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WS 14/15 – meine gefühlt vierte Woche

Ich wache voller Wut auf. Das ist das Ergebnis meiner nächtlichen Verarbeitungsprozesse zur wöchentlichen Halbzeit. Gestern habe ich wohlgemut mit den Lectures und Programmieraufgaben der letzten, der vierten Woche des HPI Kurses Spielend Programmieren Lernen begonnen und dabei es ist das erste Mal passiert, dass ich eine Aufgabe erst einmal abgebrochen habe, weil ich nicht in der Lage bin sie allein auf der Basis der Lectures zu lösen. Dabei geht es um ein Konzept, das ich noch nicht aus vorherigen Pythonkursen kenne und das ich einfach nicht nachvollziehen kann, weil es dafür nirgendwo Erklärungen gibt. Wie soll ich aber eine Funktion eigenständig verwenden, wenn ich nicht verstehe wie sie arbeitet?

Den Ausschlag für meinen Unmut gibt dann allerdings eine Aufgabe die ich lösen kann, deren Einsendung aber wegen der Zeichensetzung in den Antworteingaben als fehlerhaft markiert wird. Alles nur weil da steht: „Verwende als mögliche Antworten Deines Programms…“ und dann folgen die möglichen Antworten. Ich denke mir, mögliche Antworten bedeutet, dass sie auch anders formuliert sein können, es stellt sich aber heraus, dass hier die einzig möglichen Antworten gemeint sind. Die automatisch generierte Antwort auf mein funktionierendes Programm lautet dann:

Dein Programm ist leider falsch: Wenn 1 geraten wurde, soll die Ausgabe „Zu klein“ lauten. Dein Programm schreibt aber Zu klein.

Ich schaue mit großen Augen darauf und verstehe zuerst nichts. Die Anführungszeichen sind nicht gemeint und erst nach einer Weile wird mir klar, dass ich meinen Satz „Zu klein“ ordentlich mit einem Punkt beendet habe. Das wird von der Software nicht akzeptiert. Ich nutze meinen Telefonjoker um mich darüber aufzuregen und bekomme die Sachlage vernünftig erklärt.

Inzwischen bin ich aber empfindlich geworden. Es gibt didaktisch hervorragend gestaltete Kurse. So etwas geht. Den parallel belegten MOOC Teaching for Learning 7 empfinde ich so und darin wurde diese Woche dann auch noch zeitgleich vermittelt, dass Schüler gut lernen können, wenn sie sorgfältig und nachvollziehbar erklärt bekommen, was sie eigentlich tun sollen. Und auch der Studienbrief aus dem Modul 3B des BiWi-Studiums der FernUni, den ich ebenfalls parallel bearbeite, ist entsprechend aufgebaut. Er erläutert ganz genau was er tut, wie er aufgebaut ist, was er thematisiert, wo seine Grenzen liegen und wo weitere Informationen zu erhalten sind. Der Studienbrief ist ein zum Selbststudium geeignetes Lehrbuch. Und ich sitze jetzt hier in diesem Programmierdesaster und muss auch noch den Dank eines 62jährigen für den hervorragend gestalteten Kurs lesen. Zum Glück finde ich aber auch Stimmen mit denen ich mich weit besser identifizieren kann und die mir nicht als Hohn erscheinen.

Ich habe den Ehrgeiz alle Aufgaben fristgerecht zu lösen und das werde ich auch versuchen. Dazu werden aber die im Kurs zur Verfügung stehenden Materialien nicht ausreichen. Inzwischen stehen für die ersten zwei Wochen Musterlösungen zur Verfügung und darin  finden sich ohne Erläuterung die Kürzel „&lt;“ und „&gt; „. Ich bin ihnen bisher nur in den Foren hier begegnet, erläutert wurden sie mir noch nirgends und erst in einem Hilfeforum irgendwo im Netz finde ich eine Beschreibung dafür. Sie stehen für die Symbole <(less than) und >(greater than). Ist es selbstverständlich so etwas zu wissen? Muss ich so etwas bereits wissen? Muss ich wegen so etwas nachfragen? Dieses Beispiel ist für mich symptomatisch für mein Erleben dieses Kurses. Es werden Dinge vorausgesetzt, die in meinen Augen nicht einfach vorausgesetzt werden können, die das Verständnis nicht fördern und zusätzliche Recherchen notwendig machen, wodurch sich der Zeitaufwand erhöht.

Immer auf die harte Tour. Warum? Schülerstimmen, die ich lese, scheinen es zu akzeptieren, dass sie sich irgendwie durch Trial and Error und Nachfragen durchwurschteln müssen. Warum? Nur die Harten kommen in den Garten? Je größer die Herausforderung desto größer der Lohn? Erkundendes Lernen? Ich bleibe dabei, erst einmal mit Wut weiter zu machen. Ich habe mein ganzes BiWi-Studium auf Grund von Wut begonnen. Hier ist für mich etwas ganz und gar nicht in Ordnung und ich finde nicht, dass ich Schuld daran trage. Ich bin nicht zu blöd, ich habe genug Voraussetzungen, ich habe mich genug bemüht – warum also bleibt der Stoff in einigen Teilen so unverständlich, so wenig nachvollziehbar?

In diesem Augenblick verbinden sich meine BiWi-Inhalte erneut mit dem was ich selber erfahre und meine Motivation für das Verstehen des E-learning Anteils des Studiums steigt. Eine seltsame Art die eigene Motivation zu erhöhen…

Nachtrag: Inzwischen gibt es ein von Teilnehmern erstelltes Glossar als piratepad mit Befehlen und anderen nützlichen Informationen zum Nachschlagen, mir fehlen noch vier Aufgaben, davon drei der letzten Schwierigkeitsstufe der letzten Woche und inzwischen kann ich meine Aufgaben nicht mehr testen, da möglicherweise die Server nach 7.30Uhr überlastet sind.  Dafür ist meine Wut aber weniger geworden und irgendwo tauchte die Bemerkung auf, dass wir möglicherweise doch die Beta-Tester sind. Es ist immer schön sich nicht allein zu fühlen und Überschriften lesen zu können wie: „Aufgabe 4.4.3 seit 10 Stunden und immer noch keine Lösung in Sicht // Verzweiflung“. Geteiltes Leid ist eben doch immer wieder halbes Leid!

Und jetzt habe ich auch noch eine Aufgabe, die nicht richtig funktioniert als richtig markiert bekommen… Verzweiflung nimm mich in die Arme!

Und irgendwie macht es dann doch wieder Spaß…

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2 Kommentare

  1. wir nannten früher sowas „Brachialdidaktik“ …

  2. amirabai sagt:

    Wieder was gelernt! 🙂

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