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Einführung in die Programmierung mit Python bei HPI, Ende der dritten Woche

Mein gesamter Arbeitsaufwand für den Kurs betrug diese Woche etwa 12 Stunden und ich habe am Ende auf der Fortschrittsanzeige überall 100% erreicht. Ich bin allerdings frustriert.

Einerseits ist mir zu viel unklar geblieben, zu häufig musste ich bei der Lösung der Aufgaben auf Ausprobieren und Unterstützung der Foren setzen, bei der letzten Aufgabe sogar meinen Telefonjoker einsetzen, um meinem Fehler auf die Spur zu kommen, statt dass ich zu einer ausreichenden Grundlage von Einsicht und Verständnis gekommen war. Vor allem aber bin ich vom Kursdesign enttäuscht. Für mich selbst ist es jetzt klar, dass die Verständnisprobleme nichts mit der verwendeten natürlichen Sprache zu tun haben. Gleich ob Englisch oder Deutsch, die Probleme auf die ich in Programmierkursen getroffen bin sind zu ähnlich.

Bei den Foreneinträgen fand sich der Beitrag einer Person, die sich als Schüler der achten Klasse bezeichnete und genau das was ich auch dachte formulierte. Der Schwierigkeitsgrad des Kurses steigt von der zweiten Woche zur dritten und dort von der ersten Übungsaufgabe zur zweiten zu schnell an. Das Material der Lectures reicht für einen sanften Anschluss nicht aus und Anfängern wird der Weg nicht leicht gemacht. Dieser Schüler äußerte, dass ihn der Kurs bei hoher Anfangsmotivation demotiviert hat. Er hat Programmieren nicht als eine erfreuliche Tätigkeit erfahren, die er gerne fortsetzen möchte.

Und das ist der Punkt an dem mich der Kurs vor allem frustriert. Ich möchte für Programmieren keine Kurse, die Anfänger nachhaltig abschrecken, ich möchte Kurse, die Anfänger motivieren und ihnen den Weg erleichtern.

Ich vermute die Problematik dahinter, dass sich die Unterrichtenden nicht in die Lage der Anfänger hineinversetzen können. Was für sie klar erkennbar ist, bleibt Anfängern ein Rätsel. Hätte ich kein Vorwissen gehabt, ich hätte die Gesamtheit der Übungsaufgaben nicht in einem vertretbaren Zeitrahmen lösen könne. Auch wenn die Lösungen, einmal gefunden, dann letztlich sehr simpel wirkten. Gut, für ein Bestehen des Kurses ist es nicht notwendig alle Aufgaben zu machen. Einen bestimmten Anteil zu schaffen reicht. Eine Quelle für Frustration kann das dennoch sein.

Ich kann mir den Kurs in Zusammenhang mit Präsenzunterricht vorstellen. Begleitet von einem Lehrer oder Tutor, aufgepolstert mit zusätzlichen Informationen und Übungen die Zwischenschritte darstellen, mit der Möglichkeit sich Aufgabenstellungen anders erläutern zu lassen, just-in-time Informationen, wenn sie benötigt werden. Möglichkeiten, die auch an Präsenzunis zu finden sind. Die Personen, die allein online lernen, bleiben benachteiligt. Ich muss an den Matthäus-Effekt denken. Ja, wir können teilhaben, besser als gar nichts, aber diejenigen, die bereits mit der wenigsten Unterstützung im Rücken starten, bleiben diejenigen, die bei ihren Problemen auch die wenigste Unterstützung haben.

Bei meinen ersten Kursen hat die Begeisterung darüber überhaupt Zugang zu Unterricht und Informationen zu haben überwogen. Inzwischen stelle ich aber andere Fragen. Die Forenbeiträge waren ähnlich schwer verständlich wie bei englischsprachigen Kursen. Manche Teilnehmer können gut erläutern, viele aber eben nicht. Viele Beiträge beziehen sich auch auf andere Probleme als bei einem selbst auftreten, Lösungsansätze sind sehr unterschiedlich und können häufig kaum verglichen werden. Bei den englischsprachigen Kursen wurde funktionierender Code sehr schnell gelöscht, bei diesem Kurs sind die Regeln entweder weniger streng oder die Foren geringer überwacht. Aber auch eingestellter funktionierender Code muss nicht bei den eigenen Überlegungen weiterhelfen und erfordert häufig schon beträchtliches Vorwissen.

Kurz, der Verweis bei Unklarheiten die Foren zu nutzen greift in meinen Augen zu kurz, auch wenn ich diese Woche froh war das Material erst am Ende des Zeitraums bearbeitet zu haben, als sich schon viele Beiträge zum Nachlesen in den Foren fanden. Die Ansätze und Probleme der anderen haben mir geholfen in die richtige Richtung zu denken. Aber letztlich ergibt sich diese Notwendigkeit erst aus der Art des Kursdesigns.

Ich hätte mir mehr überleitende Übungsaufgaben gewünscht. Bei einem Spieleprogrammierkurs an dem ich teilgenommen habe, gab es dafür beispielsweise einen optionalen Bereich. Oder ein Wiki zum erweiternden Nachlesen, abgestimmt auf den Kurs. Und diese Woche eine Ausdehnung des Materials über einen längeren Zeitraum. Der Arbeitsaufwand ist von Woche zu Woche gestiegen. Für jeden, der den Kurs in einen schon vollen Zeitplan packen will, ein Problem. Also auch für vielbeschäftigte Schüler. Ich persönlich hatte diese Woche nicht mit dem Zeitaufwand gerechnet, der dann notwendig wurde, und letztlich habe ich meinen ganzen Sonntag mit dem Kurs verbracht. Bei meiner Lebensführung konnte ich anderes dafür zwar liegen lassen, so flexibel ist aber nicht jeder und jede. Die Aufgaben sind in der Zeit zwischen Montag 8.00 Uhr und dem nächsten Montag 22.00 Uhr zu lösen, also ein relativ enger Rahmen. Wird es in einer Woche eng mit der frei verfügbaren Zeit, kann eine fristgerechte Einsendung zum Problem werden. Auch wenn es nicht notwendig ist alle Aufgaben einzusenden, bleibt dennoch das Gefühl es nicht geschafft zu haben, nicht genug gelernt zu haben.

Es gibt Schwierigkeiten, die helfen beim Lernen. Hier finden sich Schwierigkeiten, die es erschweren, und das Potential von Demotivation haben. So sollte E-Learning nicht sein. Das ist weder für das Format noch für den Inhalt förderlich. Und es ist auch nicht förderlich für eine Demokratisierung des Zugangs zu Wissen.

Für mich persönlich ist es das zweite Mal, dass ich Personen mit geringen Kenntnissen von MOOCs einen Kurs empfohlen habe und diese Empfehlung im Nachhinein bedauere. Ich befürchte sie sind jetzt so abgeschreckt, dass sie dieses Format nicht so schnell wieder testen werden. Dadurch wiederum werde ich vorsichtiger mit meinen Empfehlungen. Außerdem werde ich erneut erinnert, in einer welch einer benachteiligten Situation sich Personen befinden, die sich ihre Bildungsmöglichkeiten selbst zusammenstückeln müssen. Am Ende dieser Woche bleibe ich mit einem schalen Gefühl zurück.

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4 Kommentare

  1. birkenkrahe sagt:

    Ich bin wieder einmal für deine ausführliche Beschreibung deiner #MOOC Erfahrung sehr dankbar: das Management der Wochen-Übergänge, sowohl was Kommunikation, als auch Niveau betrifft, ist wichtig. Ich habe das bei einigen anderen Kursen auch gemerkt. Du bist ja sehr eingeklinkt und nimmst dir viel Zeit: das kann man sicherlich nicht bei allen Teilnehmern voraussetzen – und dann werden diese Hilfsstrukturen umso wichtiger. Ich selbst bin zurzeit kein vorbildlicher online Student: allerdings auch nur Zaungast bei (zu vielen) Kursen. Wenn ich das Kursziel wirklich erreichen würde wollen, würde ich mich genauso hineinhängen wie du – Ziel 100 %. Für „reife Studenten“ ist das im übrigen, glaube ich, typisch, diese „wenn schon – denn schon“ Haltung. Oder verständlich: stärkeres Bewusstsein der verstreichenden Lebenszeit; viele vergleichbare Erfahrungen in der Vergangenheit; mehr Erfahrung im Umgang mit sich selbst, was funktioniert und was nicht, usw. — Und was dein Bedauern in Bezug auf das Weiterempfehlen anbetrifft: die Reaktion anderer kann man ohnehin nicht wirklich einschätzen, gerade bei online Erfahrungen. MOOCs sind und bleiben herausfordernd und brauchen, in der gegenwärtigen Phase der Entwicklung dieses Lern- und Wissensfeldes, Nutzer mit erhöhter Fehlertolerenz und geringerer Frustrationsempfindsamkeit…nochmals danke und weiterhin viel Erfolg!

  2. amirabai sagt:

    Ich habe auch Kurse bei denen ich nur mal vorbei gucke oder die ich nicht fortführe. Aber bei Themen die mich sehr interessieren, hänge ich mich auch sehr rein. Wenn ich zurückblicke scheint mir das eher für mich typisch als vom Alter abhängig. Außerdem studiere ich zur Zeit Bildung. Da liegt es nahe die eigenen Erfahrungen auch als Studienobjekt zu benutzen. Weiterhin bin ich über die digitalen Möglichkeiten die ich über mein Studium während der letzten Jahre entdecken konnte sehr froh. Ich lebe nicht in einer Region mit einfacher Verfügung über vielfältige Bildungsangebote. Ich studiere nicht an einer Präsenzuni. Ich bin über alles froh was in meiner Situation einfach verfügbar ist und worüber ein Minimum an Kommunikation möglich ist.
    Das nur als weiter Erklärungsmöglichkeiten. Ich bringe mich mehr mit einem Bildungshunger aus dem ländlichen Raum in einen Zusammenhang und einer Verfügung über begrenzte finanzielle Ressourcen. 🙂
    Und – ich blogge, weil ich dabei lerne. 😉

  3. Oliver Tacke sagt:

    Ich bin auch in dem MOOC dabei, um ggf. einem Kollegen besser helfen zu können. Der Kurs ist einfach nur gruselig gemacht…

  4. amirabai sagt:

    Gruselig? Ganz so extrem finde ich es nicht. Ich habe allerdings einen Fernstudium-Hintergrund und dadurch möglicherweise ein anderes Vergleichssystem. Ziemlich alleine, sich selbst überlassen…

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