Bildungsmäuschen

Startseite » Rassismus » Rassismus, Fremden- und Ausländerfeindlichkeit

Rassismus, Fremden- und Ausländerfeindlichkeit

Nachdem ich lange Zeit am Thema Rassismus gearbeitet und rückblickend das Thema manches Mal zu stark in andere Themen eingeflochten habe (so etwas gehört dazu und das wird jetzt nachträglich nicht geändert, höchstens ergänzt oder erläutert!), ist es in der letzten Zeit still darum geworden.

Persönlich habe ich meine Haltungen und Einstellungen geändert, das merke ich fortwährend im Kontakt mit anderen Menschen. Ich denke vor allem darin ist der Grund zu suchen, dass ich keinen allzu großen Diskussionsbedarf mehr habe. Vorgestern habe ich für eine dunkelhaarige, dunkeläugige, braunhäutige Grundschülerin, die gerade erst Deutsch lernt, das Seil zum Hüpfen geschlagen, und als wir gemeinsam zählten und ich sie hüpfen sah habe ich gedacht, vielleicht wirst du einmal Bundeskanzlerin. Da war kein Hauch von Bedenken mehr in meinen Gefühlen, nur noch ein riesiger Möglichkeitenraum. Da waren keine anerzogenen Einschränkungen der Vorstellung mehr, nur noch das Recht auf und die Freiheit für Entwicklung. Ich diskutiere da auch nicht mehr. Rassismus hat keine Berechtigung.

Hadern tue ich allerdings noch immer mit dem Altersrassismus, aber nun ja, man kann nicht gleich alles haben. 🙂

Doch jetzt zum Thema der Überschrift. Ich habe lange gebraucht die Unterschiede zu verstehen. Wann etwas Rassismus ist und wann etwas anderes. Daher versuche ich das jetzt durch den Vergleich zu erklären.

Fremdenfeindlichkeit, das hat in meinen Augen mit dem zu tun was Elias und Scotson [1] untersucht haben. Der Fremde, der neu Hinzukommende, der anders ist oder zu etwas anderem gemacht wird, das ist noch keine andere Gattung von Mensch. Es ist, das sagt der Begriff aus, eine Feindseligkeit, eine Abwehrhaltung. Mit DENEN will man nichts zu tun haben, man will unter sich bleiben, im Altvertrauten, im Bekannten, in Strukturen und Regeln und Machtverteilungen, die man gewohnt ist. Man will sein Eigenes wahren und abgrenzen. Vielleicht muss der andere zu etwas Minderwertigem gemacht werden um Begründungen zu liefern, aber vor allem geht es darum Grenzen zu ziehen und Fremde fern zu halten.

Ausländerfeindlichkeit funktioniert ganz ähnlich. Hier ist allerdings die eigene Gruppe größer, ist die Nation, und umfasst alle die dem Bild der vertrauten eigenen nationalen Identität zugeordnet werden können. Wer nicht zu integrieren ist bleibt der Ausländer, es sei denn eine Anpassung ist so weit möglich, dass der andere in den Bestand der eigenen Nation einpassbar wird und darin verschwindet.

Rassismus funktioniert anders. Da gibt es kein Entkommen. Der Rassist nimmt eine Welt unveränderlicher Ungleichheit wahr und alle Begründungen, die ihm oder ihr entzogen werden, versucht er oder sie durch neue zu ersetzen. Für den Rassisten gibt es eine natürliche Ordnung von Wertigkeit. Für ihn oder sie lässt sich die Welt der Wesen einteilen in hoch- und minderwertig, in nützlich und unnütz. Alle haben dort von Geburt an ihren unveränderlichen Platz. Alle, die davon abweichen, sind dann eben Ausnahmen, statistische Ausreißer, aber kein Beleg dafür dass die Grundannahme falsch ist. Der Rassist ist von der Nützlichkeit seiner Einschätzung überzeugt. Er will das Beste für die Welt. Hochwertige sollen führen und Minderwertige sollen die Plätze besetzen, an denen sie der Gesellschaft am besten nutzen können, in untergeordneten dienenden Rollen. Im Extrem soll Unnützes oder Schädliches beseitigt oder ferngehalten werden.

Auf dieser Basis kann ich inzwischen ganz gut differenzieren und feststellen, ob ich es mit rassistischen Vorstellungen zu tun habe oder einfach nur mit Ängsten und Gefühlen der Bedrohung. Dazwischen ist ein großer Unterschied, und während  Feindseligkeit und Wünsche der Bewahrung durch geeignete Maßnahmen beeinflusst werden können, ist der Rassismus ein Übel, dem ich bis heute hilflos gegenüber stehe. Daher lasse ich mich möglichst nicht mehr auf entsprechende Argumente ein, versuche sie eher ins Lächerliche zu ziehen und mich von entsprechenden Menschen so weit es geht fern zu halten. Seitdem geht es mir besser. Und wenn ich dann doch mal diesen abwertenden Seitenblick zu spüren bekomme, denke ich, „Du Idiot! Lass mich bloß mit deinem Mist in Ruhe!“ Und wenn jemand beginnt erfolgreiche Lernbemühungen beim Kuchenbacken in Zusammenhang mit überlegenen Genen zu bringen, so hat es mir durchaus weitergeholfen, doch mal nach diesen mysteriösen Kuchengenen zu fragen. Verwirrung stiften macht es schwieriger die eigenen Gewohnheiten wie gewohnt fortzuführen.

Zum Abschluss möchte ich, für mich wichtig, noch ergänzen, warum ich aus dieser Einschätzung heraus auch nie die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von Heitmeyer als passenden Erklärungsansatz benutzen wollte. Heitmeyer hat Rassismus als ein Symptom  dieser Feindlichkeit bezeichnet. Rassismus ist in meinen Augen aber eine Weltvorstellung und Rassismus muss auch überhaupt nicht feindselig sein. Ist jeder auf seinem Platz in der natürlichen Ordnung und wird diese Ordnung von allen akzeptiert, kann der Rassist in Ruhe schlafen (die Rassistin natürlich auch). Darauf werden Rassist und Rassistin hinarbeiten. Und wenn sie ihr Ziel erreicht haben, können sie sogar sehr glückliche und zufriedene Menschen sein und freundlich und zuvorkommend mit denen umgehen, die sie auf den ihnen zustehenden Platz verwiesen haben. Aber wehe, wehe, jemand kommt ihnen in die Quere…

Referenz:

[1] Elias, N. & Scotson, J.(2002). Etablierte und Außenseiter. Suhrkamp, Frankfurt/M.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: