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Rassismusvisualisierungen

Ich habe bisher noch keine eigene Visualisierung von Rassismus gemacht, wird vielleicht langsam mal Zeit. Bisher äußere ich mich nur zu denen von anderen, wenn ich etwas nicht stimmig finde, auch als Übung für mich, um besser das Ergebnis all meiner Recherchen bestimmen zu können.

Auch heute tauchte auf Facebook wieder eine auf, die das Verständnis, das ich inzwischen gewonnen habe, so gar nicht trifft, gleichzeitig aber die Vorstellungen bedient, die mich in der Vergangenheit dazu bewogen haben Rassismus nicht als mein Problem einzustufen. Ich habe die Darstellung in ihrem Aufbau mal nachgestellt. RassismusÜberschrift: „Rassismus ist kein Spiel“. Zu finden auf der Seite „Laut gegen Nazis“. 

Tja – und was ist jetzt das Problem? Da ist eine einzelne schwarze Figur in der Mitte zwischen vielen weißen. Im Original ist die schwarze Figur scharf, die weißen unscharf. Es stellt ganz gut dar wie sehr Menschen mit dunkler Hautfarbe zwischen einer Mehrheit von Menschen weißer Hautfarbe auffallen. Das wird zu einem salienten Merkmal. Das legt nahe, dass Rassismus die Abwehr desjenigen oder derjenigen mit der im Kontrast auffallenden Hauttönung ist.

Gut, ja, das ist Rassismus, aber Rassismus ist noch viel umfangreicher. Die traditionelle nationalsozialistische Rassevorstellung sieht beispielsweise eher so aus, dass da ein Männlein steht, das ist der Typus der höchsten Rasse, und viel tiefer stehen andere Männlein, durchaus auf unterschiedlich hohen Ebenen. Da wird auch nicht nur nach Schwarz und Weiß unterschieden, da werden unterschiedliche Werte und unterschiedliche Verwertungsmöglichkeiten für Menschen bestimmt, bis hin zur gänzlichen Vernichtungsnotwendigkeit. Und das drückt umfangreicher das aus was in die bundesrepublikanischen Vorstellungswelten eingeflossen ist, während sich der Blick vor allem auf den Antisemitismus richtete, Rassismus zu einem mit moralischem Verhalten zu begegnendem Problem wurde und seine Vorstellungsbilder aus dem internationalen Rassenkonflikten zwischen Schwarz und Weiß speiste.

Der alte Rassismus hat dadurch weiter gewuselt, dabei aber den Namen gewechselt oder wurde gar nicht mehr benannt. Was heute als Alltagsrassismus von Betroffenen beschrieben wird, hat auch Wurzeln in diesem Pool von rassistischem Wissen darüber wer dazugehört und wer fremd ist, was den Fremden ausmacht  und was ihm oder ihr zusteht und was eben nicht. Und dieses Wissen ist Bestandteil der vielen kleinen Elemente aus denen sich die über Sozialisation weitergegebenen Vorstellungen von gesellschaftlich konstruierter Wirklichkeit zusammensetzen.

Es wäre sinnvoll Rassismus in der BRD neu und anders als in der Vergangenheit zu thematisieren. Rassistisch denken und handeln können ganz gewöhnliche Menschen. Da muss keine rechte Gesinnung dabei sein. Und es muss auch keine moralische Verfehlung sein, sondern kann allein die Reproduktion von Vorstellungen sein, die als ganz normal empfunden werden, denn sie wurden als normal erlernt, so dass nur die Opfer eine Problematik darin sehen und vielleicht sogar nur dann, wenn sie sich selbst nicht oder nicht mehr in der Rolle der Ungleichen sehen, sondern ein Bewusstsein dafür haben, dass ihnen die gleiche Behandlung, Achtung und Ansehen zustehen wie denjenigen, die keinen Hinweis auf eine mögliche fremde Herkunft an sich tragen.

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