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Rassismus und Lehrerausbildung

Grübelnd über die Struktur meines Hausarbeitsthemas mit Vogelgezwitscher im Schatten liegend, zischt mir der Gedanke in den Kopf doch einmal zu Rassismus und Lehrerausbildung zu googeln und ich werde sofort in erstaunlicher Weise fündig. Es gibt einige Seiten die dieses Thema aufgreifen, unter anderem GEW, Bildungsklick, Schule ohne Rassismus und NERAS (Netzwerk Rassismus an Schulen). Die Informationen auf den Seiten sind vergleichsweise jung, meist von 2012 und 2013, und erstaunlicherweise finde ich den durchgehenden Tenor, dass dieser Bereich kaum erforscht ist und es kaum Wissen darüber gibt. Weder scheint das Thema Rassismus an der Schule in der Lehrerausbildung verpflichtend zu sein, noch gibt es Untersuchungen zur politischen Einstellung von Lehrern.

Es gibt wohl antirassistische oder rassismuskritische Schulungsprogramme, die werden aber am ehesten von Menschen mit Migrationshintergrund oder Rassismuserfahrungen besucht und weniger von denen, die es möglicherweise viel eher nötig hätten über diesen Bereich und seine Dimensionen mehr zu erfahren. Erstaunlich!

Kein Wunder also, dass ich alleine vor mich hingrübeln muss und keine Ahnung habe wo ich meine Belege herbekomme und mal wieder unter dem Eindruck stehe ein Händchen für exotische Themen zu haben. Wenn ich allerdings von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen kann, so wird es über kurz oder lang auch für andere interessant werden. Individuell exotisch erscheinende gesellschaftliche Themen fallen in der Regel nicht zusammenhangslos vom Himmel. Sie ergeben sich aus gesellschaftlichen Vorgängen und manchen Menschen fallen sie eben ein wenig früher auf als der Mehrheit. Daher heißt es dranbleiben!

Wenn es also stimmt, dass Rassismus an der Schule in der Lehrerausbildung kaum Beachtung findet, dann wird es in meinen Augen Zeit dass dies geschieht. Die Texte von denjenigen, die sich mit rassismuskritischer Bildungsarbeit beschäftigen verweisen ebenfalls darauf, dass dieser Bereich nach wie vor gemieden wird. Muss das so bleiben? Rassismus ist nicht an Rechtsextremismus gebunden, aber Rechtsextremismus ist immer rassistisch. Leider weiß ich nicht mehr wo das steht, ich leihe es mir dennoch aus. Was hat das für Implikationen? Der Rassismus im Rechtextremismus und Nationalsozialismus erfordert keine besondere Beachtung, weil er nicht spezifisch dafür ist? Weil er dort nur etwas extremer gehandhabt wird?

Ich vermute, an dieser Überlegung ist eine ganze Menge dran. Etwas, das man nicht tatsächlich ablehnt, von dem man denkt, dass nur dessen Übertreibung nicht sinnvoll oder schicklich ist, wird man nicht aus Überzeugung angehen sondern im Konfliktfall herunterspielen. Ich denke, genau so haben es viele Leute nach dem zweiten Weltkrieg gehandhabt. Sie haben ihr Denken oder auch nur ihre Sprache oder Handlungen gezügelt, kontrolliert oder nur im Privaten verwendet, aber sie haben kein Wissen darüber erworben, was es mit dem Rassismus eigentlich auf sich hat. Rassistische Äußerungen können dann heruntergespielt, nicht einmal wahrgenommen oder als etwas anderes als rassistisch eingestuft werden. Genau das erscheint mir eine logische Erklärung. Und genau da hinein wachsen Kinder und übernehmen diese Haltungen von den Erwachsenen und halten sie für selbstverständlich wenn sie nicht im Widerspruch zu den Erfahrungen aus ihrer Umwelt stehen.

Und Lehrer sind in diesem Punkt wie normale, pädagogisch ungeschulte Menschen. Ohne ein gezieltes Aufdecken können sie ihre ganz normalen, alltäglichen Haltungen in die Schule tragen und dort in einer rassistischen Weise agieren, weil sie es als normal und unproblematisch empfinden! Rassistische Argumentationen stehen ihnen dann zur Verfügung um mit schulischen Problematiken umzugehen, und sie können rassistische Maßstäbe zur Beurteilung und für den Unterricht von Schülern verwenden, ohne dass ihnen klar ist was sie da tun. Das was gesellschaftliche Bedingungen aus Menschen gemacht haben, bestätigt dann die schon vorhandenen rassistischen Vorstellungen und diese blockieren eine unbefangene Wahrnehmung der Schüler und der Situation.

Ich spekuliere hier nur in der Kombination meiner Vorerfahrungen mit meiner Auseinandersetzung mit Rassismustheorien. Was mir fehlt sind die Beweise. Etwas erscheint ganz offensichtlich, aber wie belege ich das nachvollziehbar und überprüfbar? Ich denke, ich werde noch eine Weile den Sonnenschein genießen, den Vögeln lauschen und meinen Gedanken nachhängen. Manche Dinge lassen sich nun einmal nicht erzwingen.

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