ein eingeflochtenes Spiel „Bildungswandel“ wurde er von einer Assistentin unterstützt. Persönlich habe ich Herrn Bastiaens in der Vergangenheit durchaus etwas schrill und überdreht erlebt, die Gestaltung des Seminars war das aber nicht, sondern sein Stil verwirklichte sich in der Verwendung einer Fülle von Elementen, um den Tag abwechslungsreich zu gestalten, so dass die Aufmerksamkeit der Studierenden erst in der letzten Stunde, die er aus Zeitgründen etwas zu beschleunigen schien, erlahmte.

Hier ein kurzer Überblick über verwendete Elemente:

  • Count-down mit Musik, „Let me entertain you“, zum Start des Seminars
  • Entertainmentbühne mit Sesseln, Erdnussflips, Farberläuterung  der Tischdecken und Entertainmenteinstieg mit Erfragen von Anreisezeit, Auslandsanreise, Studiengang, dazu Conchitawurst und Gesetz gegen Handys an Schulen als Widersprüchlichkeit in  ÖsterreichLeute
  • Beginn: Nachbarn zeichnen lassen, auf Verlieren des Spielerischen hinweisen
  • Wake-up call = kurze gemeinsame Aufstehen-und-Bewegen-Übung aller, mehrmals zwischendurch
  • Präsentationsmix aus Schrift, Bildern, Filmen, kurzen Vortragspassagen, Buchvorstellungen
  • Einbeziehung wechselnder Personen durch direktes Befragen auf gerade gegebene Informationen bezogen
  • Diskussionsrunde mit pro/contra Positionen zu einem konstruktivistischen Schulversuch
  • Ausfüllen und Auswerten eines Lernstilbogens nach Kolb
  • „Bildungswandel“: Rundweg über Unigelände als App-quest zur Buchstabensuche und dem AHandufrufen von Zusatzinfos über Smartphone/Tablet
  • Quiz von 20 Fragen für alle mit einer stellvertretenden Person auf der Bühne
  • Verwendung von Flipchart zur Erläuterung 4C/ID Modell
  • Verwendung einer Tablet-app (gebeamt) zur 3D Darstellung von Einkaufsprodukten (Bereich Augmented Reality)
  • Schluss: Wieder Einbindung durch Zeichnung – Hand mit zukünftigen Vorhaben, in jeden Finger eingetragen

Das ist ein Eindruck der Ebene der verwendeten Methoden. Dann gibt es aber noch die Ebene der vermittelten Themengebiete. Angegeben wurde in der Veranstaltungsbeschreibung

  • Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus, Konnektivismus
  • Lernstile
  • Didaktik, Instruktionsentwurf und Assessment
  • Mediamix
  • Transfer und Motivation

Diese Zusammenstellung gibt aber nur grob an, was alles in diesen sieben Stunden präsentiert wurde. Als ich später versuchte zu erfassen was mir hier eigentlich vermittelt worden war, erschien es mir wie eine komplexe Installation. Irgendwo gab es ein Gerüst an das Prof. Bastiaens über den Zeitverlauf Stück für Stück sehr unterschiedliche Elemente befestigte, denen selber wiederum Elemente anhingen, wodurch am Ende ein Gebilde geschaffen worden war, das meinem Eindruck von Bildungswissenschaft an der FernUni Hagen recht nahe kam, allerdings mit einem eindeutigen Schwerpunkt auf den für Herrn Bastiaens besonders wichtigen Anteilen. Mein Bild würde schon etwas anders aussehen.

Diese Schaffung eines komplexen Vorstellungsbildes hat mich sehr erstaunt. Ich bin Vermittlungsweisen gewöhnt, die wesentlich linearer sind und mir während des Prozesses mehr erlauben zu verorten wo wir uns im Gesamtablauf gerade befinden. In diese Veranstaltung bin ich eingetaucht und in den Einzelelementen versunken. Erst am Ende war dann ein detailliertes Gesamtbild entstanden, in dem anscheinend alle im Studium auftauchenden Bestandteile in irgendeiner Weise repräsentiert waren. Ein Überblick über Fülle so zu sagen.

Persönlich fühlte ich mich nach der Veranstaltung allerdings frustriert. Keine Antwort für die Baustelle Schule und eine Betonung neuer Medien, die ich in der präsentierten Form für mich zu unkritisch finde (gut, als Werbung für diejenigen die sich noch scheuen ist das sicherlich besser, hilft mir aber nix). Es blieb das Gefühl: Bildungswissenschaft hat keine Antworten für mich. So ist das aber gar nicht. Vielleicht hatte Herr Bastiaens für mich in dieser Veranstaltung keine Antworten, aber BiWi kann eben noch ganz anders angegangen werden, es können andere Schwerpunkte gewählt werden. Daher musste ich am Abend und Morgen nach der Veranstaltung auch erst einmal zu dem zurückkehren, was für mich an Bildungswissenschaft besonders wichtig ist. Wieder auf meine eigene Spur gesetzt konnte ich dann auch genießen was ich bekommen hatte: Prof. Bastiaens gelungene komplexe Darstellung seiner Sicht von BiWi an der FernUni in Hagen. Letztlich recht konstruktivistisch!

 

Als Fazit kann ich nicht entscheiden, ob ich diese Veranstaltung empfehlen soll oder nicht. Die Präsentationsart zu erleben ist auf jeden Fall interessant und die zeitliche Begrenzung auf einen Tag erleichtert sicherlich wie bei mir manchen die Teilnahmemöglichkeit (und eine für den Bachelor anerkennungsfähige Teilnahmebescheinigung gibt es noch dazu). Allerdings sollte man schon im Auge behalten können, dass es sich hier um eine Interpretation handelt, die dann wiederum von den einzelnen Teilnehmern entsprechend ihres Hintergrunds erneut interpretiert wird. Es wird immer nur ein Einblick und ein unvollständiges Bild bleiben.

Allerdings weiß ich jetzt was gemeint ist, wenn der Vorschlag für ein Hausarbeitsthemen darauf ausgerichtet ist dass eine Prognose erstellt wird, wie Lernen in 10 Jahren aussehen wird. Herr Bastiaens hat es mehr oder weniger gewagt eine mögliche Tendenz aufzuzeigen. Ob er damit Recht hat und ob auch deutsche Schulen dann diesen Anpassungsschritt vollziehen werden? Angesichts des unglaublichen Beharrungsvermögens von Schule in Deutschland frage ich mich schon wie das gehen soll. Aber wer weiß. Vielleicht sind ja die richtigen Leute mit den richtigen Methoden irgendwo richtig erfolgreich. Das wäre letztlich unterm Strich das überzeugendste Argument!

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