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Minimalistinnen

Momentan bin ich beschäftigt und nehme mir nur wenig Zeit für Kommunikation. Ab und an werfe ich jedoch einen Blick auf Beiträge anderer und ab und zu blitzen dabei auch die Minimalistinnen auf. Gerade heute mal wieder. Ich habe momentan zu wenig Zeit zu beschreiben wie viel mein Leben damit zu tun hat, aber ein Aspekt dabei juckt mich schon. Er heißt: Wer wenig hat, ist wenig wert. 

Mit dem Minimalismus und seinem Wert ist das nämlich so eine Sache. Mal ein Beispiel: Ich trage Kleidung die ich liebe manchmal bis sie zerfällt. Das kommt aber nicht gerade gut an. Mit reparierter oder alter Kleidung signalisiere ich Minderwertigkeit. Nicht das Wohlfühlen in Kleidung oder der sparsame Gebrauch wird als Wert gesehen, sondern der Mangel, die Abweichung von einer Wirklichkeit der massenhaft verfügbaren Billigkleidung. Noch nicht einmal so etwas kann ich mir leisten? Was bin ich denn für eine? 

Ich hab kein Smartphone, meine Lebensführung macht es auch kaum sinnvoll. Warum also die Ausgaben und die Pflege? Doch das wird nicht betrachtet, sondern ich werde als technisch rückständig eingestuft. Ich habe kein Haus, nur eine Wohnung. Ich habe es daher in der Region in der ich lebe zu nichts gebracht. Man kann unökonomisch allein in einem Haus wohnen, dessen Platz man gar nicht nutzen kann, darum geht es aber eben nicht. Es geht um den Status, den mir die Verfügung über Gegenstände und ihr Herzeigen geben. 

Das ist ein Problem, das im Minimalismus enthalten ist. Minimalismus riecht nach Armut und Armut ist in heutigen Zeiten schlecht. Denn Armut deutet auf Leistungsunfähigkeit hin, das Nichterfüllen eines Werts, den spätestens die Schule in die Köpfe füllt. Leistung zeigt den Wert des Menschen in der Rangordnung und Verfügung über Ressourcen ist ein Indiz für Leistungsfähigkeit. Wer etablierte Standards unterschreitet streift nicht nur den Bereich der Freiheit, sondern gerät auch in den Verdacht der Minderbefähigung. 

Minimalismus ist sicherlich schon von daher eine Kunst. Es ist der Weg eine Balance zu finden. Die Aussage klar nach außen zu transportieren: Es geht hier um mehr, auch wenn es wie weniger erscheint. Es bedeutet aus dem Vollen schöpfen zu können, aber es nicht tun zu müssen. Es bedeutet bewusst zu leben und bewusst zu wählen. Irgendwie wird Minimalismus dadurch zu einem Luxuszustand und ist kein Weg der Armut. Zumindest nicht bezogen auf Vorstellungen von erzwungener Armut. In gewisser Weise entsteht hier eine Verbindung zwischen Minimalismus und den Vorstellungen freiwilliger Armut in Gesellschaften mit entsprechenden religiösen Werten. Weniger hat auch dort die Bedeutung von mehr und ehrt den Menschen, der oder die diese Wahl für sich trifft.

Ich denke, ich sollte weiterhin ab und an Blicke auf den Minimalismus werfen. Ich finde es schwierig den Unterschied zu kommunizieren. Ich finde es schwierig Standards zu unterschreiten und dabei nicht in den Verdacht der Leistungsunfähigkeit und Minderwertigkeit zu geraten. Aber genau da liegt ein Problem. Wenn ich haben muss und haben muss, um dadurch zu belegen, dass ich leisten kann was andere auch leisten können, und dabei auch noch mit einem auf ständiges Wachstum ausgerichteten Gesellschaftssystem konfrontiert bin…meine Güte. 

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2 Kommentare

  1. Barbara sagt:

    Ich sehe das Problem nicht im Minimalismus, sondern im Materialismus:

    Der Materialismus stellt einen Zusammenhang her zwischen Leistung, Selbstwertgefühl und Haben. Je mehr ich leiste, desto mehr kann ich haben, desto mehr bin ich wert.

    Das ist für mich das Erfüllende am Minimalismus: Aus dieser Spirale aussteigen und schauen: Was brauche ich eigentlich wirklich? Und dies bewusst zu wählen.

    Minimalismus ist Fülle, nicht Sparsamkeit.

    Dies als Kurz-Impuls zu deinem Text.

    Es ist ein interessantes Thema, vielleicht hast du damit etwas „angestupst“ – als Idee für einen neuen Beitrag. Oder eine Blogparade? (Schiel zu Dörte …)

    Herzlich

    Barbara

  2. toberg2 sagt:

    egal welcher -mus. es ist ein gesellschaftliches, psychologisches, bildungs-problem.
    aber eins steht fest: als frau hast du es da nochmal schwerer, als ein mann.

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