Bildungsmäuschen

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Dankbarkeit für Bildungsangebote

Gefühlszustände sind so eine Sache. Manchmal lassen sie alles in einem finsteren Licht erscheinen und dann wieder wie heute sind sie gesättigt mit Positivem und verwandeln dabei die ganze Welt. Und weil meine Gefühle heute von Dankbarkeit schon fast übersättigt sind und ich strahlend in den Tag starte und es dabei um Bildung geht, so will ich mich an dieser Stelle bedanken.

Ich bin froh, dass es die Fernuni in Hagen gibt. Auch wenn manches besser sein könnte und eine Fernuni viele Tücken hat – ohne Fernuni könnte ich nicht studieren und vielen anderen geht es ähnlich. Vieles kann ein solches Studium nicht ermöglichen, aber das will ich in meiner momentanen emotionalen Verfassung nicht weiter beachten. Ich bin denen dankbar, die sie eingerichtet haben, die sie aufrecht halten und sich dafür einsetzen.

Ich habe gelernt meine Praxis anders wahrzunehmen und in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Ich habe Selbstbewusstsein gewonnen und fühle mich erwachsener geworden. Ich habe neue Lernwege kennengelernt, ich habe gelernt anders zu denken. Ich habe Zugang zu den vielfältigen Lernwege des Netzes gefunden, habe die MOOCs entdecken können und das Bloggen. Vieles war nicht von der Fernuni intendiert, doch es ist nebenbei geschehen. Ich bin zufriedener mit meinem Leben und ich fühle mich mehr in die Gesellschaft integriert. Ich beginne eine andere Zukunftsperspektive zu entwickeln, nicht nur für mich sondern für die Gesellschaft an sich.

Ich bin froh, dass es an der Vhs Kassel  Herrn Kido gibt, der seit Jahren unermüdlich sein Bestes tut um einem kleinen Kreis von Übriggebliebenen zu ermöglichen gemeinsam weiter Japanisch zu lernen. Ich bin froh, dass diese Gruppe von Berufstätigen, Rentnern und Ausgemusterten weiter existiert, dass wir uns gegenseitig motivieren und langsam, langsam voran schreiten können. Ohne das besondere Engagement von Herrn Kido gäbe es die Gruppe schon lange nicht mehr, denn für eine reguläre Vhs-Gruppe sind wir viel zu klein.

Ich bin froh über all die Menschen die im Netz ihr Wissen zur Verfügung stellen. Die Lernangebote kreieren zu denn ich Zugang habe. Ich bin froh, dass ich dadurch das Denken von Menschen an weit entfernten Orten kennenlernen kann. Ich bin froh, dass es viele frei verfügbare Ressourcen im Netz gibt, die mir sehr schnell den gezielten Zugriff auf hochwertige Informationen erlauben.

Ich bin froh, dass ich wissenschaftliches Arbeiten kennengelernt habe, und zum momentanen Zeitpunkt möchte ich auf keinen Fall mit dem Lernen in der momentanen Form aufhören. Nach und nach ergibt sich ein neues Bild vom Lernen, vom Wissenserwerb, von der Wissenskreation, das ich nie hätte kennenlernen können, hätte ich nicht diese Möglichkeit des Fernstudiums gehabt.

Diese Art des Fernstudiums ist für mich möglich, es ist zeitlich und finanziell für mich tragbar. All das Gute, das ich dadurch habe und das sonst für mich nicht zur Verfügung wäre oder nur unter Mühen, die ich kaum tragen würde, ändert meine eigene Haltung zur Menschheit und macht es mir möglich eine Zukunft des Wohlwollens vorzustellen.

So – und damit wende ich mich wieder dem Wissenserwerb zu, der Informationsverarbeitung und der Wissenskreation. Es wird andere Tage geben, an denen ich schimpfe und fluche und nur die Fehler im System sehe. Doch im Moment hat das einmal keine Bedeutung. Und das ist gut so, und es wird gut sein sich daran zu erinnern, wenn die Problem gerade mal wieder überhand nehmen werden.

Auch unzureichende Chancen können großartige Chancen sein, wenn es die einzigen Chancen sind die ein Mensch für sich sieht!

 

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3 Kommentare

  1. birkenkrahe sagt:

    Da ist noch mehr Musik drin (im Wissensangebot): eine der Dinge, die mich, als ich 2003 aus London (zugegeben kein Dorf) nach Berlin zog war, wie wenig es an Angeboten zum „lebenslangen Lernen“, wie es heisst, in Deutschland gibt im Vergleich zu England oder den USA. Ich dachte immer, dass hätte vielleicht zu tun mit dem Misstrauen gegen Karrierewechsel im Alter. In angelsächsischen Ländern ist es selbstverständlich, dass Karriereentscheidungen nicht nur aus ökonomischen und sozialen, sondern aus persönlichen Gründen getroffen werden. Auf die persönliche Entscheidung „ich möchte etwas anderes machen“, oder „ich möchte gerne ein X sein“, folgt dort die Bildungsentscheidung. Daraus resultiert ein großer Bedarf, dem ein gleich großer Markt gegenübersteht, in dem sich private und öffentliche Anbieter tummeln. So habe ich mich in den 1990er Jahren (in London lebend) zum Psychotherapeuten ausgebildet. Ob das immer noch so ist? Ehrlich gesagt, ich habe lange nicht nachgesehen. Die offizielle Bewegung hin zum „lebenslangen Lernen“ habe ich natürlich verfolgt, aber ob das ein Drittmittelphänomen ist, oder wirklich eine Volksbewegung, das weiß ich (noch) nicht.

  2. amirabai sagt:

    Die Situation in Deutschland – ja, wie sieht die aus? Oder wie sah sie aus? Ich wollte hier über die Dankbarkeit schreiben und über die Chance, die sich über alles freut was sie bekommt, das einen hohen Wert hat und bedeutungsvoll ist.

    Zu Beginn meines Studiums habe ich mir mal eine Informationsveranstaltung der ARGE in der Provinz angeschaut. Die war für ältere Frauen unter dem Tenor gestaltet, dass es auch für sie Chancen auf dem Arbeitsmarkt gibt. Es stellte sich im Verlauf der Veranstaltung heraus, dass sie dort ihre Restposten verkaufen wollten, die Jobs und Stellenangebote für die sie sonst niemanden finden. Es ging so weit, dass sie einer 53jährigen vorgeschlagen haben eine Ausbildung als Köchin zu machen, von einem Studium haben sie dagegen ganz und gar abgeraten und meinten, den Leuten würde dabei doch nur das Geld aus der Tasche gezogen. Die adressierte Frau hat damals nur verständnislos den Kopf geschüttelt. Sie hatte körperliche Probleme. Was sollte da eine Ausbildung zur Köchin, nur weil es dort einen Bedarf gab?

    In meinem Beitrag geht es vor allem um zwei Dinge. Um den Zugang zum inhaltlich Hochwertigen und dem Zugang zum Exotischen. Und um einen Zugang der dabei nur eine geringe Abhängigkeit vom scheinbar direkten wirtschaftlichen Nutzen besitzt, so dass eine Einrichtung wie die ARGE oder ein Arbeitgeber dafür keine Unterstützung anbieten würde.

    Viele sind auf finanziell günstige Bildungsangebote angewiesen. Aber wie sind die? Welche Qualität haben sie? Wie verwertbar sind sie? Und wofür sind sie verwertbar? Wie viel tiefergehendes Wissen kann dabei erworben werden? Welches Auseinandersetzungspotential liegt in ihnen?

    Und bei sehr speziellen Interessen? Kann man nur das tun was in der direkten Umgebung verfügbar ist? Das kann in ländlichen Regionen sehr beschränkend sein. Wie führt man etwas Begonnenes fort, wenn nicht mehr genug andere weitermachen wollen? Wo sind dann die Gelegenheiten?

    Ich bin dankbar weil ich benachteiligt bin und über lange Jahre benachteiligt war und mir nun Wissen zur Verfügung steht, das geistige Veränderungsprozesse in Gang gesetzt hat und in Gang setzt. Ohne Fernuni wäre mir das nicht möglich gewesen.

    Es geht dabei um Lebensqualität und es geht um Haltung zum Leben und zur Gesellschaft. Nicht mehr ausgeschlossen zu sein, sondern einen Bereich zu haben in dem eine Verbindung zum Wissensreservoir der gesamten Menschheit zur Verfügung steht. Ein zusammenhängendes Studium ermöglicht das Eintauchen in Gesamtzusammenhänge. Ein über lange Zeit verfolgtes Einzelinteresse erschließt einen Teilaspekt immer umfassender. Das ist anders als hier mal und da mal etwas zusammenzutragen, das in der näheren Umgebung zur Verfügung steht.

    Dafür jetzt die Dankbarkeit – für die Möglichkeit zur Aufarbeitung und zum tiefergehenden Verstehen. Dankbarkeit für geistige Entfaltungsmöglichkeit, für den Ausweg aus einer engen Welt der Begrenztheit. Eben auch wenn die Bedingungen dafür oft ganz schön schwierig sind.

  3. birkenkrahe sagt:

    Dankbarkeit finde ich eine ganz wichtige Regung des Gefühls und des Geistes und die kommt bei dir hier sehr schön zum Ausdruck!

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