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Warum ist das Bloggen für mein Lernen hilfreich?

Das erste Mal ein Beitrag im neu upgedateten Opera. Bisher war ich noch immer mit dem inzwischen sehr veralteten, aber trotzdem meistens noch manierlich laufenden Opera 12.17 unterwegs. Jetzt kam das erste Mal seit langer Zeit ein Updateangebot. Als Investition in die Zukunft werde ich nun wahrscheinlich nicht mehr zwischen Chrome und Opera wechseln, denn mit dem neuen Opera habe ich beides: ein ausreichend funktionierendes Puzzle aus Chrom und dem alten Opera.

Warum ich unter den Themen des Blogs darüber schreibe? Wer meinen Blog schon zu Anfang besucht hat weiß vielleicht noch, dass er auf dem schon lange eingestellten MyOpera gestartet ist. Opera hat mir die ersten Schritte in die Welt des Bloggens eröffnet, nicht WordPress. WordPress hat nur viele der heimatlos Werdenden aufgenommen. So wie mich. Ausschlaggebend war dabei, dass der Umzug der reinen Bloginhalte sehr einfach und schnell war. So bin ich eben auf WordPress gelandet und auch geblieben. Weil ich vor allem schreiben will.

Und damit bin ich beim eigentlichen Thema. Ich rätsele schon sehr lange daran herum, warum das Bloggen hier mir so immens bei meinen Lernprozessen hilft. Ich schreibe meine Beiträge meistens nachts, nachdem mir nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen Zusammenhänge klar geworden sind. Ich könnte das vorbeiziehen lassen, tue es auch oft, halte ich meine Erkenntnisse aber fest, dann kann ich mich einerseits besser an sie erinnern, andererseits kann ich dadurch zu anhaltenden, noch tiefer gehenden Einsichten kommen.

Ich könnte nun einfach nur Notizen machen, etwas anfertigen das ausschließlich für mich bestimmt ist. Der Zeitaufwand wäre wahrscheinlich geringer. Ich könnte auch nur auf meinem eigenen Rechner schreiben oder auf einem rein privaten Blog. Das motiviert mich aber nicht. Ich schreibe auch nicht um es später zu verwenden, auch nicht um es später noch einmal nachzuvollziehen. Auch wenn beides vorkommt, beim Schreiben selbst ist es nicht beabsichtigt. Ich schreibe allein deshalb, um im Augenblick des Schreibens etwas das mir wichtig erscheint zu ergründen, um einen Überblick darüber zu gewinnen und auch um es dadurch aus dem Kopf zu bekommen. Der Effekt ist eine größere Bewusstheit und Klarheit und eine Verbindung der Erkenntnisse mit anderen Wissensbeständen.

Was ich dabei benutze ist letztlich auch eine Form des Lernens durch Lehren, entsprungen dem starken Bedürfnis, das was für mich wichtig ist für mich selbst nachvollziehbar und verständlich zu machen und dabei in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Das was ich mir dabei erarbeitet habe, eignet sich grundsätzlich zum Teilen. Ich will das auch, das Teilen, bin dabei allerdings eine zögerliche Gesellin. Ich will mich niemandem aufdrängen. Ich mache nur ein Angebot. Wer mag kann es nutzen und ich freue mich wenn das geschieht, denn es ist angenehm für andere nützlich zu sein und Anerkennung zu bekommen. Es ist eine wichtige, aber keine hervorstechende Motivation, und solange auch nur eine einzige Person meine Beiträge liest, ist diese Funktion erfüllt.

Der Blog erfordert es eine verständliche Sprache zu nutzen. Erfordert es nachvollziehbar zu sein und zu begründen und manchmal auch zu belegen. Ich will etwas ergründen, will dabei aber auch verstanden werden. Genau diese Ansprüche bringen den Gewinn. Ich lese wieder und wieder nach und überlege ob es so stimmt oder ob noch etwas fehlt. Genau das führt häufig zu unerwarteten Erkenntnissen und Entdeckungen. Ich versuche aufzuspüren was an Wissen bereits in mir vorhanden ist und das so exakt wie es geht abzubilden. Dadurch gewinnt das womit ich mich auseinandersetze an Bedeutung und Anschlussfähigkeit, die ich später wieder für mich nutzen kann.

Bei der Bearbeitung eines Jahre zurückliegenden Praktikums habe ich Aufzeichnungen benutzt, die ich nur für mich angefertigt hatte. Vieles davon kann ich heute kaum noch nachvollziehen, geschweige denn dass ich den Unterricht auf dieser Basis wiederholen könnte. Es ist zwar sehr beachtlich, dass ich diese Aufzeichnungen gemacht habe, ohne sie hätte ich jetzt weniger authentisches Material auf das ich bei meiner Dokumentation zurückgreifen kann, hätte ich aber schon damals eine Dokumentationsform gewählt, die sich an einen imaginären, außen stehenden Leser richtet, so hätte ich nachvollziehbarer geschrieben.

Diese Aufforderung im Hintergrund zu haben nachvollziehbar sein zu müssen, bringt einen wichtigen Gewinn. Gelingt es dann noch die Inhalte in einen größeren allgemein zugänglichen Kontext einzuordnen, können die Erkenntnisse anderer wie z.B. wissenschaftliche Theorien genutzt werden. Es wird eine Brücke möglich zwischen der individuelle Erfahrung oder Bearbeitung und der von außen aufgenommenen Lehre oder Erfahrung anderer.

Im Schreiben wird gelernt. Es wird ein Lernen durch Schreiben, das dabei aber gleichzeitig die Form der Lehre benutzt, durch die Erklärung für die eigene Person, die dabei aber die Form der Erklärung für jeden beliebigen Leser benutzt. Es bleiben keine persönlichen, nur der Schreibenden verständliche Formulierungen, sondern die Absicht ist es sich auch dem imaginierten Leser verständlich zu machen. Ihn zu lehren.

Und das ist auch die Bedeutung eines Lernens durch Lehren, das darauf aufbaut etwas das man sich selbst erarbeitet hat an andere so weiter zu geben, dass es für sie verständlich, nachvollziehbar und damit selbst anwendbar wird. Lehrer und Lerner vermischen sich dabei in einer einzelnen Person.

In seinem letzten Blogpost verlinkt Markus Deimann einen Beitrag aus dem ich für mich herausgelesen habe, dass der Lehrer derjenige ist, der par excellence einer Kultur des Teilens angehört. „Die Forderung, Ideen und Materialien frei mit anderen zu teilen, ist unbestritten Teil pädagogischer Grundprinzipien.“ (Deimann 2014, S.179). Das ist ein sehr, sehr wichtiger und entscheidender Punkt, wobei ich das freie Teilen hier erst einmal nicht weiter beachten will, da es für mich ein sehr umfangreiches weiterführendes Thema darstellt. Das was sich selbst erarbeitet wurde und weitergegeben wird, wird zur Lehre. Die Erfahrung des Nutzens für die eigene Person dadurch fördert die Kultur des Teilens. Die Lehrerin lernt während sie lehrt. Inhalte genauso wie die Form, also Methoden und Mittelverwendung.

Im Blogschreiben ist die Lernende aktiviert. Die Vermittlung an den Leser wird zur Lehre. Und da stellt sich für mich die Frage, kann man über das Schreiben von Blogs lehren? Werden Blogs überhaupt als Lehre begriffen? Vielleicht entspringen solche Überlegungen dem Bedarf der doch recht vereinzelten Fernstudierenden, vielleicht ist es aber auch ein Bedarf jeder Spezialistin, der ausreichende Gesprächspartner fehlen.

Wie auch immer. Da mich die Frage nach dem Blogschreiben nicht loszulassen scheint, es nach wie vor gewinnbringend für mich ist und die zeitlichen Kosten rechtfertigt, komme ich langsam zu der Frage, ob ich mich als nächstes Projekt nicht einmal genauer mit dem Bloggen beschäftigen sollte. Es  gibt viele mögliche Fragen. Was, wie, wozu. Das Wann ist schon recht klar. Aber für wen oder, was geht da noch außer dem was ich tue, danach habe ich noch nie gefragt. Auch kaum danach was sich verbessern lässt. Ich nutze und schreibe drauflos. Werde ich so weiter machen? Und weiter meine Fragen stellen und versuchen sie mir zu beantworten?

So will ich am Ende noch einmal zur Anfangsfrage zurückkehren. Warum ist also das Bloggen für mein Lernen hilfreich? Weil ich damit einen Ersatz für die Fachgespräche habe, die ich nicht führen kann. Das ist die spontane Antwort. Und wenn ich jetzt zur nützlicheren Wie-Frage wechsele, dann lautet sie, weil ich meinem eigenen Denken, meinen eigenen Bedeutungen dabei auf die Spur komme, weil ich mich selbst befrage, weil ich versuche eine Brücke zu schlagen zu den Inhalten die ich aufnehme. Weil ich mich über den Blog mit der Welt verbinde. Weil ich versuche dabei authentisch und gleichzeitig verständlich zu sein und versuche die aufgenommenen Inhalte anderer zu integrieren. Weil der Blog Inhalte für mich innerhalb meiner eigenen Weltwahrnehmung sinnvoll macht. Und weil sich aus Antworten wieder neue Fragen ergeben. Und weil mich das Blogschreiben zufrieden macht. Weil es sich wie eine authentische Leistung anfühlt und auch optisch eine Leistung darstellt, die durch den Akt des Lesen manchmal sogar zu einer Form der Kunst wird.

 

Referenz:

Deimann, M. (2014). „The dark side of the MOOC“: Eine Hochschule für alle? In Deutscher Akademischer Austausch Dienst e.V. (DAAD) (Hg.). Die Internationalisierung der deutschen Hochschule im Zeichen virtueller Lehr- und Lernszenarien. URL: https://www.wbv.de/openaccess/schlagwortverzeichnis/specialsearch/M/shop/detail/name/_/0/2/6004449w/special/keyword/Massive%20Open%20Online%20Course%20%28MOOC%29.html#single-4ed807c04966754e 

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2 Kommentare

  1. birkenkrahe sagt:

    # Angelika Mogk (@amirabai) – Bloggen
    Bloggen ist nicht nur eine authentische Leistung, sondern du machst es auch besonders gut, finde ich! Ich schreibe schon lange Blogs und zucke immer wieder zurück, wenn es mir zu viel wird – ich habe allerdings auch eine Menge Blogs…ca. 9 glaube ich (habe wohl den Überblick verloren ;-)…hatte schon mehr: die bespiele ich natürlich nicht alle parallel: zur Zeit nur mein Business-Blog und mein Belletristik-Blog.
    Meine Studierenden bloggen auch: hier sind zwei Beispiele – ein Studentenbericht (Blogs im Kurs) und ein Artikel, den ich erst gestern veröffentlicht habe (Blogs in einem Forum von Abschlusskandidaten).
    Hilfreich finde ich es auch, sehr sogar: insbesondere immer dann, wenn ich mich selber in Neuland vorwage. Gleichzeitig sehe ich diese Tendenz auch kritisch: mir ist bewusst, dass ich mich durch das öffentliche Schreiben verwundbar mache und zwar in doppelter Hinsicht – Gedanken, die eventuell besser privat geblieben wären, werden unwiderruflich öffentlich gemacht; und ich mache mich von dieser Öffentlichkeit dadurch auch irgendwie abhängig: als ob ich ohne diesen Austausch gar nichts zu Stande bekäme. Und was heißt hier eigentlich „Austausch“: trotz Social Media bleibt er in der Regel bei „LIKE“ stecken, wenn es hoch kommt, gibt es „RETWEETS“ oder „FAVORITES“. Alles sehr im Bereich der Fahnenstange – mit richtiger Diskussion hat das wenig zu tun. Solche Diskussionen gibt es natürlich auch, aber dafür braucht man eine kritische Masse von Teilnehmern – und die habe auch ich mit tatsächlich Tausenden von „FOLLOWERS“ nicht.
    Während ich mit dem ersten Punkt meinen Frieden geschlossen haben (sonst wäre ich gar nicht auf dem Netz tätig) beunruhigt mich der zweite Punkt weniger im Hinblick auf mein Fach-Blog, aber schon mehr im Hinblick auf meine Belletristik: anders als bei Non-Fiction/Sachliteratur ist das Schöngeistige doch eine sehr zerbrechliche Pflanze und ich bin nicht der erste, der bemerkt, dass frühzeitiges Herausposaunen von Ideen zum Versiegen der Kreativität führt. Da gibt es verschiedene Theorien, warum das so sein mag – ich habe mich immer damit abgefunden, dass mein Unbewusstes eben deutlich introvertierter ist als ich es bin. Das muss man respektieren! (Wenn man schreiben möchte)
    Diese These „Lehrer sind Teiler“ kann ich gar nicht teilen, leider. Aber das geht über diesen kleinen Beitrag hinaus!

  2. amirabai sagt:

    Was für ein langer Kommentar und auch noch ein Lob! 🙂
    Ich denke, bloggen kann man auf sehr verschiedene Weise und mit sehr unterschiedlicher Zielsetzung. Überblick habe ich da allerdings keinen. Dazu lese ich zu wenige Blogs 🙂
    Dass Herausposaunen destruktiv sein kann kenne ich – allerdings aus anderen Zusammenhängen als mit dem Bloggen. So wie ich es verwende wirkt es in der Regel förderlich, weil ich mir dabei etwas erarbeite, was es sonst in der Form wahrscheinlich gar nicht gegeben hätte. In gewisser Weise treibe ich ja dadurch erst Prozesse voran.
    Ich kenne die negativen Auswirkungen von Herausposaunen eher aus Gesprächen, in denen ich eine Grenze überschreite, die ich besser beachtet hätte. Ich hatte aber schon lange keine Gelegenheit mehr zu dieser Art von Gesprächen. Schreiben funktioniert bei mir anders. Ich überlege dabei sehr viel, da werden Grenzen weniger leicht überschritten.
    Das mit den Lehrern als Teiler habe ich auch nur angerissen. Ich denke aber schon, das Grundprinzip stimmt. Warum dann nicht geteilt wird, oder nur unter bestimmten Bedingungen, auf dieses Problem bin ich nicht eingegangen. Ich kenne es aber. Es spricht aber für mich nicht gegen diese Grundannahme, dass Lehren bedeutet etwas herzugeben und mit anderen zu teilen.

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