Bildungsmäuschen

Startseite » Praxis » Veränderungstendenzen im frühkindlichen Bereich

Veränderungstendenzen im frühkindlichen Bereich

Meine Blogbeiträge haben unter anderem die Funktion meinen Kopf zu entlasten. Da mein Studium der Bildungswissenschaft von seinem Konzept her relativ generell ist, ich selbst zwar gewisse Schwerpunkte habe, aber vor allem an allgemeinen Zusammenhängen im Bildungsbereich interessiert bin, wird mein Blog etwas bleiben, das innerhalb des Bereichs Bildung zwischen Themen springt.

Momentan beschäftigt mich das Vordringen systematischer Bildungsbemühungen in den frühkindliche Bereich. Ausgelöst wurde auch das durch die Beschäftigung mit dem bereits im Jahr 2010 beendeten Unterricht „English for Beginners“ für Vorschulkinder. Abgesehen davon, dass ich durch mein Studium jetzt über andere Möglichkeiten verfüge Unterricht systematisch zu gestalten, würde ich zum momentanen Zeitpunkt nicht mehr in der gleichen Weise vorgehen wie ich das damals getan habe.

Was steckt dahinter? Kürzlich konnte ich beim Zappen in der Nacht auf meinem regionalen Fernsehsender eine Vorlesungsaufzeichnung aus dem Jahr 2011 zum Early Excellence Modell hören. Etwas Entsprechendes hatte ich einerseits noch nie über ein Fernsehprogramm gesehen, andererseits entsprach es genau dem, das mir im Rahmen meines Studiums durchaus mit Absicht anschaue. Bei der verwendeten Fachsprache und dem deutlich werdenden Kontext fühlte ich mich gleich heimisch. Parallel dazu war diese Sendung über ein einerseits alt vertrautes Medium (Fernsehen) und andererseits vergleichsweise neue Verwendungsform (lokaler Sender) nur das letzte Element das mir bestätigte: der frühkindliche Bereich ist in heftiger Veränderung begriffen. Bildung geschieht nicht mehr als Nebeneffekt der Erziehung, sondern es wird versucht sie systematisch schon bei den Kleinsten zu fördern. Dazu soll die Qualität der pädagogischen Arbeit verbessert werden.

In der letzten Zeit bin ich an sehr unterschiedlichen Orten mit den Auswirkungen konfrontiert. Dabei deutet sich eine zunehmende Professionalisierung der frühkindlichen Bildung an, die sehr schnell zu beträchtlichen gesellschaftlichen Auswirkungen führen könnte. Einerseits können sich Kinder durch gezielte Maßnahmen schnell verändern, andererseits ändern sich die Vorstellungen der Qualität der Arbeit, der Art der Kindereinrichtungen, der Inhalte der Arbeit als auch ihrer Präsentation oder Ausrichtung. Dabei wird auch ein Feld vielfältiger Problematiken sichtbar wie im Verlauf von Veränderungsprozessen üblich.

Es findet dabei auch eine Verzahnung zwischen Grundschule und Kindertagesstätte statt, bei der in meinen Augen noch aussteht, wie sich das Verhältnis von Schulpädagogik zu Sozialpädagogik entwickeln wird.

Für mich selbst bedeutet das, sollte ich jemals wieder Unterricht im vorschulischen Bereich anbieten, so wird die Tendenz, die ich schon vor Beginn meines Studiums 2011 wahrgenommen habe, für mich leitend sein. Auch vorschulische Angebote haben sich an Kriterien für inhaltlich hochwertigen Unterricht zu orientieren. Darauf wurde in der Vergangenheit noch verzichtet (was allerdings nicht bedeutet, dass Unterricht schlecht gestaltet war), da es als ausreichend betrachtet wurde, dass dieser Aspekt im Verlauf der Schulzeit bedient wird. Für den Bereich vor der Schule stand lange Zeit eine Ausrichtung auf das Wohlergehen der Kinder im Vordergrund.

Das bedeutet jedoch nicht das eine für das andere zu vernachlässigen, wie es manchmal auf ältere Kinder und Jugendliche bezogen erscheint, denen dann zugemutet wird Freude der Lernleistung unterzuordnen, sondern es bedeutet beide Bereiche in einem ausgeglichenen Maße zu verbinden. Wohlergehen soll genauso vorhanden sein wie Effektivität und Leistung. Wir wollen uns nicht an Beschämung zur Leistungsmotivation ausrichten wie das für chinesische Pädagogen anscheinend ohne Problem machbar ist, was aus einem Bericht meiner Nichte zu einem kürzlich erfolgten Schüleraustausch in Shanghai herauszuhören war und auch im Film Alphabet anschaulich thematisiert wird. Es gibt ausreichende Belege dafür, dass ein Lernen mit Freude effektiver ist als ein Lernen unter Stress [1] [2]. Und zufrieden und glücklich lässt sich dabei ganz nebenher auch noch werden. Und wenn wir dann nebenbei noch ein paar gesellschaftlich drängende Probleme in den Griff bekämen, könnten wir vielleicht doch einmal zu einer Gesellschaft mit einem hohen BNG werden. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben. 😉

Referenzen:

[1] Assessment#1-T8

[2] http://dasgehirn.info/handeln/lernen/neurodidaktik-lernen-muss-spass-machen-7537/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: