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Kochen in der Kita

Zur Zeit benutze ich ein Angebot „English for Beginners“ in einer Kita  als zu bearbeitendes Praktikum im Praktikumsmodul meines Studiums, das ich über einen Zeitraum von drei Jahren angeboten und im Frühjahr 2010 beendet hatte, also noch vor Beginn des Studiums. Etwas zu benutzen, das so weit zurückliegt und keinerlei im Studium erworbene Kenntnisse einbeziehen konnte, war für mich eine zeitlich begründete Notlösung. Ich wollte aber unbedingt praktisch noch etwas Neues machen. Daher habe ich mich sofort gemeldet, als ich in dieser Kita las, dass sie Personen suchen, die im Rahmen einer Erkundung von Essen aus verschiedenen Ländern mit den Kindern kochen.

Ich habe einen Bezug zu Indien und indischer Küche. Also schlug ich das vor. Es fand sehr schnell Interesse und nach einigen Hin und Her wurde ein Termin festgelegt, das Notwendigste besprochen und ich erklärte, dass ich den Kindern zusätzlich ein wenig über Indien erzählen wollte und warum indisches Esse so ist wie es ist.

Zum vereinbarten Zeitpunkt war mir der zeitliche Aufwand eigentlich zu groß und ich hätte am liebsten einen Rückzieher gemacht, versprochen ist nun aber einmal versprochen usw., daher habe ich versuchte die geplanten Vorbereitungen auf einen Nachmittag zu begrenzen. Geklappt hat alles hervorragend, das Essen außer dem Dessert hätte für zwei Kindergruppen gereicht (ich war erstaunt wie wenig eine 25köpfige Kindergruppe eigentlich isst!), aber ob ich das nun als Bildungsmaßnahme bezeichnen könnte, daran rätsele ich herum.

Ich hatte einen Zeitrahmen zwischen 9:00 Uhr und 12:00 Uhr, das ist die verbindliche Kernzeit der Kita, in der alle anwesend zu sein haben, die an diesem Tag kommen wollen. Bis etwa 9:20 Uhr hatte ich Zeit auszupacken, die Küche zu erkunden und Materialien zurecht zu legen Das Essen selbst sollte bis etwa 11:30 Uhr fertig sein, damit alle gemeinsam essen konnten. Die ersten Kinder werden um 12:00 Uhr abgeholt.

Ich hatte geplant vier verschiedene Essensbestandteile zu machen, Reis, Daal, und Gemüsecurry für die Hauptspeise und als Nachtisch Lassi, alles sehr einfach herstellbare Gerichte, und dafür sollten die Kinder von den Erzieherinnen in Gruppen eingeteilt werden, so dass jede Gruppe aus etwa sechs Kindern bestand. Das war vorher abgesprochen worden und klappte hervorragend. Eine der beiden Erzieherinnen ging mit in die Küche und unterstütze mich, indem sie darauf achtete wo die Kinder oder ich Hilfe benötigten. Auch das klappte sehr gut.

„Theorie“

Ich begann im Gruppenraum mit einem Globus und habe mir darauf zeigen lassen wo Deutschland liegt. Die Gruppe selbst war eine Gruppe der ältesten Kinder, ein Teil davon sind Vorschulkinder. Deutschland war bekannt, aber Indien wurde in Sibirien vermutet. Ich hatte insgesamt mehrere Fragen vorbereitet, die ich zusammen mit den Kindern beantworten wollte.

  • Land: Wo liegt das Land? Es ist dort wärmer als in Deutschland, weil dichter am Äquator.
  • Pflanzen: Was wächst da? Reis, der bei uns nicht wächst, weil es zu kalt ist.
  • Entwicklung von Rezepten: Wie war das früher? Die Menschen haben eher gegessen was in ihrer Nähe gewachsen ist. In Indien wachsen sehr viele Gewürze.
  • Religion: In Indien sind Kühe wichtige Tiere, daher gelten Produkte von der Kuh als wertvoll. Aber viele Inder essen kein Fleisch, also auch keine Kühe, daher verwenden sie die Milch und deren Produkte.
  • Gesundheit: Volkornreis und Linsen zusammen sind für Vegetarier eine sehr gute Grundlage der Ernährung, beide können getrocknet und lange gelagert werden. Gemüse wird nach Jahreszeiten verwendet und je nachdem wie es für die Menschen erhältlich ist. Essen wurde in der Vergangenheit immer frisch gekocht und die Reste wegen des Klimas meistens direkt an Tiere oder Bettler weiter gegeben.
  • Tischsitten: In Indien wird mit den Händen gegessen. Dafür gelten aber Regeln. Die linke Hand dürfen auch Linkshänder nicht benutzen. Heute wird es aber oft auch anders gemacht (Tische, Besteck, importierte Nahrungsmittel und Rezepte)
  • Erfahrungen: Ward ihr schon einmal in einem indischen Restaurant? Habt ihr schon einmal indisch gegessen? Kennt ihr jemanden aus Indien?

Dazu hatte ich eine weiße Pappe von 50X70cm und Wachsmaler mitgebracht. Zu jedem der Punkte sollte ein freiwilliges Kind ein kleines Bild als Gedächtnisstütze malen. Zusätzliches Material war ein älterer Bildband von Indien, um einen Eindruck zu vermitteln wie die traditionelle Welt Indiens ausgesehen hat und auch immer noch ähnlich aussieht. Eine Bildershow auf dem Laptop zusammenzustellen erschien im Zeitrahmen zu aufwändig.

Der Verlauf war anders als die Planung. Die Menge der Kinder ließ es nicht zu dass alle Kinder direkt involviert wurden. Nicht alle konnten alles gut sehen (wir saßen in einer großen Masse auf dem Boden). Die Fragestellungen erreichten die Kinder nur zum Teil. Einige Fragestellungen schienen für sie bedeutungsvoll, andere erzeugten kaum Reaktionen. Obwohl ein Zettel mit den Fragen zur Verfügung stand, mussten die Fragen noch an die Kindern und die Situation angepasst umformuliert werden. Das Aufmalen der einzelnen Bilder nach den Fragen wurde zuerst vergessen und dann in eine Wiederholung der Kerngedanken  an den Schluss verschoben.

Da aus zeitlichen Gründen bald mit dem Kochen begonnen werden musste und von den Erzieherinnen der „theoretische“ Teil nicht Bestandteil ihrer eigenen Planung zu sein schien und auch nicht erwartet wurde (der genaue Inhalt war kurz zuvor allerdings abgesprochen worden und hatte dort Zustimmung erfahren), sondern sie vor allem am praktischen Teil interessiert zu sein schienen, wurden Buch, Globus und Pappe mit Wachsmalern im Gruppenraum mit der Möglichkeit zurückgelassen diese noch weiter zu benutzen. Am Schluss war auf der Pappe ein Bild entstanden, das die Erzieherinnen in Beziehung zu den während der Veranstaltung gemachten Fotos bringen wollten.

„Praxis“:

Es war eine Reihenfolge der Herstellung der Essensbestandteile nach Zeitaufwand und Lagerfähigkeit der Produkte festgelegt wurden. Daraus ergab sich

  1. Lassi (Joghurtgetränk in drei Geschmacksrichtungen)
  2. Daal (Soße aus roten Linsen)
  3. Gemüsecurry (aus Weißkohl)
  4. Reis

Die Rezeptsammlung, die für die Veranstaltung angefertigt und an die Kita weitergereicht wurde um später in ein Buch aufgenommen zu werden, steht hier für alle zur Verfügung: Indische Küche .

Es würde jetzt zu weit führen die einzelnen Abläufe zu beschreiben. Daher nur eine Zusammenfassung. Die Kinder konnten um die zentrale Arbeitsfläche herum auf ausziehbaren Podesten stehen und selbst aktiv werden. Da in der Einrichtung regelmäßig mit den Kindern gekocht wird, gibt es dafür eingeübte Gepflogenheiten. Arbeitsmaterialien für die Kinder besorgte weitgehend die Erzieherin und überwachte sie auch. Alle Abläufe der Vorführung und des Einbeziehens ergaben sich dabei aus einer Kombination aus Erfahrungen mit dem Kochen selbst, der Vorbereitung auf den Ablauf und dem Rückgriff auf die Gepflogenheiten der Einrichtung. Der genaue Prozessverlauf entstand zum Zeitpunkt des Geschehens.

Für auftretende Probleme wie die fehlenden Tomaten oder den zu langsam warm werdenden Herd mussten spontane Lösungen gefunden werden. Ich vergaß zwischendurch immer wieder dass ich Möglichkeiten finden musste die Kinder einzubeziehen, wurde daran aber glücklicherweise auch dadurch daran erinnert, dass ich beobachten konnte wie die Erzieherin genau das mit den Kindern tat.

Geplant war es auch zu den einzelnen Nahrungsmittel und der Zubereitungsart und ihren Gründen etwas zu erzählen. Das ist für Erwachsene interessant und stieß auch gerade bei einer Erzieherin auf Interesse, das Interesse der Kinder war für mich dagegen sehr viel schwerer zu erfassen. Einerseits kenne ich die einzelnen Kinder kaum, andrerseits befand ich mich in einer für mich neuen Situation in der ich noch keine Erfahrungen damit hatte wofür sich Kinder im Zusammenhang mit Essen aus verschiedenen Ländern interessieren könnten. Ich tat also mein Möglichstes die Abläufe vorzuführen, die Kinder geeignete Teile selbst machen zu lassen und dabei zu erklären was ich warum tue.

Ich hatte dabei den Eindruck, dass ihre Tätigkeiten selbst für einige Kinder sehr losgelöst von allem anderen waren. Beim Herstellen des Lassis wurden die angewiesenen Abläufe befolgt, die Kinder waren auf das konzentriert was sie aktuell zu tun hatten. Woran es mir fehlte war es die Verbindung zu einem größeren Ganzen aufrecht erhalten zu können. Insgesamt hatte ich den Eindruck das sehr selten erreicht zu haben. Am ehesten ging es noch zu Beginn bei der Verwendung des Globus, aber im Verlauf des Kochens selbst musste der Bezug vor allem durch die Markierung, „das ist indisch“ aufrecht erhalten werden. Indisch wurde es dadurch aber nicht, es blieb eine Teilnahme am Kochen.

Am meisten schienen sich die Kinder wohlzufühlen als sie im Bereich Gemüsecurry selbst aktiv waren während sie den Weißkraut zerschnipselten. Das Essen selbst im Gruppenraum war ebenfalls ein ganz normaler Essensvorgang.

Fazit: 

Ich rätsele daran herum. Die Durchführung war interessant, die Planung ist etwas zu kurz gekommen, betrachte ich aber das was tatsächlich möglich war, so war sie zeitlich angemessen. Um einen Bezug zu einer Andersartigkeit von Kultur und Essen herzustellen, der tiefer geht, braucht es gerade für Kinder aber mehr sichtbare und erfahrbare Begegnungsmöglichkeiten. Dafür ist der gegebene Rahmen jedoch nur begrenzt geeignet. Raum und Gepflogenheiten der Kita bestimmen die Struktur, erleichtern dabei aber wiederum die Durchführung selbst.

Die Veranstaltung selbst ist auch nur der kleine Bestandteil einer ganzen Reihe wahrscheinlich ähnlicher Vormittage, die sich über ein ganzes Jahr verteilen. Welche Zusammenhänge die Erzieherinnen dabei in der Gesamtheit der einzelnen Elemente herstellen können entzieht sich meiner Kenntnis, da ich an diesem Prozess nicht beteiligt bin. Grundsätzlich kann ich mir allerdings eine sinnvolle, der Altersgruppe entsprechende Verbindung von „Theorie“ und „Praxis“ vorstellen, auch unter dem Gesamtthema „Essen aus unterschiedlichen Ländern“. Als einmalig von außen Hinzukommender bleibt mir hier aber ein weiterer Einblick verwehrt.

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