Bildungsmäuschen

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LdL und die Jigsaw Methode

Vor einer Weile habe ich mich einmal mit kulturellen und Bildungsveranstaltungen beschäftigt bei denen es einen Vortragenden gibt und am Ende vor allem Klatschen und höchstens die Gelegenheit zum Nachfragen. Weil ich so etwas inzwischen unbefriedigend finde, habe ich einmal genauer hingeschaut und mir ist dabei aufgefallen, dass diese Veranstaltungen nicht auf Partizipation ausgerichtet sind. Im Publikum kann ein Experte oder eine erfahrene Person sitzen und niemand erfährt etwas davon und von deren Fähigkeiten. Konfrontiert mit Strukturen bei denen immer wieder die Gleichen die Positionen vorne einnehmen, stellt sich bei mir Langeweile ein. Ich möchte andere Stimmen hören, ich möchte Vielfalt erleben, ich möchte selber einen Beitrag leisten und meine eigenen Kenntnisse mit denen anderer austauschen und mehr über die Menschen erfahren, die mit mir teilnehmen.

Inzwischen habe ich gelernt, dass ich partizipatorische Strukturen suche. LdL hat sich zu meiner Überraschung als so etwas herausgestellt. Ich hatte dabei ursprünglich nur die stärkere Aktivierung aller im Kopf, die ein nachhaltigeres Lernen ermöglicht, aber ein LdL das Raum für die spezifischen Interessen im Themenrahmen und die spezifische Umsetzung der Darstellung und Vermittlung für alle einzeln bietet, gibt gleichzeitig auch Raum für eine andere Wahrnehmung der Anwesenden.

Auch hier stellt sich die Machtfrage. Existieren andere als partizipatorische Strukturen, weil die Verantwortlichen aus ihrer Position einen Gewinn für sich und ihr Selbstwertgefühl ziehen und partizipatorische Strukturen für die einen zwar Teilhabe, für die anderen aber Machtverlust bedeuten? Mal abgesehen davon, dass Wissen nicht mehr als exklusiv präsentiert werden kann, wenn sichtbar wird, dass alle über Wissen verfügen? Oder sind es einfach nur Gewohnheiten und ein Mangel an Vorstellungsmöglichkeiten möglicherweise auf beiden Seiten?

Zufällig stolpere ich dann auch noch über die Jigsaw-Methode bei der LdL als mögliche Methode erwähnt wird. Hierbei bearbeiten Gruppen gemeinsam ein Thema in der Form, dass alle in der Gruppe aufeinander angewiesen sind. Diese Methode wurde bezeichnenderweise mit dem Hintergrund sozialpsychologischer Untersuchungen dafür entwickelt, um Probleme zwischen Schülern unterschiedlicher Herkunft zu verringern. Als Effekte der Anwendung werden Erhöhung des Selbstbewusstseins, Abbau von Vorurteilen, Übernahme von Verantwortung oder kooperatives Lernen genannt.

Ich habe nun leider wenige Kenntnisse dazu welche Methoden an Schulen inzwischen gebräuchlich sind, bin aber in anderen Zusammenhängen in der Regel nicht mit partizipatorischen Lernstrukturen konfrontiert. Dominierend ist der Macher oder die Macherin, die den Teilnehmern Rollen zuweist, in denen sie auf die Anbietenden konzentriert bleiben. Lässt diese Konzentration nach und die Teilnehmenden sind allein aufeinander angewiesen, bricht der Lernfluss häufig zusammen. Lernen findet nur unter Anleitung statt und wird kaum selbstständig fortgeführt.

 

Warum mache ich mir nun die Mühe mich mit diesen Themen auseinanderzusetzen? Weil es wichtig ist, dass Menschen sich gegenseitig in ihrer Vielfalt wahrnehmen. Weil Statistentum langweilig ist. Weil jeder Mensch ein kompetentes Wesen ist. Weil wir mehr gegenseitigen Respekt brauchen. Weil es wichtig ist, dass wir die Gelegenheit haben die anderen um uns herum als individuelle Personen kennen zu lernen. Weil jede/r einzelnen sich weiter entwickeln können soll, damit sich die Gesellschaft so weiter entwickelt, dass sie möglichst für alle ein glücklicher Ort werden kann. Noch ganz schön unausgegoren! Wichtig ist dabei die Annahme, dass Strukturen nicht so bleiben sollten wie sie sind und auch nicht müssen, nur weil sie gewohnt sind. Wohin soll die Reise aber gehen und mit welchen Fahrzeugen?

Was für eine Gesellschaft wollen wir und was für Menschen sollen darin leben? Wollen wir Hierarchien und Unterordnung ohne Einflussnahme? Wollen wir Ausgrenzung und Segregation? Wollen wir Partizipation lernen und gegenseitigen Respekt? Wollen wir Teilhabe und Ideen von vielen? Was wollen wir und was sind dann die geeigneten Mittel um den Weg zu beschreiten um das zu erreichen?

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