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ADHD und der Normalisierungsdiskurs

Momentan befinde ich mich in der Phase Rassismus für mich genauer gegen andere Erscheinungen abzugrenzen. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit im Rahmen eines Elterncafés an dem primär auf seinen Erfahrungen und eigenen Einschätzungen beruhenden Vortrags eines der lange Jahre praktizierenden Kinderärzte meiner Heimatstadt teilnehmen zu können. Er ist anscheinend auch einer derjenigen, die jetzt im Ruhestand ihr erworbenes Wissen für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Auf so etwas stoße ich übrigens in den letzten Jahren häufiger. Das Thema war ADHD bzw. die ähnlichen Bezeichnungen einer Erscheinung, die im Zusammenhang mit dem Normalisierungsdiskurs betrachtet wird.

Persönlich gehe ich von Schlüsselerlebnissen in meiner frühen Kindheit aus, bei denen ich prägend erfahren habe wie meine gesellschaftliche Position von den anderen festgelegt wurde. Wulf D. Hund [1] schreibt, dass im Hexenhammer eine rassistische Diskriminierung der Frauen betrieben wurde. Dieser Zusammenhang bestätigte mir gestern endgültig, dass meine Wahl des Rassismus als Erklärungsansatz für die Strukturen, die mich beschäftigen, die richtige war. Ich wurde in der Kindheit mit der Hexe und der Zigeunerin assoziiert und auch wenn ich weder das eine noch das andere war, prägte es meine Selbstwahrnehmung und die spätere Suche nach Identifikationsmöglichkeiten entscheidend. Beides sind rassistisch konnotierte Positionen. Daher stammt meine spezifische Empfindlichkeit für die Thematik.

Als ich ein Kind war, wurde noch nicht versucht mich zu normalisieren. Die Nazizeit war noch dicht und die Vorstellungen davon geprägt, dass ein Mensch eben etwas anderes ist, wenn er oder sie nicht passt und nicht mit Zwang passend gemacht werden kann. Das andere war in meinem Fall minderwertig, allerdings gewürzt mit den Angst erzeugenden Aspekten der möglichen, nicht einschätzbaren verborgenen Macht. Erst in meiner Jugend entwickelte ich Ängste vor dem zwangsweise Angepasst-werden. Die absoluten Horrorfilme meiner Jugend und jungen Erwachsenenzeit waren „Einer flog übers Kuckucksnest“ und „Die Frauen von Stepford“ (die alte Version). In beiden Filmen geht es um die gewaltsame Anpassung von Menschen durch ihre Zerstörung an die von den Machthabenden geforderte Vorstellungsbilder.

Normalisierungsbemühungen und Zuordnungen zu rassistischen Kategorien erscheinen mir wie Bewegungen die vom gleichen Punkt ausgehen und in entgegengesetzte Richtungen das Problem von Vielfalt zu ordnen versuchen. Momentan scheint mir das auch der Kern der ganzen Sache. Beides ist ein Umgehen mit Vielfalt. Das eine Mal durch die Verwendung von Abgrenzung und Ausschließung, das andere Mal durch die Verwendung von zwangsweiser Anpassung.

Kein Fazit.

 

Referenzen:

[1] Hund, Wulf D. (2002). In Irmtrud Wojak ; Susanne Meinl , Grenzenlose Vorurteile (pp. 17-40) . Frankfurt am Main: Campus Verlag. S.30 Im Netz: http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/wiso_dwp_soz/Hund/Rasse.pdf

 

Interessante Links:

http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/wiso_dwp_soz/Hund/Rasse.pdf

http://www.wulfdhund.de/rassismusanalyse/

https://uni-hamburg.academia.edu/WulfDHund

 

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