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Schule und Führung

Seit Sonntag (heute ist Mittwoch) komme ich mit meinem Blog für 3B nicht mehr voran. Im Bereich Durchführung des Praktikums bin ich auf emotional sehr schmerzhafte Erfahrungen getroffen, mit dem Effekt dass die Kopfmühle zuerst sehr stark zu rattern begann, für mich Erstaunliches zum Vorschein brachte, um sich dann aber zurückzuziehen. Ich habe in der Zwischenzeit viel geschlafen, nachgedacht, Dinge gelesen, die nichts mit dem Thema zu tun haben, weiß inzwischen wie Hangul, die koreanische Schrift, funktioniert, habe liegengebliebene alltägliche Verpflichtungen aufgearbeitet und mich erfolgreich davor gedrückt einen kürzlich erstellten Zettel weiter abzuarbeiten.

Es ist nicht ganz einfach zu beschreiben was vor sich geht. In mir arbeitet es weiter, ich tue aber alles um nicht genauer hinzuschauen, weil es mich emotional überfordert. Daher komme ich mit 3B momentan nicht voran. Gleichzeitig habe ich aber das Bedürfnis weiter zu arbeiten und fühle den Druck das geplante Pensum zu erfüllen und das Praktikum für mich durchschaubarer zu machen. Jetzt verlagere ich diese Wünsche jedoch und sorge für Beschäftigung, ohne mich mit dem Eigentlichen zu beschäftigen. Es ist eine sehr unbefriedigende Situation, ich bin aber emotional einfach nicht in der Lage auf meinem Blog zu 3B das Praktikum weiter zu beschreiben oder mich mit der gesamten Thematik von 3B weiter zu beschäftigen. Daher werde ich jetzt zur Annäherung ein Thema aufgreifen, auf das ich vor etwa zwei Wochen gestoßen bin, das ich schon da aufschreiben wollte, wofür ich aber bisher keine Zeit gefunden hatte.

Bestandteil der Reihe Teaching for Learning sind Gespräche zwischen dem Organisator der Reihe, John MacBeath, und in der Regel den jeweiligen Akteuren der Kurse, die von den Studierenden dann beobachtet werden können. Es handelt sich dabei um Fachgespräche, durch die Themen der MOOCs noch einmal anders betrachtet werden können. Im allerletzten Beitrag des 7ten Kurses ging es um die Bedeutung der Schulleitung und Stephen Dinham und John MacBeath tauschten sich über an Schulen bestehende Strukturen aus.

Aus meinen Notizen:

  • Eine gute Schule ist nur mit einer guten Führung möglich.
  • Gruppierungen von Lehrern haben einen großen Einfluss auf die Leitung der Schule.
  • Unterschiedliche Führung in unterschiedlichen Fachbereichen kann zu unterschiedlicher Qualität von Bereichen an Schulen führen.
  • An Schulen können verschiedene Gruppen existieren, die in verschiedene Richtungen ziehen.
  • Es kommt häufig vor, dass die Gesamtführung nicht gut ist.

In dem ganzen Gespräch wurde sichtbar, dass beide über eine Reihe von Erfahrungen mit schlechter Führung an Schulen verfügen durch die Schulentwicklungen behindert werden und sehr bedauern, dass es so ist. Mich hat es verblüfft, das hier so klar formuliert zu finden. Ich bin Verschleierungen, Schuldzuweisungen und Ausflüchte gewohnt.

Kurz darauf stieß ich in einem zum Modul 3B gehörenden Studienbrief zu Qualitätssicherung und Evaluation auf Texte, die sich genau mit diesem Thema beschäftigten. In meinem Studium habe ich es vermieden die für Schule relevanten Bereiche zu wählen wenn ich eine Wahlmöglichkeit hatte, ich wollte lieber etwas über andere Bildungsbereiche erfahren, weiß von daher nicht was diejenigen für Informationen erhalten haben, die sich auf Schule konzentriert haben. Für mich war es sehr überraschend nach dem MOOC auch in meinem Studienbrief die Aussage zu finden: „Es ist inzwischen wohl unbestritten, dass ohne oder gar gegen die Schulleitung Schulentwicklung nicht funktionieren kann. Das Gleiche gilt aber auch für das Kollegium.“ [1]

Ich will jetzt nicht im Detail auf weitere Inhalte von MOOC und SB eingehen, zu denen Beschreibungen guter Führung und zu vermeidender Fehler gehören, sondern den Schock beschreiben, der bei mir ausgelöst wurde. Das ist auch der Grund warum es mich noch immer beschäftigt. Persönlich habe ich über Jahre die Auswirkungen von unterschiedlichen Schulleitungen beobachten können und frage mich jetzt, wenn das so weitgehend bekannt ist, wenn ich es in meinem SB und in einem MOOC so klar formuliert finde, warum kommt das dann weiterhin vor? Warum müssen an Schule Beteiligte darunter leiden und sind gezwungen mit Führungsmängeln klarzukommen oder blockierender Gruppenbildung, die sie nicht verursacht haben und auf die sie nur begrenzten Einfluss haben? Ich und andere haben jahrelang unter Folgen von Missmanagement leiden müssen, das schon längst beschrieben wurde und womit sich Theoretiker bereits beschäftigt hatten.

Durch beide Formen des Studiums, die MOOCs und das Fernstudium, die sich hier hervorragend ergänzen, erhalte ich Informationen, die mir einen anderen Umgang ermöglichen. Ich zweifele meine eigene Wahrnehmung nicht mehr an und mir kann auch niemand mehr weiß machen, dass bestimmte Vorgänge korrekt sind. Ich kann ganz genau nachlesen, welche Bewertungskriterien andere für gute Führung aufgestellt haben. Was schlecht ist, ist eben schlecht. Ich bin nicht mehr die inkompetente Mitarbeiterin, der man unterstellen kann, dass sie nicht über eine ausreichende Qualifikation zur Beurteilung verfügt, sondern ich erhalte Rückendeckung und Orientierung.

Auch wenn ich diese Inhalte jetzt nicht für meine Praktikumsbearbeitung verwenden kann, sie helfen sie mir sehr in der Bewältigung vergangener Erfahrungen und in meinem beruflichen Alltag und damit steigt auch die Motivation mir die Texte noch einmal genauer vorzunehmen und die Inhalte so zu lernen, dass ich damit argumentieren kann, ohne vorher noch einmal Genaueres nachzuschlagen.

Referenz:

[1] Kempfert, G. & Rolff, H.-G. (1999). Qualität und Evaluation: Ein Leitfaden für pädagogisches Qualitätsmanagement. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.

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6 Kommentare

  1. birkenkrahe sagt:

    Theoretiker haben sich seit Jahren mit den Problemen befasst, aber meines Erachtens nach gibt es für diese Situationen keine Standardlösungen außer vielleicht Coaching (beim Diktieren dieses Satzes habe ich erst genuschelt und das Diktier-Programm hat statt Couching verstanden: „kuscheln“ – ist das nicht putzig?)…und das ist eine Methode und noch keine Lösung.ich habe solche Probleme, wie du sie beschreibst, als Elternteil an einer Waldorfschule kennengelernt. Dabei ist bei mir vor allem zurückgeblieben, dass die Abscheu vor Hierarchien und mangelnder vor sog. Entscheidern (Führenden) dem Gesamtsystem nicht bekommt. Diese ist in der Moderne leider mittlerweile wohl der Standard. Nicht allerdings in Unternehmen, bei denen zu viele systemische Fehler zum Untergang führen, während sich Schulen möglicherweise noch immer wieder durchwurschteln können?aber vielleicht ist kuscheln ja doch die beste Lösung 🙂

  2. birkenkrahe sagt:

    oben sollte es heißen mangelnder Respekt, und zwar nicht im Sinne von Kadavergehorsam, sondern im Sinne des Respects for der Stellung im System. Analog zur Organisation surf Stellung, siehe zum Beispiel hier:http://www.academia.edu/666886/System_constellations_as_a_tool_supporting_organisational_learning_and_change_processes

  3. amirabai sagt:

    So ganz werde ich aus deinem Kommentar nicht schlau. 😉 Ich habe kein Problem mit Führung an sich, auch nicht mit Hierarchien. Ich habe in dem Beitrag leider nur einen kleinen Aspekt von dem beschrieben womit ich mich beschäftigt habe. Es geht bei der Thematik um Schulentwicklung und dafür ist es beispielsweise nach dem zitierten Text wichtig, dass Kritiker einbezogen werden, dass Fehler zugegeben und nicht abgestritten werden, das Verbindlichkeiten und klare Kompetenzabklärungen vorgenommen werden, dass von der Leitung andere gefördert, ermutigt und offiziell anerkannt werden, dass mit Anerkennung verbunden delegiert wird, dass die Befähigung vorliegt zu akzeptieren, dass auch andere Recht haben können.

    Kurz es geht um Führungsstile und welche geeignet sind gemeinsame Entwicklungsprozesse fördern und durch welche Verhaltensweisen sie behindert werden. Es geht auch darum wie ein positives Lernklima geschaffen werden kann, wie Mitarbeiter motiviert werden und wie Engagement gefördert und honoriert wird. Schulen haben eine hierarchische Organisationsstruktur und Schulleiter sind weisungsberechtigt und Untergebene weisungsgebunden. Ich vermute daher wird das Verhalten der Schulleitung entscheidend. Man kann Entwicklung nicht anweisen und gegen Widerstände durchpressen. Und man kann Engagement nicht fördern indem man Mitarbeiter nicht respektiert.

    Der verlinkte Text ist interessant, soweit ich ihn jetzt überflogen habe (einen intensivere Auseinandersetzung dauert etwas). Ich habe leider zu wenig Einblick welche Möglichkeiten das schulische System benutzt, um Schulleiter zu schulen und auch zu wenig Wissen über das was in Betrieben eingesetzt wird. Inzwischen wird mir aber mehr und mehr klar, dass bessere Führungsstile erwartet werden sollten, weil sie möglich und positiv sind. Und dass Kenntnisse für gutes Management auch an Schulen sehr wichtig sind.

  4. birkenkrahe sagt:

    Über normale Schulen kann ich auch wenig sagen, Waldorfschulen sind sicherlich als private Schulen in einer eigenen Kategorie. Jedenfalls sind diese klaren Verhältnisse, wie du sie schilderst, dort nicht zwingend gegeben. Ansonsten hast Du absolut recht, dass Regeln oder Erfahrungen aus gutem Management, insbesondere Personalmanagement, in allen Systemen, natürlich auch der Schule, nützlich wären und dort eingesetzt werden sollten.

  5. amirabai sagt:

    Ich denke, im Zusammenhang mit Schulen wird auch noch zu wenig in Richtung Personalmanagement gedacht, weil Schulen zu wenig als Betriebe gesehen werden. Pädagogik hat noch immer einen Touch von Wolkenkuckucksheim. Muss da auch an die Erwartung von freiwilligen Tätigkeiten denken.

  6. birkenkrahe sagt:

    Stimmt absolut!…Freiwilligkeit, die zur Selbstausbeutung verkommt. Da sind einige Schultypen ganz groß drin. Das hat natürlich auch was: das Kollektiv beteiligt sich, alle bauen mit usw. Da kommt sicher die Form von Generations- und Denk- und Praxiswandel auf die Schule zu, die z.B. das Gesundheitswesen bereits unter Schmerzen durchgemacht hat bzw. noch durchmacht – denke an Kliniken, die gemeinsam von Ärzten und Betriebswirten geführt werden – aber eben als Krankenhäuser-Betriebe, nicht als Ort der Wohlfahrt. Eine Schwierigkeit (vom Wandlungsprozess ganz abgesehen, der wird sicher „blutig“) ist, das Wohlfahrts-Kind nicht mit dem Bade auszuschütten. Na ja, man sieht: „ein weites Feld“. Zum Beginn wäre es vermutlich sinnvoll, sich auf diejenigen Praktiken des Personalmanagements zu beschränken, die tatsächlich was bringen im Hinblick auf bessere Zusammenarbeit und positives Lernklima.

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