Bildungsmäuschen

Immersion

Während die Wellen der Unzufriedenheit mit der Art der Betreuung von Modul 3B immer noch hoch schlagen, bin ich in die Beschäftigung mit dem abgeleisteten Praktikum eingetaucht. Über den LdLMOOC2 und den Beitrag zum letzten Hangout von Markus Birkenkrahe zu Immersion, habe ich jetzt einen Begriff für das was im Verlauf eines Semesters geschieht oder im Verlauf eines sehr interessanten MOOCs. Ich tauche immer stärker in eine Thematik ein, so stark dass ich nachts aufwache, weil mein Kopf voller Gedanken ist, die mich dann in der Regel dazu drängen sie auszuformulieren.

Inzwischen hat sich dadurch mein Tagesablauf so verlagert, dass ich gestern während der Mittagszeit, als ich mit den Kindern zu arbeiten begann, am liebsten ins Bett gegangen wäre, um einen Mittagsschlaf zu halten. Sie haben mich zwar sehr schnell wieder aus dieser Müdigkeit herausgezogen, allerdings bin ich dann so früh schlafen gegangen, dass ich bereits um 1.00 Uhr in der Nacht wach war. Am Tag zuvor hatte ich bereits um 4.00 Uhr mit Schreiben und Lesen begonnen. Der Vollmond momentan, die Zeitumstellung und auch die kürzer werdenden Tage tragen mit Sicherheit dazu bei, dass mein Rhythmus nicht mehr so ganz zum Üblichen passt, sondern sich an meinen eigenen Bedarf anzupassen beginnt.

Da die Aktivitäten in den sozialen Netzwerken abends am regsten sind, erwarten mich nach Hochfahren des Rechners eine Menge Posts, die ich zuerst bearbeite. Antworten kommen dann eben später. Synchronizität ist spannender, aber Asynchronizität flexibler. Danach wende ich mich meinen eigenen Inhalten zu. Ungestört, in der Stille und relativen Grenzenlosigkeit der Nacht.

Es erstaunt mich immer wieder, wie bei der Bearbeitung eines Moduls (oder eines MOOC) eine Lernwelt entsteht, die vorher so nicht da war und hinterher zu Erinnerung wird. Sie gewinnt im Prozess der Bearbeitung in meiner Wahrnehmung an Bedeutung, wird zu einem Arbeitsraum, stellt den Fokus ein auf bestimmte Erscheinungen, die immer klarer erkennbar werden, um dann am Ende wieder zu verblassen.

Zur Zeit entdecke ich das was ich vor Jahren getan habe ganz neu. Und je stärker ich in die Auseinandersetzung eintauche, um so mehr überrollte es mich mit seiner Komplexität. Ich benutze als Arbeitswerkzeug meinen Uniblog, der bisher nur im Rahmen des Moduls einsehbar ist, und da die Vorgaben des Lehrgebiets dunstig bleiben, gehe ich so vor wie es mir sinnvoll erscheint.

Aber wollte ich nicht eigentlich über Immersion schreiben? Darüber wie sich mehr und mehr Gedanken um das eine Thema drehen, wie es in Gespräche einfließt, wie sich alles darauf ausrichtet komplexe Zusammenhänge in einem Feld zu verstehen.

Zur Zeit schreibe ich Stückchen für Stückchen auf was ich über mein Praktikum im Zusammenhang mit dem Modul herausfinde und merke, dass ich dabei Grenzen einhalten muss. Ich habe mir ein ziemlich umfangreiches Projekt ausgewählt, das wird mir erst jetzt klar und meine Arbeitszeit ist begrenzt, wenn ich im vorgegebenen Zeitrahmen fertig werden will. Ich muss eine Methode entwickeln. Wo ist Kleinteiligkeit sinnvoll und wo geht sie zu weit? Hier brauche ich eine Visualisierung. Wie bekomme ich diese Komplexität in ein Bild? Was für eine Theorie eignet sich als Begründung und wo finde ich schnell entsprechende zitierfähige Literatur? Könnte man da nicht wunderbar forschen? Als ich das Praktikum durchgeführt habe, wusste ich noch nicht wie man das wissenschaftlich fundiert macht. Ich habe nur intuitiv geforscht, das ist aber viel zu wenig.

Sehr viele Nebenbeidings werden sichtbar. Ich muss wieder zurück zum Fokus. Und dann bin ich erschöpft. Ich schaffe ein gewisses Stundenpensum pro Tag, dann kann ich nicht mehr weiter machen, auch wenn mir noch freie Zeit zur Verfügung steht. Auch dafür muss ein Umgang gefunden werden.

Das Arbeiten am Modul wird zu einem sich über Wochen erstreckenden Gesamtkomplex mit Ruhezeiten und Pausen, mit Unterbrechungen durch andere Verpflichtungen, mit Gedanken, die sich in Tätigkeiten hineinmischen, die Raum dafür lassen (wie Putzen beispielsweise oder Kochen). Und an den verschiedensten Orten finden sich Fundstücke. Informationen, die zum Thema passen. Die Wahrnehmung wird selektiver und im selektierten Bereich feiner. Andere Interessen treten zurück, um Platz zu schaffen.

Ich kann die Position bestimmen auf der ich mich im Prozess befinde, kann aber den Prozess nicht überblicken und weiß noch nicht wo er mich hinführen wird. Ich weiß nur, dass er irgendwann zu Ende sein wird. Wenn die Arbeit getan, das Modul beendet ist.

Jetzt werde ich mich allerdings noch einmal ins Bett legen. Nachdem ich die drängensten Gedanken losgeworden bin merke ich, dass ich doch noch nicht ausgeruht genug bin, um den Tag tatsächlich zu beginnen. Aber sobald ich später Zeit habe, mache ich gleich weiter, verwickelt in meine eigene Arbeits- und Lernwelt, an der die Menschen meiner physischen Umwelt keinen Anteil haben, denen ich mehr und mehr fremd werde, da sie das nicht sehen können was ich tue. Mich bewegend zwischen verschieden virtuellen Orten, die zum Arbeitsplatz und Austauschplatz werden, Stellen an denen Informationen eingeholt und hinterlassen werden, Orte an denen ich mit meinem Tun sichtbar werde und an denen ich andere in ihrem Tun wahrnehmen kann.

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1 Kommentar

  1. birkenkrahe sagt:

    „Es erstaunt mich immer wieder, wie bei der Bearbeitung eines Moduls (oder eines MOOC) eine Lernwelt entsteht, die vorher so nicht da war und hinterher zu Erinnerung wird. Sie gewinnt im Prozess der Bearbeitung in meiner Wahrnehmung an Bedeutung, wird zu einem Arbeitsraum, stellt den Fokus ein auf bestimmte Erscheinungen, die immer klarer erkennbar werden, um dann am Ende wieder zu verblassen.“ Das hast Du gut gesagt & danke für die Nennung meines Artikels!

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