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Konstruktion von Wirklichkeit

Ich will mir jetzt nicht die Mühe machen den Pfad zurückzuverfolgen auf dem ich gestern von gewonnener Sicherheit über die Bedeutung von Rassismus im Kontext von Schule zu einer vollkommenen Auflösung gekommen bin. Wichtig ist dass ich meine Darstellungsfläche erneut gelöscht habe und wieder mit einer leeren weißen Fläche beginne. Der Aspekt auf den sich meine Aufmerksamkeit momentan richtet ist die Konstruktion von Wirklichkeit. Überall tritt er plötzlich hervor. Rassismus basiert auf einer Konstruktion von Wirklichkeit, ebenso Schule und Lehrinhalte. Im Alltag beobachte ich seit längerem bei verschiedenen Gruppen wie sie ihre Wirklichkeit konstruieren, auch wenn ich dem erst im Augenblick diesen Namen gebe. Es sind Gruppen in denen die einzelnen Menschen in der Gruppe in unterschiedlicher Weise und Stärke an dieser Konstruktion beteiligt sind. Und diese Gruppen schaffen sich damit ihre spezifischen, aber unterschiedlichen Wirklichkeiten.

Gut, damit bin ich dann anscheinend bei der Wissenssoziologie und Peter L. Berger und Thomas Luckmann angelangt, deren Name ich schon gelesen habe, über die ich aber sonst nichts weiß. Oder vielleicht doch? Ich beschreite also den Weg erst einmal die Wikipedia für einen ersten Eindruck zu konsultieren und bin über diese Möglichkeit sehr froh. Ich muss keine umfangreiche Bücherei zur Verfügung haben, ich stehe nicht wie in meiner Jugend allein mit meinen Gedanken an einem Abgrund, ich gebe Konstruktion von Wirklichkeit ein und werde fündig. Und kann dann das was ich dort finde mit meinen eigenen Gedanken vergleichen und weiter recherchieren und weiter denken. Hätte ich diese Möglichkeit in meiner Jugend zur Verfügung gehabt, ich hätte weniger gedacht dass ich spinne. Das hätte mir viel Leid und viele Zweifel ersparen können. So sind aber diese Möglichkeiten des Internets wenigstens jetzt extrem wertvoll für mich.

Im öffentlichen Raum meiner unmittelbaren Umgebung wird scheinbar nicht in dieser Weise gedacht und hinterfragt. Ich hatte es schon längst aufgegeben mich zu äußern und irgendwann habe ich auch aufgehört differenzierter zu denken und mich angepasst. Gefühlt ist es die Informationsfülle des Netzes, die mich wieder hervorlockt und mir Sicherheit gibt. Auch wenn ich alle diese Menschen nur selten direkt sehe, ich kann die von ihnen aufgezeichnete Gedanken lesen!

Interessant ist es in diesem Zusammenhang welche Konstruktion von Wirklichkeit sich weshalb durchsetzt, wie weit sie in gemeinsamer Kommunikation erzeugt wird, wer dabei bestimmend ist und wer vielleicht gar nicht gehört wird. Wie weit Wirklichkeit in Reaktion auf andere Gruppen konstruiert wird, wie weit sie Machtverhältnisse legitimiert, dass es in einer Gesellschaft gleichzeitig ganz verschiedene Gruppen gibt, die sich auf verschiedene Konstruktionen der Wirklichkeit geeinigt haben und daran arbeiten sie zu erhalten, indem sie fortwährend diskursiv angepasst werden.

Und nachdem ich jetzt diese Zusammenfassung zu  Peter L. Berger und Thomas Luckmann gelesen habe, denke ich nur noch: Ach du meine Güte! Was für Schlussfolgerungen ziehe ich denn nun daraus auf den Rassismus bezogen? Ich lebe in einem Geflecht von Wissenskonstruktionen wo es weder richtig noch falsch gibt, wo Macht eine große Rolle spielt aber auch Zufall, wo Lebensorientierungen keine Verbindlichkeit besitzen können, wo Prozesse von Aushandlung und Durchsetzung eine wesentlich größere Rolle spielen als Wirklichkeit, die in ihrer Komplexität sowieso nicht wahrgenommen werden kann. Wo Rassismus ein gewünschtes Mittel sein kann, gegen das als Argument wirklich nur noch die Existenz anderer Werte vorzubringen ist und deren Festlegung in allgemein verbindlichen Regelwerken, die aber nur solange gültig sind, wie sie von einer signifikanten Gruppe akzeptiert werden. Und damit bin ich mittendrin innerhalb gesellschaftlicher Wirklichkeit und kann alle Ideale erst einmal in die Tonne klopfen.

Und eigentlich wollte ich doch nur so eine kleine popelige Hausarbeit schreiben…

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