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Teaching for Learning 7 – Erste Woche

Im letzten Jahr bin ich durch mein Interesse an Lerntheorien auf eine Kursreihe angeboten als xMOOCs gestoßen, von der ich heute die erste Woche des siebten Teils beendet habe. Dieses Mal geht es darum was es bedeutet als Lehrer professionell zu sein.

Durch die Reihe habe ich einen Eindruck von der Vorstellungswelt und den Aufgaben von Lehrern an Schulen bekommen. Im Zusammenhang mit einem Studium der Bildungswissenschaft und seit vielen Jahren mit Schule konfrontiert eine sinnvolle Aktion. Gleichzeitig habe ich durch die Art der Zusammenstellung eine Menge über Vorstellungen aus dem Bereich des Commonwealth zu Schule erfahren, da jeder Kursteil in der Verantwortung von Lehrenden aus unterschiedlichen Commonwealthländern besteht. Die Kursreihe soll insgesamt drei Mal angeboten werden, dann ist sie beendet. Auf der Coursera-Platform gehört sie zu den „Specializations“, also Reihen, bei denen bei einer Bezahlung eine besondere, betreute Abschlussarbeit vorgesehen ist.

Nachdem zwischen Kurs 6 und Kurs 7 eine Sommerpause lag, merke ich nach dem Neustart, dass ich mir die Auseinandersetzung auf dieser Ebene nicht ausreicht. Der Kurs ist sehr anwendungsorientiert und war wohl ursprünglich konzipiert, um als Lehrer arbeitenden Menschen im Commonwealth, die aber über keine oder nur eine unzureichende pädagogische Vorbildung verfügen mit entsprechenden Informationen auszustatten und einen Austausch untereinander zu initiieren. Beim momentanen Kurs ist die Forenbeteiligung bisher gering, es lässt sich wenig Reaktion auf Aufforderung zum Austausch und zur Diskussion feststellen.

Die erste Woche geht darauf ein was eine Profession ausmacht, was für Erwartungen von Seiten der Gesellschaft an Lehrer gerichtet werden, welche Bedeutung der Lehrer für das Outcome der Schüler hat und versucht Selbstreflexion anzuregen durch die Frage nach den eigenen Gründen Lehrer zu werden. Dabei werden internationale Forschungsergebnisse dazu präsentiert, was Lehrer am meisten zufrieden und unzufrieden macht. Zusätzliche Texte stehen diese Woche nicht zur Verfügung, allerdings Links zu einigen Videos und Netzmaterialien.

Dieses Mal bin ich unterm Strich vom Angebot enttäuscht. Wirklich Neues findet sich für mich nicht und das präsentierte Lehrerbild, die Rollenvorstellung ist für mich beklemmend traditionell. Kritische Töne sind vorhanden, aber gering. Es wird davon ausgegangen, dass nach den Hattie-Studien die Qualität der Lehrer an Schulen den größten Unterschied für Schüler bedeutet. Also ist es logisch, dass hier ein dafür geeignet erscheinendes Lehrerbild entworfen wird. Allerdings finden sich für mich im Kurs keine ausreichenden Belege, warum gerade das Entworfene diese Funktion am besten übernehmen kann.

Betont wird die professionelle Ausbildung und professionelles Handeln, es werden Gründe für die Berufswahl angeschnitten, aber auch hier findet nur eine unzureichende Problematisierung statt. Wesentlich geringer jedenfalls als ich das in der letzten Zeit im deutschen Kontext erlebt habe. Die Studierenden werden auch mit Listen von Erwartungen an Lehrer konfrontiert, die aber nicht kommentiert, sondern der eigenen Bewertung überlassen werden. Eine davon führt bei mir zu massiven Beklemmungen. Im Diskussionsforum findet sich dazu allerdings nur ein Beitrag, der den Inhalt aber nur als eine Wiederholung von Selbstverständlichkeiten sieht und anzweifelt, dass es sinnvoll ist etwas so Selbstverständliches so ausführlich darzulegen. Ich empfinde die Vorgaben als zu idealistisch, zu festlegend, zu wenig Raum lassend und zu sehr als überlastenden Anforderungskatalog formuliert. Nach einem Tag Abwarten ob sich noch jemand anders sich dazu äußert, stelle ich mutig meine Bedenken ein.

Dieses Mal habe ich alles sorgfältig und in Ruhe durchgelesen und mich mit den Anforderungen und dem Syllabus des Kurses im Vorfeld vertraut gemacht. Ich habe auch die Anfangsumfrage ausgefüllt und mir den letzten möglichen Termin für die Feedbackbefragung notiert. Ich bin auf alle vom Kurs an mich herangetragenen Anforderungen eingegangen und habe auch mein physisches Portfolio der Kursreihe wie empfohlen weiter gefüllt (e-portfolio wäre auch in Ordnung). Das Quiz wurde mit voller Punktzahl beim ersten Versuch ohne Nachschauen bestanden, d.h. von meiner Seite habe ich dieses Mal alles getan, wozu der Kurs angeregt hat. Arbeitsaufwand bisher ohne Blogdokumentation 6:15 Stunden, zusammenfassende Aufzeichnungen während der Videos inklusive. Das bedeutet 27 mit Bleistift schnell beschriebene Collegeblockseiten anhand derer ich die Inhalte der Kurse später rekapitulieren kann. Eigene ergänzende Anmerkungen und kleine angeregte Aufgaben sind inklusive.

Ich bin mit meiner Arbeitsweise inzwischen sehr zufrieden. Mitzuschreiben gerade bei englischsprachigen Videos hilft mir den Inhalt besser zu erfassen. Er rauscht weit weniger an mir vorbei. Auf die Aufzeichnungen selbst kann ich später zurückgreifen, auch wenn die Materialien nicht mehr im Netz zur Verfügung stehen. Für die Kurse sind immer zwei themenbezogene Essays erforderlich. Um dazu nachlesen zu können, haben sich die Aufzeichnungen auch als geeignet herausgestellt. Halte ich Ordnung, bekomme ich beim Durchblättern meiner handschriftlichen Seiten schnell wieder einen Überblick.

Allerdings, wie geschrieben, bringt der Inhalt dieses Mal nicht wirklich etwas Neues. Diese Darstellung des Lehrerberufs kann mich nicht vom Hocker reißen, sie ist einfach zu traditionell und zu wenig kritisch. Allerdings bestätigt sich dadurch meine Studienwahl. Bildungswissenschaft hat eine andere Ausrichtung als eine Lehrerausbildung und genau das begrüße ich. Ich bin sehr froh, dass ich zu kritischen Fragen angeregt werde, dass ich selbstverständliche Dinge in Frage stellen darf, dass ich keinen obskuren Rollenvorstellungen entsprechen muss, und dass ich nicht gesellschaftliche Anforderungen zu erfüllen habe, die anzuzweifeln nicht meine Aufgabe ist. Im Angesicht dieses Kurses erscheint mir die Freiheit, die ich bei meinem Studium habe, nur noch beglückend. Ich kann solche Rollenvorstellungen anwenden, aber ich muss es nicht. Ich kann sie hinterfragen, kann es wagen ganz anderer Konzepte zu entwickeln, wenn ich will.

Es kann natürlich sein, dass sich der Kursinhalt noch ganz anders entwickelt, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ich benutze das Ganze für einen Themenüberblick, das empfinde ich als für mich nützlich, und ich beabsichtige auch weiterhin die Reihe mit einer Bescheinigung erfolgreicher Teilnahme abzuschließen (es fehlt ja nicht mehr viel).

Insgesamt hat mir der Kurs geholfen besser zu verstehen, womit ich es beim schulischen Lernen zu tun habe, wie eine Sichtweise, die sich weltweit verbreitet hat, Lern- und Lehrvorstellungen prägt. Noch während keinem der Kurse der Reihe habe ich mich so sehr als Studierende der Bildungswissenschaft und damit als etwas anderes gefühlt. In gewisser Weise hilft mir diese Kursreihe stärker zu erkennen, was eigentlich Bildungswissenschaft im Vergleich zu einem vorbereitenden Studium für das Unterrichten an Schulen ausmacht.

Weiterhin wichtig für mich ist die bewusstere Herangehensweise an den MOOC und die gezielte Fortführung bewährter Strategien und ihre Beobachtung. Ich werde später die Unterlagen noch einmal rekapitulieren, auf eventuell offene Fragen Antworten suchen und damit die erste Woche beenden.

Die Textlänge, die inzwischen entstanden ist, entspricht übrigens inzwischen ziemlich genau der Maximallänge der erforderlichen Essays. Diese beträgt 700 bis 1000 Worte.

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