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Die Schwierigkeit Rassismus zu bestimmen

Weil ich festhänge und nicht weiß wie ich vorwärts kommen soll, versuche ich wenigstens meine momentane Position zu bestimmen.

Warum ist das Bestimmen im Alltag für mich so schwierig?

Zuerst bin ich ja davon ausgegangen, dass es sich um eine versteckte Form des Rassismus handelt, die mich beschäftigt, inzwischen denke ich sie ist so selbstverständlich, dass ich es mit dem „Wald-vor-lauter-Bäumen-nicht -sehen-Phänomen“ zu tun habe. Sie ist anscheinend meistens nicht bewusst, entzieht sich aber dennoch nicht der Wahrnehmung, und gewinnt dadurch einen Einfluss der gar nicht erkannt wird. Ich hangele mich suchend an Beispielen entlang.

Wenn eine Schule oder eine Kita einen Austausch mit einer Partnerschule z.B. in einem afrikanischen Land unterhält, die über weniger Ressourcen als ihre Partnerschule verfügt und es dadurch zum Sammeln und Überreichen von Spenden an die Schule mit den geringeren Ressourcen kommt, so wird das in der Regel als beispielhaft humanitär und interkulturell interessiert präsentiert. Es kann aber durchaus auch als Problem betrachtet werden.

Was für ein Bild bekommen die Kinder hier von Afrika präsentiert und in welchen Kontext wird es gerückt? Wird nur die Bedürftigkeit der Schule gezeigt und ihr Abstand zu deutschen Standards oder bekommen beide Schulen einen eigenständigen Wert? Können sich die Schulen auf einer gleichen Ebene der Möglichkeiten begegnen oder nehmen die Kinder ein hierarchisches Verhältnis wahr? Ist der kulturelle Ausdruck der einen Gesellschaft dem der anderen ebenbürtig oder nicht? Werden vielleicht sogar zu erreichende Maßstäbe gesetzt, die von den Schulen unterschiedlich erfüllt werden? Und wenn das passiert, was erfahren die Kinder dazu? Wie weit können Kita- und Grundschulkindern historische und geopolitische Auswirkungen auf den Zustand von Gesellschaften auf der Welt erklärt werden und wer vermittelt es ihnen? Und was hinterlässt bei den Kindern den stärksten Eindruck?

Im Fernsehen gibt es heute einen dieser häufig sehr pädagogisch wirkenden Spielfilme, in denen Themen von gesellschaftlicher Differenz bearbeitet werden. Heute Verschleierung und der Umgang damit. Wenn ich jetzt genau überlege, so habe in meinem ganzen Leben in der BRD noch niemals Probleme gehabt, die irgendwie mit Verschleierung zu tun haben. Ich bin tagtäglich mit Menschen unterschiedlicher Migrationsgeschichte konfrontiert und habe dadurch eine Menge zwischenmenschlicher Erfahrungen, aber mit Verschleierung haben sie in meinem Fall alle nicht zu tun. Ich höre nur immer wieder davon, dass Verschleierung ein Problem sei. Vergleiche ich das was mir vermittelt wird und was ich erfahre, so bekomme ich den Eindruck, mir soll etwas eingeredet werden.

Und wo sind die faulen Ausländer, die mich bedrohen und mir Arbeitsplatz und soziale Absicherung stehlen wollen? Nun, ich will jetzt nicht aufführen was ich statt dessen kenne und dabei bleiben, dass ich den Eindruck habe etwas eingeredet zu bekommen. Ich soll Kopftuch tragende Frauen als problematisch wahrnehmen, ich soll mich von Ausländern bedroht fühlen und ich soll sie als minderwertige Menschen sehen, die aus Ländern kommen die nicht so toll sind wie Deutschland (und es auch gar nicht sein können, da ja nur Deutschland toll ist), um uns auszunehmen wie Weihnachtsgänse. Ist es nicht eher anders herum? Wer nimmt denn beispielsweise seit Jahrzehnten sehr oft die Jobs, die andere nicht wollen?

Ich bin diese Lügen leid und kann sie doch so oft nur so schwer erkennen. Ich hänge fest und soll Konkretes benennen und es rutscht mir durch die Finger

„Es ist schön, dass sie das für uns tun“, bekomme ich an meinem Arbeitsplatz zu hören, aber uns schließt mich nicht ein.

Rassismus bedeutet auch Ausschluss durch Einschluss. Ihr könnt für uns arbeiten und uns unterstützen, das freut uns auch sehr, und eine kleine Belohnung gibt es auch. Aber ihr seid nicht im inneren Kreis, ihr seid nur unsere Hilfskräfte und wenn wir euch nicht mehr brauchen, dann könnt ihr wieder gehen. Das ist nicht euer Leben, das ist nicht euer Staat, das ist nicht eure Arbeit, das ist nicht euer Besitz. Ausschluss in der Funktionalisierung.

In den Zeiten nach Erklärung der Gleichheit aller Menschen erfordert Ungleichheit Rechtfertigung. Gut wenn man schon mal eine Vorsortierung auf Grund ausschließender Kriterien vornehmen kann. Leseschwach, lernschwach, leistungsschwach, förderungsbedürftig, mangelhaft häuslich unterstützt, zugeordnet zu Lerngruppen mit angemessenem Anforderungsniveau, selektiert zum eigenen Wohl.

Es ist besser ihr geht dahin wo ihr hin passt. Ist doch auch besser für euch. Und schon sind es wieder weniger, die in den Startlöchern stehen und um die guten Plätze rennen.

Rassismus ist eine Möglichkeit um beiden Seiten zu erklären, warum Menschen eben nicht gleich sind und warum die einen die guten Plätze verdient haben, die anderen eben nur den Abfall oder gar nichts. Und um zu erreichen, dass beide Seiten dieses auch noch glauben oder zumindest Zweifel an ihrer Weltbetrachtung entwickeln, wenn sie dann doch mal auf die Idee kommen Forderungen nach Änderungen zu stellen.

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