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1974

Wenn man unter meinem Geburtsnamen googelt, findet man zwei Artikel aus dem Zeit-Archiv von 1974. Die sind aber nicht von mir. Ich weiß schon lange dass sie dort sind, und sie tauchen bei Suchanfragen nach meinem Namen auch seit Jahren ganz weit oben auf. Sie verschwinden nicht in den Tiefen des Netzes wie andere Beiträge die mal kurze Zeit top sind und dann auf Nimmerwiedersehn versinken.

Nach Jahren ist es mir endlich eingefallen. Das war ein Mann aus einer anderen Kleinstadt, bei der ich lange Jahre dachte sie sei nur ein Dorf mit Bahnhof, der hat unter meinem Namen auf Jugendseiten veröffentlicht, weil er sonst dort keinen Zutritt bekam. Es war eine merkwürdige Zeit und damals gab es skurrile Gestalten. Ich glaube die meisten die irgendwie anders waren, hatten einen massiven psychischen Schaden  spezifischer Art. Er hat mich nicht verstanden und nach seinen merkwürdigen Vorstellungen interpretiert und ich wusste nie so recht was er eigentlich von mir wollte, hatte aber auch nie einen Grund etwas gegen ihn zu unternehmen. Glaube ich zumindest. Aber wer weiß. Irgendwie sind da dunstige Erinnerungen an irgend etwas anderes. Er war da und war merkwürdig. Er wollte schreiben, lebte bei seiner Mutter, war sehr viel älter als ich und irgendwie überall deplatziert. Ich bin diesem Menschentypus schon lange nicht mehr begegnet.

Merkwürdig waren damals viele. Wenn ich genau überlege, dann waren es die meisten. Es war die Zeit wo Leute in unserer Region begannen sich zu befreien. Aus dieser unglaublichen Dunkelheit und Enge. Aus diesem Mief. Wo die Schwulen und Lesben gebrandmarkt waren oder deformiert durch das Leben zu dem sie verbannt waren, wo die Drogen manchen ein Ausweg schien, der viele davon das Leben gekostet hat. Erst kürzlich ist wieder einer an den verzögerten Folgekosten gestorben.

Wenn ich mich daran erinnere, dann wird mir so richtig gruselig. Wir hatten ein demokratisches Grundgesetz und Menschen denen der Faschismus tief in den Knochen steckte. Ich will dort niemals, niemals mehr hin zurück. Ich will überhaupt nicht an irgendeinen Punkt der Vergangenheit. Am liebsten hätte ich es sowieso wenn das alles endlich enden würde. Diese ganze Menschenfeindlichkeit in all ihren Facetten.

Wenn ich an diesen Mann denke, dessen Artikel unter meinem Namen im Netz hängen, dann greifen finstere Gespenster aus der Vergangenheit nach mir. Entnazifiziert. Nein, diese Dörfer und Kleinstädte wurden nicht entnazifiziert. Sie durften dort ihre bösartige, gehässige, menschenverachtende Denkweise weiter betreiben. Sie mussten nur ein bisschen schweigen lernen und anders formulieren. Die Welt haben sie aber noch genauso gesehen. Wir sind besser und haben mehr Rechte und alles Fremde hat sich unterzuordnen, anzupassen oder hat zu gehen. Sonst wird es bis zum Letzten schikaniert.

Und genau so haben sie es eingerichtet. Und so haben sie ihre eigenen Kinder behandelt. Die passenden und die unpassenden. Ohne Reflexion. Überzeugt.

Ich mag diese Feste nicht wo sie Altertümliches zelebrieren. Diese Vergangenheit sollte abgeschüttelt werden und überwunden, nicht verklärt und verherrlicht.

Die Artikel im Netz gemahnen mich. Mach deine Augen auf und schau genau hin. Was ist noch immer da und nicht verschwunden und wie lässt es sich beseitigen, damit es niemals mehr einen Menschen quälen kann.

Schau ganz genau hin! Und lerne es mit den richtigen Worten zu benennen!

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