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Inklusive Pädagogik

Der Beginn der letzten Woche des letzten Kurses der achtteiligen MOOC-Reihe Teaching for Learning erschien mir wie ein Feuerwerk. Ganz am Ende Reihe wurden Diversity und die inklusive Schule zum Thema, Inhalte, die mich an dieser Stelle überrascht und gleichzeitig extrem positiv in Hinblick auf zukünftige Entwicklungen gestimmt haben. Mit dem kleinen Wermutstropfen dass ich bedauerte, dass diese Gedanken nicht schon viel früher in meinem Leben in Erscheinung getreten sind. Allerdings relativierte sich das schnell, denn so richtig wollte die Idee der Inklusion nicht in der Wirklichkeit Fuß fassen. Es war auch das erste Mal im letzten Teil der Reihe, dass ich beim Wochenquiz nicht in der Lage war alle gestellten Aufgaben zu lösen, bevor meine drei Versuche verbraucht waren. Auf die Praxis hin orientierte Aufgaben bereiteten mir Schwierigkeiten, bei denen ich aus verschiedenen Strategien für Lehre, aus Formen der Beurteilung von Arbeitsleistung sowie Förderung von Diversity durch Lehren eine Auswahl in einem kulturell ansprechenden (culturally responsive) Sinn treffen sollte.

Es hat mich tief beschämt wie wenig Differenzierungsvermögen ich in diesem Fall besitze. Ich habe mich lange mit den Aufgaben und den Antworten auf falsche und richtige Lösungen beschäftigt. Und ja, ich kann die Argumente nachvollziehen, aber ich muss mir eingestehen, dass ich kaum Vorstellungen davon habe wie Inklusion in der Wirklichkeit aussieht. Und ein Gespür dafür wie sich Inklusion anfühlt habe ich offensichtlich auch nicht. Parallel dazu bin ich an meinem Arbeitsplatz auch noch mit Verhaltensweisen von meiner Seite konfrontiert, die am Besten der Kategorie „Es gibt kein richtiges Leben im Falschen“ zugeordnet werden können. Vom einen auf den anderen Tag rutsche ich von Hochgefühl und positiver Zukunftsvision in die Abgründe der Mitschuld und Verstrickung, als auch des Gefühls ausgeliefert und machtlos zu sein, also keine Kontrolle zu besitzen, weder über die äußeren Umstände noch über meine eigenen Verhaltensweisen.

Es fühlt sich schrecklich an und was tue ich? Ich zeichne. Ich beginne eine kleine Geschichte, die ich vor kurzem gescribbelt habe und die aus Einzelbildern besteht, die ich auf je eine Seite eines A5-Heftchens zeichnen will. Diese Heftchen habe ich mit Kindern in der Betreuung gemacht. Sie haben einen Umschlag aus farbigem Tonkarton und etwa 16 weiße Seiten. Die Kinder haben dann damit begonnen in diese Heftchen zu zeichnen. In der ersten Version, die ich gesehen habe, waren Fantasiefreunde. Dann hat ein Kind verschiedene Monster gezeichnet, ein anderes Weihnachtskugeln. Immer eine Figur auf eine Seite und auf der Umschlag wurde mit farbigen Buntstiftzeichnungen gestaltet. Das hat mir gefallen und mich auf die Idee für das Heftchen gebracht, das ich mir jetzt vorgenommen habe. Wenn es fertig ist will ich es den Kindern zeigen. Als meine Idee, entstanden aus gemeinsamen Ideen und vielleicht wieder Anregung für neue Ideen.

Ich denke, darin drückt es sich gut aus wie das mit der Arbeit mit Kindern so ist. Was daran immer wieder motiviert.

Aber jetzt stehe ich unter dem Eindruck, dass es an der Zeit ist Inklusion zu verwirklichen.

  • Ein inklusiver Klassenraum ist eine unterstützende, sorgende Lerncommunity, in der jeder Schüler sich akzeptiert fühlt.
  • Inklusion ändert die Spielregeln. Jeder kann spielen und jeder kann gewinnen. (übersetzte Inhalte des MOOC)

Ich bin dafür nicht bereit. Meine Umgebung scheint dafür nicht bereit. Es haut alles nicht hin und es ist alles schrecklich. Und ich bin so vollkommen unfähig. Also zurück zu dem was positiv ist. Und wieder neu beginnen. Wo ist sicherer Boden? Was ist verlässlich? Und dann – was bedeutet Inklusion konkret, wie kann sie im Alltag aussehen? Was widerspricht ihr? Was für Strategien gibt es? Wie gehe ich mit den Kindern um? Wie mit den Erwachsenen? Wie mit den Strukturen? Was kann ich als Einzelne überhaupt tun? Wie behalte ich mein eigenes Verhalten im Alltag während des Handelns im Auge? Wie kann ich mich selbst daran hindern unüberlegt gewohnte Verhaltensweisen zu reproduzieren?

Inklusion wie sie hier verstanden wird ist nicht nur etwas für den Klassenraum. Sie ist eine Lebenshaltung. Inklusion bezieht sich auch nicht nur auf Behinderte. Bei dem Begriff beginnt es bereits. Niemand ist behindert wenn alle als verschieden wahrgenommen werden. Gestern hat die Freiwilligenbeauftragte der Lebenshilfe den Zeitungsartikel zum Freiwilligentag versendet. Ich habe an dem Tag viel gelernt. Das verbindet sich jetzt mit den MOOC-Inhalten. Und die MOOC-Inhalte verbinden Inklusion mit meinem Arbeitsplatz. Inklusion bleibt nicht mehr auf den Bereich der Lebenshilfe beschränkt, sondern dringt aus dem Sonderbereich in den Bereich des Normalen [1].

Eigentlich kein Wunder wenn ich jetzt versage. Ich bin nicht auf Inklusion vorbereitet, ich arbeite an einem Arbeitsplatz an dem sich nicht gezielt damit beschäftigt wird. Ich werde zur Zeit auf ganz andere Verhaltensweisen hin beeinflusst. Ich finde diese allerdings nicht gut. Ich mag es viel lieber wie ich den Umgang mit Menschen bei der Lebenshilfe empfinde. Der MOOC arbeitet mit der Darstellung von 15 verschiedenen Unterschiedlichkeiten und einer offenen Rubrik für weiteres. Das öffnet den Blick dafür, dass Diversity sowieso der normale Zustand ist. Viele Fragen ergeben sich daraus. Wie lerne ich es jeden einzelnen zu respektieren? Will ich das überhaupt? Wie finde ich den sicheren Boden auf dem ich stehen kann, wie bei der Sache mit dem Zeichnen, und von dem aus ich Geschehnisse betrachten und beurteilen kann, so dass ich nicht einfach drauflos reagiere, sondern mit Bedacht handele? Was finde ich eigentlich richtig und wie kann ich das leben?

Ich habe im Augenblick keine Antworten, aber meinen Willen gestärkt es jeden Tag weiter zu versuchen. Mich immer wieder neu auseinanderzusetzen. Mit Unstimmigkeiten, Unangenehmem, mit Versagen und Fehlern. Mit Verletzungen, die ich bekomme und die ich anderen zufüge. Ein Schritt könnte sein, dass ich mich noch intensiver mit der Idee und den Vorstellungen inklusiver Pädagogik beschäftige. Die Lebenshilfe hatte ich bisher nur als einen Sonderbereich wahrgenommen, der MOOC hat jetzt starkes Interesse an Inklusion geweckt, das ganze Thema aber letztlich nur angekratzt. Ich stelle fest, dass ich eigentlich kaum etwas über inklusive Pädagogik weiß. Hat ja auch mein Ergebnis beim Wochenquiz deutlich gezeigt!

Und der Wikipediaeintrag verweist bereits auf viele damit zusammenhängende Problematiken, die im MOOC nicht zur Sprache gekommen sind. Der wollte anscheinend vor allem für die Idee einer inklusiven Schule gewinnen, hat darin auch die Zukunft von Schule generell entworfen. Aus der langsam entstehenden Distanz betrachtet für mich nicht mehr die Folgerichtigkeit von 8 aufeinander aufbauenden MOOCs, sondern nur eine Möglichkeit, die allerdings von den Veranstaltern favorisiert wird. Was mich ja auch gleich zu Beginn der Woche verblüfft hat.

Ich distanziere mich daher langsam von der Begeisterung, die in mir geweckt wurde und die in Konfrontation mit existierender Praxis zu Frustration führte, ohne aber die Idee fallen zu lassen. Die erweiterte Vorstellung von Inklusion hier ist auf jeden Fall sehr bedenken- und beachtenswert. Als Vision scheint sie auch zu funktionieren. Aber wie sieht sie in Konfrontation mit der Praxis aus?

Referenz:

[1] Inklusive Pädagogik URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Inklusive_Pädagogik

Interessierender Link:

http://schuleltern.kopprasch.de/inklusive_padagogik.pdf

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