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Lernblog in 3B

Als begleitendes Dokumentationstool zu unserem Praktikum steht mir seit gestern ein von FernUni-Seite eingerichteter Blog auf Basis der WordPress-Software zur Verfügung. Es war ein etwas eigenartiges Gefühl fast die gleiche Software in einem Unirahmen zu finden wie „in der freien Wildbahn“. Ein wenig musste ich mich neu orientieren, dann habe ich den Blog so schnell wie möglich individualisiert und einen eigenen Begrüßungstext geschrieben.

Und nun wartet dieser Blog. Worauf? Ich weiß es nicht wirklich. Es ist nicht „mein“ Blog. Es ist eine Aufgabe, deren Regeln mir bisher nicht wirklich klar gemacht werden konnten. Damit stehe ich nicht allein.

Ich möchte auf dem Blog nicht über den Blog selber schreiben.

Das Lehrgebiet hat in den letzten Wochen nicht gerade damit geglänzt einen lockeren Umgangston zu etablieren und den Kommunikationsstil empfinde ich als sehr formal. Das übertrage ich nun auf den Blog. Und als der erste Kommentar die Gestaltung meines Blogs lobte, sich aber nicht auf die Absicht bezog wofür der Blog eingerichtet ist, hat sich in diesem Kontext meine Abwehr gegen eine bestimmte Art der Blogbenutzung  gesteigert. Da vermischen sich Ebenen, die ich nicht vermischt haben möchte. Dazu fällt mir ein, dass ich den Unterschied manchmal sehr erstaunlich finde, der zwischen dem lockeren Stil besteht in dem sich Kommilitoninnen auf einer sozialen Plattform über eine Angelegenheit äußern, im Vergleich zu dem formalen Stil den sie dann im Unibereich verwenden. Manchmal wirkt es als hätte ich mit verschiedenen Personen zu tun.

Diese Trennung hat aber sehr wichtige Gründe.

Ich möchte bei einem recht formalen Umgangston des Lehrgebiets und einer wahrgenommenen Distanz gegenüber den Studierenden möglichst wenige emotionale Aspekte auf dem Blog einfließen lassen. Distanz bedeutet für mich auch emotionale Distanz. Im ersten Moment als der Blog zusätzliche verpflichtende Leistung wurde habe ich mich gefreut, hatte den Blog hier im Kopf und dachte vor allem daran jetzt mehr von den Aktivitäten der anderen zu erfahren als bisher in dem Modul möglich war und dass ich dort auch über Beweggründe und Probleme mit Modul und Praktikum schreiben könnte. Die dann auftretende Skepsis der anderen hat mich daher zuerst überrascht. Es wurden unterschiedliche Argumente vorgebracht, auch rechtliche Bedenken, dass ich aber selber in die Lage kommen würde bei diesem Blogschreiben Probleme zu sehe, damit habe ich nicht gerechnet. Vor allem nicht aus welchen Gründen.

Was jetzt genau geschehen wird, darüber kann ich nur spekulieren.

Ich habe hier in meinem Bildungsreise-Blog (Danke für den Begriff  an birkenkrahe!) einen guten Ort gefunden, um genau die Dinge zu reflektieren, die für mich immer im jeweiligen Moment eine besondere Bedeutung haben. Einen Blog, der mir während des Schreibprozesses zu Erkenntnissen verhilft, in dem ich die Themen aufgreifen, die aus den nächtlichen Verarbeitungsprozessen aufsteigen, sie dann in eine für den imaginierten Leser nachvollziehbare Form bringe, dabei durchdrungen von dem Gefühl dass eine solche Auseinandersetzung in ihrer Unbedeutsamkeit bedeutsam ist, weil genau dieser Prozess Erkenntnis und Klarheit fördert und damit eine Basis für ein ständiges Voranschreiten zur Verfügung stellt.

Ob der verpflichtende Blog diese Chance birgt, die sich bei mir mit Blogschreiben verbunden hat, weiß ich nicht. Wenn ich allerdings genau hinschaue, dann möchte ich das eigentlich auch gar nicht mehr. Ich möchte dort einen formalen, sachlichen, distanzierten Blog, der Praktikum und Lehrmaterialien in genau dieser Weise verbindet. Einen sehr konzentrierten Arbeits-Reflexions-Blog. Nicht mehr und nicht weniger.

Dieses Fazit überrascht mich momentan sehr. Vor allem weil ich so schnell bereit bin alle anderen Vorstellungen aufzugeben.

Möglicherweise wird sich aus der Situation noch etwas anderes ergeben, davor will ich mich nicht kategorisch verschließen, aber meine Entscheidung ist erst einmal gefallen. Ich werde eine andere Form von Blog gestalten als dieser hier ist.

Ist letztlich auch eine gute Gelegenheit und Übung.

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7 Kommentare

  1. Hallo Angelika,

    sehr interessant hier – in deinem Medium – deine Gedanken zu lesen. Meine Gedanken dazu sind ganz anders. Ich war von vorneherein nicht gegen ein Bildungsblog in 3b als Kommunikations-Instrument – denn ich blogge gerne und ein Bildungsblog finde ich interessant.

    Aber, und nun kommt es dann doch zur Sprache: die „Zwangsfunktion“ die nebenbei eingeführt wurde, die mangelnde Kommunikation und die fehlende/ verspätete Anleitung sowie der Umgang mit uns als Studierenden und meine Bedenken das die zusätzliche Arbeit so rechtlich nicht wirklich in den SWS/ ECTS gedeckt sind führten bei mir zu massivem inneren und äußeren Protest.

    Auch wenn ich in diesem Semester nicht schreiben werde, mache ich mir Gedanken über diejenigen die mit dem Bloggen etc. keine Erfahrung haben. Oder ein echtes Problem mit dem Arbeitgeber haben, wenn sie auch nur ein Fitzelchen über ihre Tätigkeit schreiben. Oder die es verschieben, weil sie sich den zusätzlichen Aufwand nicht zutrauen und nun Angst wegen Bafög haben. Deshalb massiver Protest meinerseits.

    Andererseits: nun ist das Weblog online. Ob wir es nun über das Praktikum hinaus auch nutzen dürfen – ist zumindest mir nach den ganzen Debatten gar nicht klar. Ich habe diese Frage gestern gestellt – bislang ist keine Antwort da. Nun ist es mir egal – ich werde keine weitere Lebenswoche vergeuden um eine simple Antwort zu erhalten. Ich blogge nun einfach dort zu meinen Erfahrungen von 3b – wenn es nicht passt, nicht mein Bier. Dann hätte man wesentlich eher komplette und umfangreiche Informationen bereitstellen müssen.

    Ich werde dort meine gesamten Erfahrungen und Gedanken zu 3b niederlegen. Da es ja auch darum geht Reflektion und Diskurs einzuüben (zumindest wenn es wirklich Sinn machen soll) kann es eigentlich nur im Sinne des Lernens sein m.E.

    Zur „Sprache“ im Blog bzw. im Netz: es handelt sich um einen Uni-Blog – zu flapsig sollte es daher meiner Wahrnehmung nach nicht vonstatten gehen und eher etwas gesetzter. Distanziert finde ich das Medium schon an sich – ich benötige da z.B. keine weitere Distanz. Damit ich aber wirklich reflektieren kann und meine Vorgehensweise schildern kann, muss dort eine gehörige Portion „Roma“ drin stecken. Denn so arbeite ich auch – ich unterteile nicht in „Frei- und Arbeitszeit“. Damit bin ich in der kreativen Branche auch eher keine Ausnahme 😉

    Nun ist mein Kommentar sehr lang geworden – ich hoffe das ist in Ordnung für dich.

    Ich wünsche dir viel Erfolg mit deinem 3B Blog und auch allen anderen Projekten!

    Roma

  2. amirabai sagt:

    Hallo Roma! Ich liebe lange Kommentare!
    Das was du beschrieben hast, also die Auseinandersetzung über 3B auf dem Uni WordPress-Blog zu führen hatte ich auch überlegt, ich habe aber jetzt einen anderen Weg gewählt, den der bewussten Distanz auch in der Sprachbenutzung (keine ich-Form). Ich habe das inzwischen angetestet und für mich fühlt es sich passend an. Ich werde meine Infos kurz und sachlich halten und versuchen sie möglichst gleich in einen theoretischen Zusammenhang zu stellen und ich werde mich bemühen den ganzen Bereich der Emotionen möglichst fern zu halten.
    Im Gegensatz zum Wald hier habe ich dort auch die Enge der Fachwerkstadt als Header gewählt. Hat alles seine Gründe.
    Das Semester hat aber gerade angefangen, es gibt also noch Platz dafür, dass Unerwartetes geschehen kann.
    Was diejenigen betrifft, die verschiedene Probleme mit dem Modul haben, ich habe mir mein Bild von der Situation gemacht, ich habe beobachtet in welcher Form Antworten gekommen sind. Mir fällt dazu nichts mehr ein. Auch daher habe ich letztlich den Weg der emotionalen Distanz gewählt.
    Wir lesen uns!

  3. birkenkrahe sagt:

    Du hast recht: kann man nur was lernen. Ich habe (in den letzten 10 Jahren) mit sehr, sehr vielen verschiedenen Blog-Typen experimentiert — entscheiden konnte, musste ich mich nie. Warum? Weil es DAS Blog für DAS Thema und DEN Anlass eben genausowenig gibt, wie DEN Text für JEDEN Anlass, oder DAS Bild für JEDE Ausstellung…und wenn Du mehrsprachig bist/schreibst, wird das ganze noch komplizierter. Hier eine Auswahl meiner Blogs, nur als Hinweis — die jetzt so zu analysieren, das kann ich gar nicht im Moment, wäre aber mal interessant (das erste Link beschreibt allerdings Blogging für Autoren):
    1 Autorenblog Englisch (originell):[http://marcusspeh.com/2011/08/07/blogging-for-writers-a-grammar/]
    2 Autorenblog Deutsch (meistens übersetzt): [http://marcusspeh.blogspot.de/]
    3 Autoren-Tumblr-Blog (Photo-heavy):[http://speh.tumblr.com/]
    4 Nur zum Spaß:[http://speh-kunst.tumblr.com/]
    5 Lehre/Coaching:[http://birkenkrahe.com/wordpress/]
    6 Multi-Autorenblog f. E-Learning (da macht das Bloggen erst richtig Sinn!) [http://elearning.hwr-berlin.de/blog/]
    7 Multi-Autorenblog f. Literatur: [http://kaffeinkatmandu.tumblr.com/]
    …und damit bin ich (noch lange) nicht am Ende…es gibt noch einige inoffizielle Blogs. Macht immer noch Spaß, obwohl ich alle 3 Monate oder so die Schn…voll habe und dann für 3 Monate abtauchen muss, social-media-mäßig.

  4. birkenkrahe sagt:

    …und dann natürlich gibt es „blogshares“ für diejenigen, die Blogs als Währung sehen und nicht bloß als Schreib-Ort: http://www.blogshares.com/ Abgefahren!

  5. amirabai sagt:

    Das sind mir jetzt erst mal zu viele Links um sie alle zu inspizieren!

    Das mit dem Abtauchen kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe einen Teil des Tages da ist mein Rechner an und einen Teil des Tages da ist mein Rechner aus und ich habe meine Ruhe und Zeit für anderes. Funktioniert ganz gut.

    Beim Führen verschiedenartiger Blogs sehe ich jetzt vor allem den Zeitfaktor. Ich musste den neuen Blog erst passend machen und dann hat sich die Uni letztlich für unsere Aufgabe ein Netzwerk ausgedacht. Man soll andere auch kommentieren. Dazu muss man die anderen Blogs besuchen und lesen.

    Momentan ist Moodle auch voll von Beratung und Wiki-Erstellung zu WordPress. Parallel zu der Blogführungspflicht wurde auch ein neues Moodle eingeführt, das ich nicht sonderlich übersichtlich finde. Viel Zeit vergeht erst einmal mit Rumsuchen.

    Kurz: das Problem ist nicht so sehr ein Blog als ein Modul Problem. Ich würde das jetzt ganz gerne ignorieren, muss aber mindestens ein halbes Auge drauf haben, da mir sonst möglicherweise etwas Wichtiges entgeht…

  6. birkenkrahe sagt:

    Das Modul-Problem oder das Plattform-aber-welche-wo-und-wieso-Problem haben meine Studierenden auch…ich bin diesbezüglich von ihnen ganz gut erzogen worden: d.h. zu Lehrzwecken gestalte ich jetzt (oder versuche es) meine Kurse im Hinblick auf Plattformen schlank — z.B. nur Moodle, oder nur Blog. Oder nur Wiki. Wobei die Moodle-Büchse aufmachen schon heisst, die Pandora-Dünste freizusetzen (so viel ist da drin)…Na, viel Erfolg!

  7. amirabai sagt:

    Moodle als Pandorabüchse, ja das kann schnell passieren. An der FernUni ist es oft ein wenig zu ruhig in Moodle, aber wenn es denn mal nicht so ist, dann kann man davon ziemlich schnell überflutet werden. 🙂

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