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Auf der Spur des Lernens mit Hilfe der Teaching for Learning Kurse

Mein erster Kurs der achteiligen Reihe war der dritte und ich hatte ihn belegt, weil er Lernen und Lernende  als Thema hatte und ich hoffte, dadurch mehr Verständnis vom Lernen zu bekommen. Dass ich mich dabei in einem Kurs befand, der auf praktizierende Schullehrer mit und ohne Ausbildung vor allem aus dem Raum des Commonwealth zugeschnitten war, habe ich einerseits in Kauf genommen, andererseits habe ich die Vielfalt der Herkunft der Dozenten und Beispiele genossen.

Der Kurs war von seinem Inhalt und seiner Gestaltung her dann für mich so interessant, dass ich im Lauf der Zeit alle weiteren Kurse belegt und erfolgreich nach den vorgegebenen Kriterien abgeschlossen habe. Momentan bearbeite ich den letzten, und bin inzwischen seit über einem Jahr mit der Reihe beschäftigt. Gerade die beiden letzten Kurse hatten Themen, die mich zu Beginn nicht interessierten (Being a Professional, Developing Relationships), sie erwiesen sich aber dann als die mit den interessantesten Themen. Gerade der jetzt laufende Kurs hat es geschafft meine kognitive Karte vom Lernen unter einen Gesamtzusammenhang zu stellen. Natürlich hat das nicht der Kurs allein bewirkt, viele Einflüsse haben in den letzten Jahren auf mich eingewirkt, aber er hat die Beziehung zum Lernen thematisiert und mir Belege dafür geliefert, dass ein positives Verhältnis zum Lernen das Entscheidende ist, was im Feld des Lernens zu erreichen ist.

Für mich kam diese Erkenntnis während ich Assessment1-T8 für den Kurs schrieb, bei dem ich noch einmal die Themen der ersten zwei Wochen knapp zusammenfasste. Das war nicht die gewünschte Lösung gewesen, das musste ich nach über 700 Worten feststellen (mehr sollten es nicht sein), als ich keinen Platz mehr dafür hatte zu schreiben, welche Aktivitäten ich selbst einsetze, um im Klassenraum wirksame  Beziehungen für produktives Lernen bei Schülern zu nutzen. Ich wollte mich dafür an der Praktikumsbearbeitung von Modul 3B aus dem Fernstudium ausrichten und die Beschäftigung damit auch mit dem MOOC verbinden.

So hieß es also noch einmal fluchend von vorne zu beginnen, da ich die Arbeit eines ganzen Vormittags nicht zum Erreichen der Punkte für das Essay verwenden konnte. Die Mühe hatte allerdings unerwartete Früchte getragen. Während des Schreibens war mir aufgefallen, dass der Inhalt der ganzen zwei Wochen auf eine Aussage hinauslief. Für ein erfolgreiches Lernen ist ein positives Verhältnis zum Lernen notwendig. Lernen muss als etwas Erfreuliches wahrgenommen werden, das einen Prozess bedeutet, der in eine bessere Zukunft führt. Und das ist die Haltung, die auch die Lehrende zu vermitteln hat. Lernen soll Spaß machen und Freude bereiten. Nicht die Art von Spaß, die mit Vorstellungen von Einfachheit und Leichtigkeit verknüpft ist, sondern Freude an Ausdehnung und Gelingen, an Veränderung und Verbesserung, an Erkenntnis und Verstehen, verbunden mit einer Freiwilligkeit des Bemühens.

Ich merke, dass es mir noch schwer fällt anderen zu vermitteln was ich meine. Zu oft wird bei Spaß und Freude an geringe Anforderungen gedacht und Schüler nur tun zu lassen was sie wollen ohne Stress und Druck. Das ist aber nicht gemeint. Sondern es ist die Ausrichtung auf die Entwicklung einer inneren Haltung, die das Schwere und Anstrengende freudig annimmt, da sie eine Notwendigkeit zur Zielerreichung sind. Es ist Begeisterung für den Prozess, Erkennen von Sinn, Zuversicht in die Möglichkeit des Erfolgs und Befriedigung durch die Handlung, die Schritt für Schritt vorwärts führt und das erreichbar werden lässt, was zu Beginn noch weit entfernt lag.

Natürlich hat hier die Beschäftigung mit dem ARCS-Modell von Keller mitgemischt (Aufmerksamkeit, Bedeutsamkeit, Erfolgszuversicht, Zufriedenheit), aber letztlich ist es in der Gesamtheit nur ein Verstehen davon, wovon  ich intuitiv bereits ausgegangen bin. Jetzt kann ich es aber in den Bereich des Ernstes versetzen. Ich kann Spaß ernst nehmen und kann sagen, wenn wir die Freude am Lernen vergessen, wenn wir sie nicht ernst nehmen, wenn wir denken, das harte schwere erzwungene leidvolle Lernen unter Stöhnen würde mehr Erfolg bringen, so irren wir uns. Lernen muss glücklich machen. Auch Jean-Pol Martin geht davon aus. Und auch wenn ich Carl Rogers Maslow, den Jean-Pol Martin für sein Menschenbild verwendet, anscheinend vorziehe, so befinden sich doch beide im gleichen Raum der humanistischen Psychologie.

Ich habe für mich meine Orientierung für Lernen und Lehren gefunden.

Lernen ist ein Prozess der stetigen Veränderung, der mit Freude verbunden sein soll.

Darauf kann ich alles andere aufbauen. Das kann ich als Maßstab und Richtschnur verwenden. Und es gilt auch für die Pflicht, nicht nur für das freiwillige, zusätzliche Lernen. Für mich fühlt es sich stimmig an. Das Interesse aus dem ich einmal diese Kursreihe begonnen habe, die Fragen, die ich hatte, sind zu einem Ende gekommen. Die Kursreihe ist noch nicht zu Ende und mir selbst verpflichtet möchte ich sie auch mit Erfolg abschließen, es fühlt sich aber an, als habe sie jetzt ihren Zweck erfüllt. Alles was noch kommt ist zusätzlich, könnte von heute auf morgen beendet werden, nur die letzte Pflicht würde dann noch ausstehen.

Ich bin gespannt was für Auswirkungen mein neues Verständnis haben wird. Wie es sich auf meine Betrachtung des Bildungsbereichs auswirken wird. Denn die Vorstellung, dass Lernen ein positiver, erfreulicher Prozess sein soll, führt mich zu einer sehr eindeutigen Herangehensweise an den Vorgang des Lernens, den ich für mich selbst und andere entsprechend zu gestalten gedenke.

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