Bildungsmäuschen

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Blogpause – war doch nichts!

Ja, ich bin jetzt voll und ganz auf die Inhalte des Moduls 3B konzentriert und schreibe jetzt auch dort noch einen Blog im Rahmen der geforderten Prüfungsleistung zu einem abgeleisteten Praktikum. Ich merke aber, dass ich diesen Blog hier weiterhin als Reflexionstool benötige. Ich kann ihn nicht pausieren lassen, auch wenn Blogbeiträge viel Zeit fordern. Aber es ist in der Regel gut genutzte Zeit! Und es tauchen einfach zu viele Fragen im Zusammenhang mit dem Modul auf. Und will ich sie schriftlich reflektieren, so ist es dieser Ort, der als der richtige Rahmen erscheint. Schriftliche Reflexion hat für mich einen deutlichen Mehrwert gegenüber reinem Denken, mir selbst erzählen oder auch anderen erzählen. Hier bleibe ich auf meine eigenen Gedankengänge konzentriert, muss sie aber so systematisieren, dass sie einen Zusammenhang ergeben. Das ist hilfreich.

Das Modul bleibt für mich eine mittelschwere Katastrophe und wirft nebenbei viele Fragen auf, die sehr viel mit dem Thema Bildung zu tun haben. Es sind mir viel zu viele gleichzeitig. Ich hetze durch die Studienbriefe und hetze dabei auch durch weite Themenfelder, wirbele dabei Staub auf, knüpfe ein paar Verbindungen, hetze weiter. Ich schreibe auf dem Uni Blog ohne zu wissen was er eigentlich werden soll, ich lese in Moodle, schreibe ab und zu dort, reflektiere über mein Praktikum, verfolge die neuen Posts in den Facebookgruppen, gucke ab und an noch bei den beendeten und laufenden MOOCs, versuche das auf ganz kleiner Flamme zu halten, und aus den Gesamteindrücken und Erfahrungen steigen diverse weiterreichende Themen auf. Und ja – wenn ich mich geistig manchmal etwas überfordert fühle, dann wundere ich mich eigentlich, dass es nur manchmal ist.

Es sind grundlegende Fragen die nebenher auftauchen. Danach wie Menschen in ihrem Leben lernen, danach wie welches Gelernte wie bewertet und eingeschätzt wird, wie es von den Lerner verwertet werden kann und wie es von der Gesellschaft nachgefragt wird. Danach was ein Studium kann und was nicht, wofür sich ein Studium eignet und wo seine Grenzen liegen. Danach was Wissen nutzt, das von den Lernenden nur für das Verstehen von Beobachtbaren verwendet werden kann, aber nicht für Handeln, da die gesellschaftlichen Bedingungen eine andere Verwendung unmöglich machen.

 

Ich werde jetzt zwei der Bereiche zu schildern versuchen, die mich beschäftigen. 

Der eine bezieht sich auf diejenigen, die in irgendeiner Form unterrichten, zum eigenen Lernen auf das Netz und E-Learning zugreifen, dorther Informationen, Wissen und Material beziehen, dieses dann direkt oder indirekt verwenden, aber bei ihrem Unterricht selbst dann keine digitalen Medien mehr benutzen. Ich befinde mich in dieser Situation. Das Modul 3B ist durch seine Studienbriefe massiv auf den Bereich E-Learning ausgerichtet und ich finde diesen Bereich für mein eigenes Lernen sehr sinnvoll. Die Tätigkeit, die ich als Praktikum bearbeiten will, genauso wie andere Praktika, die ich mir in meinem Umfeld momentan als durchführbar vorstellen kann, sind dagegen komplett offline.

Das ist in meinen Augen eine ziemlich normale Sache. Das Netz wird zum Lernen, zum Austausch und Vergleich mit Berufskollegen an anderen Orten, zur Materialbeschaffung, zur Recherche verwendet. Aber gerade wenn man mit kleineren Kindern arbeitet, so sind Offline-Methoden die erste Wahl. Dagegen gibt es nichts zu sagen, im Modul 3B bereitet das allerdings Schwierigkeiten. Die Studienbriefe helfen mir nur begrenzt weiter bei der Planung, Gestaltung und Bewertung von Unterricht. Wie zuvor bin ich auf meine eigene Recherche, auf mein eigenes Vorstellungsvermögen, meine eigene Kreativität, meine eigenen Erfahrungen verwiesen.

Es gibt Theorie, die zielt aber nicht auf das was ich machen will. Das was ich machen will, muss ich mir komplett selbst erarbeiten und andere Quellen benutzen. Das  Modul soll dazu dienen Theorie und Praxis zu verbinden. Die vermittelte Theorie ist aber nicht auf eine spezifische Praxis ausgerichtet. Allerdings gibt mir die Theorie Informationen, die für mein eigenes Lernen wichtig sind. Dieses Wissen verwende ich aber vor allem für die Weiterbildung meiner eigenen Person, nicht für die Erweiterung der spezifischen Kompetenzen, die ich für ein spezielles Praktikum benötige. Letztlich entsteht der Eindruck, ich soll durch die Beschäftigung mit der Theorie in die Lage versetzt werden, einen angemessenen Zugang zur Bewältigung von Problemen in der Praxis zu bekommen.

An dem Punkt wird es kompliziert. Ich habe Englischunterricht für Kinder gestaltet, weil ich im Verlauf meines Lebens verschiedene Erfahrungen gemacht habe, verschiedene Dinge gelernt habe, verschiedene Eigenschaften entwickelt habe. Auf dieser Basis bin ich dazu gekommen eine Bildungsmaßnahme durchzuführen. Ich habe alle meine verfügbaren Möglichkeiten eingesetzt, um den Unterricht so gut wie mir möglich zu gestalten und fortwährend zu verbessern. Ich habe das immerhin über einen Zeitraum von fast zwei Jahren wöchentlich getan. Allerdings nicht auf der Basis eines formalen Studiums oder einer formalen Ausbildung.

Ich könnte jetzt in der Situation sein etwas ähnliches durchzuführen, allerdings auf der Basis meines bisherigen Studiums. Das würde aber nur bedeuten, dass eine grundlegende theoretische Ebene dazu gekommen ist und mehr Wissen über Informationsbeschaffung und Recherche. Die praktische Realisation wäre weiterhin auf das gleiche angewiesen wie zuvor: die Kenntnisse, die ich mir im Verlauf meines Lebens angeeignet habe.

Es wird noch komplizierter. Die mir zur Verfügung stehenden Ressourcen sind von den Möglichkeiten abhängig, die mir mein Leben eröffnet oder verschlossen hat. Jede/r an der FernUni startet mit unterschiedlichem Potential in sein oder ihr Praktikum. Auch die verfügbaren Prakikumsstellen sind von dem abhängig was die Personen im Lauf ihres Lebens geworden sind, an welchem Ort sie leben, sind abhängig vom umgebenden Kontext des alltäglichen Lebens.

 

Zurück. Das Studium eröffnet mir Zugang zu einer Auswahl von Wissen, mit der ich für das Praktikum nicht all zu viel anfangen kann, so dass das Praktikum selbst auf ganz anderen Wissensquellen aufbaut und stark von den eigenen Möglichkeiten und denen des umschließenden Kontextes abhängig wird. Ich begebe mich in einen praktischen Bereich der von der Uni nicht gelehrt wird, der nur zu dem Gebiet gehört mich dem sich die Uni beschäftigt. Und dort muss ich nun zurecht kommen. Es ist eine lausige Verbindung von Theorie und Praxis und betätigt mir erneut die Sinnhaftigkeit von Studiengängen, die als Begleitung zu praktischen Tätigkeiten konzipiert und in ihren Inhalten daran orientiert sind.

Ich habe nichts gegen die Beschäftigung mit Theorien einzuwenden. Nichts gegen die Verarbeitung von Erfahrungen auf einer theoretischen Ebene. Das kann zu interessanten Einsichten und Perspektivwechsel führen. Ich finde es auch sehr interessant eine Aufgabe zu haben wie die Gestaltung einer Bildungsmaßnahme und diese dann zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Was mich jetzt irritiert ist, dass ich letztlich genauso dastehe wie zuvor. Ich habe zusätzliches theoretisches Wissen und kann dadurch wahrscheinlich schneller die Qualität einer Maßnahme erhöhen, muss vielleicht weniger ausprobieren und weiß besser wo ich Informationen finde. Aber letztlich mache ich nichts anderes als zuvor.

Und genau so ergeht es denjenigen die Lehramt studieren und an Schulen kommen. Das Studium bildet eine Grundlage für eine praktische Tätigkeit, aber die Tätigkeit selbst entsteht während der Praxis. An dieser Stelle lasse ich meine Überlegungen und ihre möglichen Konsequenzen im Raum stehen und wende mich dem anderen Bereich zu, den ich schildern wollte.

 

Der Studienbrief, den ich momentan bearbeite, ist eine Sammlung von sehr unterschiedlichen Beispieltexten zum Thema Qualitätssicherung und Evaluation. Darin findet sich ein Text zum Thema Schultransformation. Allerdings taucht der Begriff dort so nicht auf. Dem Thema selbst bin ich immer wieder begegnet, im MOOC Meine Schule transformieren, in der MOOC-Reihe Teaching for Learning, in Videos, in Diskussionsforen. Es hatte für mich persönlich eine wichtige Bedeutung. Ich habe im Verlauf der Auseinandersetzung damit allerdings begriffen, dass ich auf die Transformation von Schule keinen Einfluss habe. Alles Wissen, das ich dazu erwerbe, kann ich nicht praktisch verwenden. Es bleibt rein informativ, denn es ist allein Sache der Lehrer und dort vor allem Sache der Schulleitung Transformationsprozesse in Gang zu bringen und in Gang zu halten.

Genau das bestätigt auch der im Studienbrief abgedruckte Text [1]. Ich erhalte erneut Informationen zu einem Feld, auf das die wenigsten meiner Mitstudierenden einen Einfluss haben werden. Es bleibt eine Information, der kein Handeln folgen kann. Das wäre nicht weiter tragisch, Informationen haben einen Eigenwert, ich befinde mich hier aber in dem Modul, das Theorie und Praxis verbinden soll. So. Und in meinem Fall stehe ich nun da und denke, ja, habe ich im Verlauf meines Studiums bereits herausgefunden, ich weiß bereits warum ich an meinem Arbeitsplatz keine Einflussmöglichkeit habe, ich kann beim Lesen des Textes immer wieder nicken und sagen, genau, das machen sie falsch und das und das. Aber ich habe keinen Einfluss darauf und der Text im SB erläutert mir auch wieso.

Ich habe eine reflektierende Dokumentation zu einem Praktikum zu schreiben. Da mag das für einige sehr nützlich sein. Aber für die eigenständige Planung, Durchführung und Evaluation des Praktikums nutzt das alles nichts. Dafür nutzen mir meine beruflichen, privaten und familiären Erfahrungen, die ich im Verlauf meines Lebens gemacht habe mehr.

Was ist ein Studium? Und warum wird ein Studien so gehypt? Nichts gegen die Nützlichkeit eines Studiums. Theorien kennen zu lernen ist klasse und seine Gedanken frei schweifen lassen zu dürfen ist toll. Und zu lernen Theorien auf Wirklichkeit anzuwenden ist im Bereich der Sozialwissenschaften von hohem Interesse. Aber warum soll das besser sein als Erfahrungen in der Berufspraxis, als eine fundierte berufliche Ausbildung, als intensive Beschäftigung mit Interessengebieten in der Freizeit, als Familienarbeit, als Lebenserfahrungen? Mache ich ein Praktikum so brauche ich alles was mir für den jeweiligen Bereich zur Verfügung steht oder was ich mir verfügbar machen kann, ganz gleich woher es stammt. Nicht nur das was ich im Studium über die intendierte Lehre erworben habe.

Zum Lernen gehört es dazu etwas nachvollziehen und auf den eigenen Wahrnehmungs- und Erfahrungsraum übertragen zu können. Was ich hier tue, davon habe ich in meinem Studium bereits gehört. Momentan ist mir die Problematik der Verwertbarkeit von erworbenem Wissen für den Zugang zum Arbeitsmarkt und der Unterschied der dabei zwischen Wissen unterschiedlicher Herkunft gemacht wird sehr dicht. Wie dieser Unterschied gemacht wird, hat seine Gründe in der Logik ungleicher Ressourcenverteilung, nicht einer Logik tatsächlicher Sinnhaftigkeit. Die Sicherung von Positionen als Ressource reduziert den Raum der Möglichkeiten für Verwendung und Wertschätzung von Gelerntem.

 

Zurück zu meinem Praxismodul. Für mich wirft es unerwartet viele Fragen auf, die ich im Zusammenhang mit dem Modul überhaupt nicht thematisiert finde und wo ich auch bisher keinen Ort dafür finde. Daher werde ich diesen Blog weiter dazu benutzen und dafür jetzt eine eigene Kategorie Modul 3B einrichten.

Auch wenn es viel Zeit erfordert so etwas wie hier zu schreiben, so ist es genau diese Form, die mir bei Verarbeitungsprozessen von dem hilft womit ich durch mein Studium, so wie ich es führe, konfrontiert bin.

 

Referenz: [1]  Kempfert , G. & Rolff, H.-G.(1999):Pädagogische Qualitätsentwicklung. Ein Arbeitsbuch für Schule und Unterricht. Weinheim und Basel: Beltz.

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