Bildungsmäuschen

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Modul 3E und die bildungswissenschaftliche Perspektive

In lauer sommerlicher Nacht wispern unter meinem Fenster die jungen Leute als sie sich verabschieden und veranlassen mich mein Bett in der ersten Morgendämmerung umhüllt von ausgiebigem Vogelgezwitscher zu verlassen. Noch immer ist Pfingsten und als ich meinen Rechner hochgefahren habe, landet ein Feed von Aaron Paquette in meinem Postkasten, der sich mit der verrinnenden Zeit beschäftigt. Er erinnert mich an eine anderen Beitrag von Dunkelmunkel der gestern Abend in der Post landete zum Thema Tod und ich bin etwas verwundert ausgerechnet zu Pfingsten mit solchen Themen konfrontiert zu sein. Aber Dunkelmunkel hat den Post in der Rubrik Leben veröffentlicht und auch Aaron Paquette geht es letztlich um das Leben: das Leben in der Auseinandersetzung mit seinem Ende bestimmen und erfahren.

Ich habe dagegen als meine Pfingsterleuchtung bloß die bildungswissenschaftliche Perspektive im Kopf. Es gibt Studierende an der FernUni Hagen, die Probleme mit dem Fernstudium haben, und es gibt dabei wiederum Studierende der Bildungswissenschaft, denen das Modul 3E, Soziale Konstruktion von Differenz, Probleme bereitet. Es gibt nun verschiedene Arten darauf zu reagieren, z.B.

  • Anderes Modul wählen
  • Sich beschweren und eine bessere Betreuung einfordern
  • In sozialen Netzwerken darüber schimpfen und diskutieren
  • Darüber bloggen
  • Die Schuld auf sich nehmen und verzweifeln
  • Die Zähne zusammenbeißen und versuchen irgendwie durchzukommen
  • Versuchen Moodle durch Beiträge und gemeinsame Diskussionen zu beleben
  • Erst einmal was anderes tun
  • Darin stecken bleiben und länger als gedacht für die Bearbeitung brauchen
  • Studium aufgeben

Einer der Versuche besteht aus der gemeinsamen Bearbeitung der Frage, was eine bildungswissenschaftliche Perspektive eigentlich ist und zwar in Moodle vom Modul. Immer wieder werden wir im Zusammenhang mit unseren Hausarbeiten und Ausarbeitungen darauf verwiesen die Untersuchungsgegenstände aus diesem Blickwinkel zu betrachten und immer wieder fragen sich Studierende was sich dahinter verbirgt, denn der Begriff scheint schwammig und schlecht festlegbar und auch im Netz lässt sich nicht einfach eine Definition von bildungswissenschaftlicher Perspektive finden.

Im Verlauf der Auseinandersetzung in Moodle und auf sozialen Netzwerken hat sich für mich allerdings recht schnell ein Ergebnis gezeigt, das mich momentan zufrieden stellt. Den Ausschlag gab letztlich ein Link einer Kommilitonin zu einem Video mit Prof. Jansen von der Fernuni in Hagen.

 

Zuerst einmal das was schon vor Anschauen des Videos klar und vom Lehrgebiet bestätigt wurde: Bildungswissenschaftliche Perspektiven können auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen entwickelt werden (Makro-, Meso- und Mikroebene).

Dann: Der Forschungsgegenstand von Bildungswissenschaft sind menschliche Lern- und Entwicklungsprozesse und deren bestmögliche Unterstützung.

Die bildungswissenschaftlich Perspektive ist ein Blick auf menschliche Gesellschaft und setzt sich dabei aus zwei Elementen zusammen, die in einem dialektischen Verhältnis zueinander stehen und zusammen gedacht werden müssen.

  1. Konzepte und Methoden, die Lern- und Entwicklungsprozesse von Menschen unterstützen können.
  2. Wahrnehmung und/oder Beschreibung der Wirklichkeit

 

Während mir der erste Punkt gut abgrenzbar und bestimmbar erscheint, ist es der zweite Punkt auf den die Schwammigkeit zurückzugehen scheint.

Wirklichkeit ist als eine Konstruktion zu denken, daher müssen wir als Hintergrundtheorie unserer Betrachtung die theoretische Erklärung finden, die für uns als spezifische Person am plausibelsten erscheint. Dabei besteht eine Abhängigkeit von

  • unserer eigenen Lebenswirklichkeit,
  • unserem Erfahrungshintergrund,
  • der Zeit in der wir leben
  • und unseren Überzeugungen.

BildungswissPerspektiveAußerdem kommen jeweils spezifische Theorien zur Verwendung, die für einen bestimmten Untersuchungsgegenstand am besten geeignet erscheinen. Diese Theorien können dabei aus allen wissenschaftlichen Bereichen stammen, die für den Untersuchungsgegenstand von Interesse sind. So ergibt sich  ein individuell gestaltbarer sowie bedarfsorientierter Theorieraum, der mit dem Forschungsgegenstand von Bildungswissenschaft, den menschlichen Lern- und Entwicklungsprozessen, verbunden wird.

Was also zuerst schwammig erschien, wird in der Reduktion klarer. Wir können die Wirklichkeit, da sie eine Konstruktion ist, nicht ohne Berücksichtigung unsrer eigenen Person betrachten. Wir sollten auch keinen Theoretiker verwenden ohne einen Blick auf seine spezifische Einbettung zu werfen. Erst durch die Betrachtung von Zusammenhängen werden Positionen verstehbar.

Meine Strategie ist es rumzunörgeln, mir die Verantwortung zuzuweisen eine Lösung für mich zu finden, meinen Blog zu nutzen an Dinge heran zu kommen und dabei offen für einen Austausch mit anderen zu sein. Diese Mal war die Strategie erfolgreich. Ich habe dank der Mithilfe der anderen eine Vorstellung von der bildungswissenschaftlichen Perspektive entwickelt.  Es wird sich zeigen, ob dies bei der Bewältigung des Moduls hilfreich ist.

Nachtrag am 2.12.2014:

Bevor es in Vergessenheit gerät und weil es an dieser Stelle als Ergänzung passt: Bei meiner mündlichen Prüfung wurde mir vermittelt, dass ich als Bildungswissenschaftlerin Perspektiven für eine Veränderung aufzuzeigen habe. Im Bereich der Soziologie oder Philosophie darf ich etwas nur beschreiben und rumnörgeln wie schrecklich alles sei. Als Bildungswissenschaftlerin darf ich dabei nicht stehenbleiben. Die bildungswissenschaftliche Perspektive ist die Perspektive der Veränderung. Sie ist auch die Perspektive des Lernens und Lehrens und wenn es dann nur das Bemühen um Aufklärung ist. Bildungswissenschaftler sind Handelnde. Rolf Arnold bezeichnet „Pädagogik als eine Lebenslauf- und Veränderungswissenschaft“  [1]. Und in genau dieser Formulierung deutet sich die bildungswissenschaftliche Perspektive an.  Beschreibung, Analyse, Untersuchung oder was auch immer, aber danach ein Aufzeigen wohin die Reise gehen kann.

Und das ist es was mich daran glücklich macht. Ich habe die Erlaubnis fundierte Visionen zu entwickeln und Vorschläge zur Veränderung zu machen. Dafür untersuche ich, dafür beschäftige ich mich. Nicht um einen Ist-Zustand festzuschreiben, sondern um immer darüber hinausgehen zu können.

Referenz:

Arnold, R. (o.A.). Überlegungen zu Emotionen und Narration im Kontext des Lernens mit „Neuen Medien“. In Giessen, H.W.(2009). Emotionale Intelligenz in der Schule. Unterrichten mit Geschichten. Weinheim: Beltz. Seite 27.

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2 Kommentare

  1. Danke für Deinen Nachtrag. Ich habe die Prüfung im September vor mir und genau der Punkt der Bildungsperspektive macht mir etwas Bauchweh. Aber ich werde es irgendwie hinkriegen. Ich geh davon aus, dass Du unterdessen das Studium beendet hast?

  2. amirabai sagt:

    Nein, mein Studium habe ich noch nicht beendet. Bei der Recherche im Zusammenhang mit der BA bin ich stecken geblieben und stecke immer noch fest. Inzwischen seit weit mehr als einem Jahr. Im Februar bin ich bei einer PV einer Frau begegnet, der es etwas ähnlich wie mir ergangen ist. Es gibt immer noch mehr zu lesen und nachzudenken.
    Ich denke, ein wenig ist es auch eine Problematik von Älteren, die ihre Perspektive ändern. Es gibt so viele Erinnerungen und alte Gepflogenheiten, die alle durchgegangen werden können, so viele Aspekte, die auch beachtet werden sollten.
    Es gibt viele Gründe für ein Studium und der Rahmen der FernUni ermöglicht es ganz gut bei den eigenen Interessen nachzuforschen, wenn man eigenständig vorgehen kann.
    Ich bin nicht so ganz glücklich über die Entwicklung und hätte die BA am liebsten schon gestern fertig, bin aber auch nicht unzufrieden, da ich für mich sehr wichtige Erkenntnisse gewonnen habe.

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