Bildungsmäuschen

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Rassismus und kein Ende

Nach der Einreichung der Gliederung meiner Hausarbeit zu Rassismus dachte ich jetzt sei alles gut und ich könne mein Schreiben planen. Doch dann kommt mein freundlicher Betreuer und sagt so etwas wie, ja, die Richtung stimmt, aber bitte noch tiefer, noch detaillierter, noch mehr am Beispiel oder ganz auf der Metaebene bleiben. Und dann kitzelt er mich mit dem Adornozitat „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ und stellt die Frage wie denn Bildungssysteme verändert werden können, die selbst in die angenommene Totalität von Rassismus eingebunden sind. Und diese Frage bezeichnet er als spannend!

Und jetzt würde ich am liebsten wegrennen und mich verkriechen oder irgendwo zwischen den Dimensionen Urlaub machen. Geht aber nicht, ich muss da weiter durch und das in dem Wissen, dass ich an den Strukturen nichts ändern kann, dass ich nur die Möglichkeit habe auf  die Wahrnehmung und das Verstehen von Rassismus einzuwirken, und auf diesen langen Weg ohne sichtbares Ende hatte ich mich als Ergebnis meiner Nachforschungen letztlich eingestellt.

Doch jetzt fühle ich mich erneut aufgefordert weiterzugraben und es zerreißt mich. Auf der einen Seite mein Betreuer,  Berge von Literatur sowie meine sensibilisierte Wahrnehmung, auf der anderen Seite eine Umwelt, für die das Thema Rassismus nicht wirklich von Bedeutung zu sein scheint, während dort fortwährend und tagtäglich soziale Ungleichheit mit rassistischen Inhalten reproduziert und vermutlich auch produziert wird ohne dass dieser Zusammenhang in der Regel Wahrnehmung oder Benennung erfährt. Kann ich inzwischen aber auch verstehen. Die Augen zu verschließen ist eine Methode gesellschaftliche Bedingungen erträglich zu machen. Bloß lauern dann rassistische Inhalte weiterhin unbearbeitet im Verborgenen, um als Argumente vorzupreschen wenn die Zeit mal wieder reif zu sein scheint.

Und das macht mir Angst. Latenter Rassismus ist nicht angenehm, doch wenn Argumente aussprechbar werden, dass es ohne Ausländer oder ohne die EU besser ginge mit Deutschland und dass die „anderen“ sowieso nur Schmarotzer sind, nicht fleißig und tüchtig und intelligent wie die eigentlichen Deutschen, dann wird mir gruselig. Sehr gruselig sogar.

Aus einem Kommentar irgendwo im Netz zu einer Radiosendung in der ein AfD Wähler befragt wurde:

„Definitionen von Rassismus
Rassismus zielt dabei nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe, sondern stellt deren Gleichrangigkeit und im Extremfall die Existenz der anderen in Frage. Rassische Diskriminierung versucht typischerweise, auf (projizierte) phänotypische und davon abgeleitete persönliche Unterschiede zu verweisen. Unabhängig von seiner Herkunft kann Rassismus jeden Menschen betreffen. Die Konvention der Vereinten Nationen unterscheidet nicht zwischen rassischer und ethnischer Diskriminierung. Ein erweiterter Rassismusbegriff kann auch eine Vielzahl anderer Kategorien mit einbeziehen. Menschen mit rassistischen Vorurteilen diskriminieren andere aufgrund solcher Zugehörigkeit, institutioneller Rassismus verweigert bestimmten Gruppen Vorteile und Leistungen oder privilegiert andere. Rassistische Theorien und Argumentationsmuster dienen der Rechtfertigung von Herrschaftsverhältnissen und der Mobilisierung von Menschen für politische Ziele. Die Folgen von Rassismus reichen von Vorurteilen und Diskriminierung über Rassentrennung, Sklaverei und Pogrome bis zu sogenannten „Ethnischen Säuberungen” und Völkermord.“ Quelle: Kommentar auf der Seite http://www.kraftfuttermischwerk.de/blogg/ein-afd-waehler-ruft-beim-jugendradio-an/ von Jimbo 28.5.2014

Aus dem Programm der AfD: 

„Die AfD tritt für ein offenes und ausländerfreundliches Deutschland ein und bejaht sowohl die Niederlassungsfreiheit als auch die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Unsere demographische Entwicklung erfordert eine qualifizierte Zuwanderung, durch welche die Versorgung einer alternden Bevölkerung ebenso sichergestellt werden kann wie der Bedarf der Wirtschaft an hochqualifizierten Arbeitskräften. Die Einkommen, die Sozialleistungen und die Lebensstandards unterscheiden sich innerhalb der EU stark. Das Wohlstandsgefälle zu Deutschland ist teilweise erheblich. Der verfrühte Beitritt Rumäniens und Bulgariens, in denen heute pro Einwohner nur knapp halb so viel Bruttoinlandsprodukt erzielt wird wie im Rest der EU, führt zu verstärkter Migration auf Basis der EU- Freizügigkeitsrichtlinie. Das deutsche Sozialstaatsprinzip steht daher in einem Spannungsfeld mit dem Recht der Migranten auf freie Wohnsitzwahl als Arbeitnehmer, dem Prinzip der Nichtdiskriminierung sowie der sozialen Inklusion für alle Bürger. Langfristig drohen eine Überforderung der Sozialbudgets und die Erosion des Sozialstaates.“
Quelle: http://alternativefuer.de/wp-content/uploads/2014/04/Europaprogramm-der-AfD1.pdf   28.5.2014

Aus dem Programm der Piratenpartei:

„Rassismus und kulturell begründete Diskriminierung sind nach wie vor ein gravierendes Problem, das dem friedlichen Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft im Wege steht. Gewalt und Einschüchterung aufgrund der Herkunft, Religion oder Kultur sind in jedem Fall inakzeptabel. Darum muss Rassismus und Ausländerfeindlichkeit jeder Form entschieden entgegengetreten werden, ebenso wie anderen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Biologistische Weltbilder, in denen Menschen bestimmter Abstammung anderen als von Natur aus überlegen angesehen werden, sind wissenschaftlich widerlegt und unvereinbar mit den Werten und Zielen der Piratenpartei, ebenso wie jene Ideologien, die ganzen Bevölkerungsgruppen kollektive Hegemoniebestrebungen unterstellen, um die angebliche Notwendigkeit eines “Kampf der Kulturen” zu propagieren. Beispiele für derartige Ideologien sind Antisemitismus und Islamhass. Dabei gilt es das Augenmerk nicht nur auf den rechten Rand der Gesellschaft zu legen, sondern Vorurteilen und Intoleranz auch in der Mitte der Gesellschaft beim Alltagsrassismus, latent antisemitischen Stereotypen und der um sich greifenden Islamfeindlichkeit entgegenzutreten.
Quelle: https://www.piratenpartei.de/politik/gesellschaftliche-teilhabe/migration-und-integration/#Gegen_Rassismus 28.5.2014

Ich will diese Zitate, die ich in den letzten Tagen gesammelt habe, nur durch Anstreichungen kommentieren sowie ein weiteres hinzufügen:

„Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ Heinrich Heine: Almansor, 1821

Ein etwas anderes Thema, aber das Prinzip ist das was wichtig ist. Wo hört es denn auf? Erst Wahrnehmung, dann Gedanken, dann Worte, dann Taten. Und ruckzuck bist du tot! Wenn es schon nicht beseitigt werden kann, dann muss man wenigstens versuchen es klein zu halten. Auch diese Argumentation kann ich inzwischen verstehen. Und noch unter dem Eindruck der letzten EU-Wahl ist es für mich nicht gerade einfach erneut im Rassismus tiefer zu graben. Wo Dinge nicht benannt werden, werden diejenigen die versuchen sie zu benennen leicht zu den Verursachern erklärt. Oder den Verbündeten. Oder anderweitig herausragend beteiligt. Und schwuppdiwupp ist der Sündenbock fertig. Mähh! Opfert ihn, opfert ihn und die Götter gewähren euch ihre Gnade und segnen euch mit Wohlstand und Sicherheit!

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